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Kirchenbrand Großröhrsdorf: Pfarrer sagt vor Gericht aus

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Im Prozess gegen den mutmaßlichen Kirchenbrandstifter von Großröhrsdorf hat heute der Pfarrer der Stadtkirche ausgesagt. Vor dem Landgericht in Bautzen schilderte Stefan Schwarzenberg den schmerzlichen Verlust für die Gemeinde. „Ein Teil unserer Seele wurde für immer vernichtet“, erklärte der 60-Jährige. Der Brand habe viele der insgesamt 1.400 Gemeindemitglieder traumatisiert. Immer wieder würden Menschen vor der Ruine der Kirche stehen und sich die Tränen wischen. 

Eine persönliche Verbindung zwischen ihm und dem Tatverdächtigen bestehe aber nicht. Der Pfarrer kannte den Angeklagten lediglich. 2011 hatte er dessen zweiten Sohn in Großröhrsdorf getauft. Über Jahre hatte er aber keinen Kontakt zu ihm, sei ihm auch nur wenig begegnet, schilderte Schwarzenberg. Zuletzt habe sich der Angeklagte in einem persönlichen Brief nach der Scheidung von seiner Ehefrau an ihn gewandt. Darin beschwerte er sich über die Einschränkung des Umgangsrechts für sein Kind. Der Pfarrer habe das Schreiben nach eigenen Angaben unbeantwortet gelassen. In der Tatnacht selbst wurde Schwarzenberg von einem Nachbarn geweckt und eilte zur Kirche.

Zum Abschluss der Beweisaufnahme wurde das psychologische Gutachten verlesen. Nach Ansicht der Mediziner habe der Angeklagte eine mittelgradige depressive Episode durchlebt. Von Schuldunfähigkeit sei aber nicht auszugehen, so das Gutachten. Der Prozess wird fortgesetzt. Zwei Beweisanträge der Verteidigung wurden abgewiesen. Damit könnte bereits am Dienstag ein Urteil gefällt werden.

Der 41-jährige Heizungsinstallateur aus der Region bestreitet unterdessen weiterhin die Vorwürfe gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schwere Brandstiftung vor. Er sei zwar in der Nacht an der Kirche gewesen, aber mit dem Brand habe er nichts zu tun, gab er zu Prozessbeginn an. Ein zuvor abgelegtes Geständnis hatte der Angeklagte wenige Tage vor der Verhandlung widerrufen. „Zwei Typen“ hätten ihn gezwungen, dort zu erscheinen.  Sie wollten  wissen, wo seine Ex-Frau wohne, weil sie angeblich Schulden bei den beiden Männern hatte. Zugleich hätten sie ihm gedroht, seinen Kindern etwas anzutun. 

Bei dem Kirchenbrand Anfang August vergangenen Jahres entstand materieller Schaden von 32 Millionen Euro.   Historische Kunstschätze in der Stadtkirche Großröhrsdorf wurden ein Raub der Flammen, darunter eine geschnitzte Madonna aus dem 15. Jahrhundert und eine Nachbildung des Altars der Leipziger Thomaskirche.