++ EIL ++

Kliniken vorbereitet auf Omikron - Mediziner aber optimistisch

Zuletzt aktualisiert:

Mit dem jüngsten Corona-Lockdown hat sich die Lage in Sachsens Kliniken entspannt. Mit Omikron droht jedoch die nächste Welle, die auch wieder Lücken in die eigene Belegschaft reißt.

In Sachsens Krankenhäusern hat sich die Situation in der Corona-Pandemie mit dem Rückgang der Inzidenzen um den Jahreswechsel etwas entspannt. Die sehr strikten Corona-Schutzmaßnahmen zahlten sich aus, sagte Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, der Deutschen Presse-Agentur. „Ich sehe auch keine Welle auf uns zurollen.“ Omikron sei auf der Intensivstation die „absolute Rarität“. Mit der Absage der Weihnachtsmärkte, Beschränkung von Gastronomie und Kontakten „haben wir in der Entstehungswelle von Omikron einen ziemlich guten Block gehabt“ und sie zeitlich gestreckt.

Die großen Krankenhäuser in Dresden, Leipzig und Chemnitz sind flexibel, sollte die Zahl der Corona-Patienten wieder steigen. „Wir haben jetzt zwei Jahre lang Übung“, sagte Albrecht. Momentan sei Luft, um wieder mal die anderen Patienten adäquat zu versorgen.

In der Universitätsklinik Leipzig sind noch Corona-Patienten überwiegend auf der Intensivstation, und zwar mit der Delta-Variante, berichtete Vorstandssprecher Christoph Josten. Da die Zahlen aber zurückgingen, konnten die „Normalversorgung“ nach seinen Worten weiter geöffnet und OP-Kapazitäten erhöht werden. Die in der Pandemie entwickelte Clusterstruktur, Patienten innerhalb der drei Regionen Dresden, Chemnitz und Leipzig zu verteilen, helfe. „Das entlastet lokal und sorgt für eine Balance zwischen Krankenhäusern, so konnte der Riesenanfall in der Delta-Welle gehändelt werden.“ Das sei ein Modell auch für künftige Krisensituationen.

Am Klinikum Chemnitz ist die Lage der Intensivstationen und der OPs, die weiter Personal abgeben müssten, nach Angaben der Leitung weiter angespannt und deren Kapazität mit gut 80 Prozent ausgelastet. Es gebe auch erste Omikron-Patienten auf Station, wobei die Verläufe oftmals milder als bei der Delta-Variante seien.

Bei den nun zunehmenden Inzidenzen wird laut Albrecht nicht mehr von zehn Prozent, sondern nur von einem Prozent Hospitalisierungsrate ausgegangen. „Wir bräuchten da Inzidenzen von 5000 oder 6000, um mengenmäßig wieder in so eine Region zu kommen“, sagte der Intensivmediziner, der die Entwicklung durch tägliche Messung der Corona-Konzentration im Dresdner Abwasser sondiert - und damit auch die Dunkelziffer. „Was da drin ist, ist die Realität.“

Der Intensivmediziner erwartet auch einen schnellen Anstieg der Infektionen unter dem Pflegepersonal. Die Ausfallquote sei schon in den bisherigen Wellen mit 20 Prozent sehr hoch gewesen. „Im Moment liegen wir im Schnitt bei 14 Prozent, davon ist die Hälfte erkrankt.“ Der Rest betreue Kinder, sei Kontaktperson oder in Quarantäne. Josten rechnet mit maximal 20 Prozent der Belegschaft. „Wenn die Omikron-Welle “gestreckt„ werden kann, können wir ihr Herr werden.“ Die Statistiken in bereits mit Omikron belasteten Regionen zeigten, dass Intensivstationen weiter belastet, die Maximalauslastung der dritten Welle aber nicht erreicht werde.

Bei einer Überlastung der regulären Krankenhäuser können Patienten bis Mitte März auch in qualifizierten Reha-Kliniken behandelt werden. Landesweit sind nach Angaben des Sozialministeriums 19 Vorsorge- und Rehaeinrichtungen für diesen Fall bestimmt. Da die Häuser nicht verpflichtet sind, Kapazitäten frei zu halten, gäbe es keine genaue Zahl, wie viele Betten bereitstünden.

Nach der aktuellen Übersicht des Sozialministeriums waren am Sonntag die Normalstationen der Krankenhäuser mit 361 Corona-Patienten zu gut einem Drittel ausgelastet und 167 - das sind 61,4 Prozent - der insgesamt 272 Intensivbetten belegt. Albrecht ist mit Blick nach vorn optimistisch. „Vorausgesetzt, dass wir es mit den Varianten zu tun haben, die wir kennen, bin ich mir einigermaßen sicher, dass wir in drei, vier Wochen durch sind und dann in ein ruhiges Frühjahr und Sommer gehen, im Prinzip wie letztes Jahr.“ Was im Herbst passiere, könne niemand vorhersehen. „Ich denke, wir sollten uns langsam Gedanken machen, wie wir mit dieser Dauersituation mal nicht katastrophenmäßig umgehen, sondern unser System darauf einstellen.“ (dpa)