Kostenexplosion und Planungsmängel bei neuem Schulcampus in Pieschen
Der Neubau für den Schulcampus in Dresden-Pieschen gerät weiter ins Stocken und die Kosten laufen nach Angaben der Stadtverwaltung aus dem Ruder. Wie die Stadtverwaltung am Mittwoch schriftlich mitteilte, habe man die Verträge mit den drei zuständigen Planungsbüros in der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) gekündigt.
Verwaltung listet Mängel auf
Laut Verwaltung hätten sich seit Beginn der Arbeiten an Gehestraße/Erfurter Straße Fehler und Mängel in Planung, Überwachung und Ausführung gehäuft. Die Verwaltung will bei der Arbeitsgemeinschaft Schadensersatz geltend machen und jegliche Honorarzahlungen stoppen. Laut Verwaltung reichen die Pobleme von "Nichtbeachtung von Bodengutachten, verspätete Tragwerksplanung über Verzögerungen bei der Prüfung von Rechnungen und Nachträgen bis hin zu mangelhaften Leistungsverzeichnissen für Bau- sowie Haustechnikgewerke." Die Mehrkosten werden auf rund neun Millionen Euro beziffert. Ursprünglich sollten 75 Millionen Euro investiert werden.
Die städtische Baugesellschaft Stesad führt das Projekt nun in Eigenregie fort, der Eröffnungstermin für August 2019 solle gehalten werden, hieß es.
Das sagt die Arbeitsgemeinschaft der Planungsbüros
Wir haben bei den drei Planungsbüros und dem Bevollmächtigten der ARGE am Mittwochnachmittag um Stellungnahme gebeten. Der zuständige Bevollmächtigte Jens Uwe Pöksen hat sich auf unsere Anfrage schriftlich geäußert. Pörsken bestätigte die Kündigung des Planungsvertrages: "Damit befinden wir uns automatisch in einer rechtlichen Auseinandersetzung. Wie Sie in der Pressemitteilung lesen können gibt es Vorwürfe des Bauherrnvertreters STESAD an die ARGE und es werden Schadensersatzansprüche angemeldet." Der ARGE-Vertreter bat um Verständnis, dass man inhaltlich zu dem laufenden Verfahren keine Auskünfte geben kann. "Zunächst werden wir die Begründung der Kündigung ARGE-intern prüfen."
Das ist der neue Schulcampus
Am Standort Gehestraße/ Erfurter Straße entsteht ein Schulcampus für die 145. Oberschule und das Gymnasium Pieschen. Auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Deutschen Bahn entstehen neben dem Schulgebäudekomplex auch zwei neue Sporthallen, sowie entsprechende Pausen- und Sportfreiflächen. Die Gesamtkosten für das Vorhaben wurden 2017 mit rund 75 Millionen Euro angegeben. Der Freistaat Sachsen unterstützt das Bauprojekt mit 46 Millionen Euro Fördermitteln aus dem Investitionsprogramm „Brücken in die Zukunft“. Insgesamt umfasst der Schulcampus mit Sport- und Pausenflächen rund 37 000 Quadratmeter. Auf weiteren 4 000 Quadratmetern wurde ein Zauneidechsenhabitat entlang des Bahndamms angelegt. Baubeginn war im Januar 2017.
Vor einem Jahr hatte der Dresdner Oberbürgermeister die Fördergelder bei einem Vor-Ort-Termin entgegengenommen und gesagt: "Etwa 1 900 Schülerinnen und Schüler werden hier einmal lernen. Damit ist der neue Schulcampus Pieschen ein Meilenstein auf unserem Weg in eine moderne, leistungsstarke Bildungslandschaft."
Die vollständige Mitteilung der Stadtverwaltung
Die für den Neubau des Schulcampus Pieschen als Bauherr tätige Stesad GmbH hat den Vertrag mit der aus drei Planungsbüros bestehenden Arbeitsgemeinschaft (ARGE) kurz vor Weihnachten 2018 gekündigt. Der Schritt wurde nötig, weil sich seit Beginn der Arbeiten an der Gehestraße/Erfurter Straße Fehler und Mängel in der Bauplanung, -überwachung und -ausführung fortlaufend häuften. Damit gehen Schadensersatzansprüche an die Planer-ARGE und die Beendigung jeglicher Honorarzahlungen einher. „Die Probleme reichten von der Nichtbeachtung von Bodengutachten, mehrfach verspätet erstellter Tragwerksplanungen über starke Verzögerungen bei der Prüfung von Rechnungen und Nachträgen bis hin zu mangelhaften Leistungsverzeichnissen für Bau- sowie Haustechnikgewerke“, nennt STESAD-Geschäftsführer Axel Walther einige der Versäumnisse und beziffert die so entstandenen Mehrkosten mit rund neun Millionen Euro.
Um das weiter geltende Ziel - den Beginn des Schulbetriebs im August 2019 - noch zu erreichen, hat die STESAD GmbH bereits leistungsfähige Planungsbüros gebunden, die Bauoberleitung inzwischen selbst übernommen und den Bauablauf durch gezielte Maßnahmen beschleunigt. Dazu zählt die Umorganisation des Bauablaufes im Rahmen des Lean Takt Managements*. „Damit haben wir nun wieder die Chance, den Schulbetrieb pünktlich sicherzustellen“, erklärt Walther. Bereits in der Vergangenheit mussten durch den Bauherrn immer wieder Maßnahmen zur Terminsicherung eingeleitet werden, darunter die Erhöhung der Zahl der Bauarbeiter vor Ort und eine verlängerte Verfügbarkeit technischer Ressourcen. Zudem wurde Winterbau angewiesen und im Zwei-Schicht-System gearbeitet.
Die kalkulierten Gesamtkosten für das Schulprojekt beliefen sich auf knapp 75 Millionen Euro. Aus dem Budget des Förderprogramms „Brücken in die Zukunft“ stehen rund 43 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung. Über die rund neun Millionen Euro Mehrkosten hinaus, die durch die ARGE verursacht wurden, werden weitere Kostensteigerungen durch allgemeine Preissteigerungen beim Bau von rund sieben Millionen Euro erwartet. Zusätzliche Kostensteigerungen in Höhe von zwei Millionen Euro sind wegen notwendiger Projektänderungen seitens der Stadt gegenüber der Entwurfsplanung entstanden. Im Vergleich zum Baubeschluss vom Mai 2016 ist deshalb voraussichtlich mit Mehrkosten von insgesamt 18 Millionen Euro zu rechnen. Am Raumprogramm für den Schulcampus, dem Baukörper, der geplanten Schülerzahl von 1 900 oder den Fertigstellungsterminen wird sich nichts ändern.
Der termingerechte Start des Schulbetriebs auf dem Schulcampus Pieschen im Sommer 2019 ist besonders wichtig, weil sowohl die 145. Oberschule als auch das Gymnasium Pieschen an den Vorgründungsstandorten an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen und der Schulcampus Pieschen zusätzlich als Interimsstandort für das zu sanierende Gymnasium Klotzsche dienen soll. Planmäßiger Baubeginn am Gymnasium Klotzsche soll im September 2019 sein.