Kongress: Sachsens Autoindustrie kommt an China nicht vorbei
Angefangen bei der Elektromobilität bis hin zum autonomen Fahren: Der Blick der sächsischen Automobilindustrie richtet sich immer stärker Richtung China. Ob Autobauer oder Zulieferer - am derzeit wichtigsten Wachstumsmarkt komme keiner mehr vorbei, lautet das Fazit des 22. Internationalen Jahreskongresses der Automobilindustrie in Zwickau. Zwei Tage lang diskutierten dort rund 300 Teilnehmer aus ganz Deutschland, Brasilien, Mexiko, Indonesien, den USA und China über die großen Umbrüche in der Branche. "Wir müssen in Deutschland noch viel zukunftsoffener sein. Deutschland könnte der Innovationsstandort beim Thema Elektromobilität werden", sagte der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen am Mittwoch am Rande des Kongresses. Dies betreffe zum Beispiel die Entwicklung neuartiger Batterien für E-Autos. In seinem Konferenzbeitrag prophezeite der Professor der Autoindustrie eine Zeitenwende. Die Zukunft der sächsischen Autoindustrie entscheidet sich demnach auf dem chinesischen Markt. "Es ist wichtig, nach China zu gehen, auch um die Arbeitsplätze hier in der Region zu halten", sagte Daniel Sonntag, Geschäftsführer von Koki, einem Entwickler und Produzenten von Getriebesystemen mit drei Standorten in Sachsen sowie Niederlassungen in China und Indien. Über neue Trends und Veränderungen würde längst nicht mehr in Europa entschieden, ergänzte Udo Wehner vom Chemnitzer Entwicklungsdienstleister IAV. Die Branche müsse sich im eigenen Interesse mit dem Gedanken anfreunden, dass das Auto zunehmend zu einem "rolling device" (rollendes Gerät) mutiere. Mit Blick auf Elektrofahrzeuge halten die Experten Diskussionen über Reichweite oder Ladeinfrastruktur für überholt. Zum einen nehme die Anzahl der Ladesäulen kontinuierlich zu. Zum anderen erfolgten rund 80 Prozent der Ladevorgänge im häuslichen Umfeld beziehungsweise bei Unternehmen. "Das E-Auto wird den Verbrenner ohnehin nicht sofort ersetzen. Stattdessen werden wir in den kommenden 30 Jahren einen Mix erleben", sagte Dirk Vogel vom Netzwerk Automobilzulieferer (AMZ) Sachsen. Volkswagen wolle in seinem Werk in Zwickau-Mosel ab 2020 vollelektrische Fahrzeuge mit einer Reichweite zwischen 300 und 600 Kilometern bauen, sagte Kai Siedlatzek, Finanzvorstand bei VW Sachsen, vor Journalisten. Der Preis der sechs geplanten Modelle der Marken VW, Seat und Audi soll jeweils im Bereich eines vergleichbaren Fahrzeugs mit Dieselantrieb liegen. Der Standort in Zwickau soll bis Ende 2019 zum Elektro-Leitwerk des Konzerns in Deutschland umgebaut werden. Dafür investiert der Autobauer 1,2 Milliarden Euro. (dpa)