Könnte Grimmas Ex-OB Matthias Berger sächsischer Ministerpräsident werden?
Theoretisch ja! Jeder Landtagsabgeordnete kann sich zur Wahl des Ministerpräsidenten aufstellen lassen. Auch Matthias Berger (56, Freie Wähler), langjähriger Oberbürgermeister von Grimma. Und auch praktisch scheint es derzeit nicht ausgeschlossen: Auf die Frage, ob er kommenden Mittwoch (18. Dezember) kandidieren werde, sagte uns der wegen seiner Volksnähe beliebte Grimmaer: „Das ist formal denkbar.“ Und: „Wenn ich gewählt werden würde, würde ich es auch durchziehen.“ Er spielt damit auf die kurze Amtszeit von Thomas Kemmerich (FDP) in Thüringen an.
Am Freitag will sich Berger ausführlich öffentlich zur aktuellen Situation äußern. Er habe eine andere Vorstellung von Politik als die meisten anderen sächsischen Landtagsabgeordneten. „Die normalen Leute interessieren sich nicht für die im Landtag gehalten Reden“, so Berger. Er halte den ganzen Landtag auch für viel zu aufgebläht. „Viele Stellen sind völlig überflüssig“, so der 56-Jährige.
Berger wünscht sich eine sächsische Regierung nach Schweizer Vorbild. Demzufolge sollten alle Parteien je nach ihrem Wahlergebnis an der Regierung beteiligt werden. Das allerdings dürfte bei den linken und rechten Rändern eher auf Ablehnung stoßen.
Allerdings glaubt er selbst bei einer möglichen Kandidatur derzeit noch nicht an seine Wahl: „Ich schätze, dass Ministerpräsident Michael Kretschmer sich die fehlenden Stimmen von Grünen und Linken mit irgendwelchen Zugeständnissen noch erkaufen wird.“ Er denke dabei zum Beispiel an die Bezuschussung bestimmter grüner oder linker Projekte in Leipzig.
Die AfD, die möglicherweise ihren Vorsitzenden Jörg Urban ins Rennen schicken will, kündigte an, Berger bei einer Kandidatur nicht zu wählen, da man von seinen Ideen nicht überzeugt sei. Aber viele Politiker drehen ihr Fähnchen im Wind ja auch schnell mal ...