Keine Lehrer: Sachsens Schüler sollen selbstständig lernen
Weil in Sachsen rund 3.000 Lehrer fehlen, sollen die Schüler künftig mehr selbstständig lernen. Kultusminister Christian Piwarz kündigte am Donnerstag in Dresden an, dass im neuen Schuljahr verstärkt „digitale Selbstlernmodule“ zum Einsatz kommen.
Sie könnten auch genutzt werden, wenn Lehrkräfte ausfallen, so der CDU-Politiker. Das selbstorganisierte Lernen werde zunehmend zu einer Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts, begründet Piwarz die Maßnahme. Er will die digitalen Module bereits ab der dritten Klasse einsetzen und nennt es wörtlich „cooles Lernen“.
Das Landesamt für Schule und Bildung hat mit Hilfe von Fachberatern 63 digitale Selbstlernmodule für 16 Unterrichtsfächer beginnend von der Klassenstufe 3 bis 13 entwickelt, welche auf den Zielen und Inhalten der Lehrpläne fußen. Die Schulen sind angehalten die Module - wann immer möglich - einzusetzen, so Piwarz weiter.
In Vorbereitung des Schuljahresstarts sind laut Kultusministerium insgesamt 1.120 neue Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte eingestellt worden. Die meisten Einstellungen gab es für Grundschulen und Gymnasien, gefolgt von Oberschulen, Förderschulen und Berufsbildenden Schulen sowie den Gemeinschaftsschulen.
„Wir hätten natürlich gern mehr ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer eingestellt. Das gilt weniger für die Grundschulen, sondern vielmehr für fast alle anderen Schularten und für alle ländlichen Regionen. Aber aufgrund der Bewerberlage war nicht mehr möglich. Die Unterrichtsabsicherung bleibt eine große Herausforderung. Wir stehen erneut vor einem schwierigen Schuljahr“, kommentierte Kultusminister Christian Piwarz die Einstellungszahlen.
Dass in Sachsen 3.000 Lehrer fehlen, davon geht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft aus.
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Faire Integration kriegsgeflüchteter Kinder und Jugendlicher aus der Ukraine
Für das neue Schuljahr gelten auch neue Maßgaben für den Schulbesuch ukrainischer Kinder und Jugendlicher. „Angesichts der traurigen Gewissheit, dass der Krieg in der Ukraine andauern wird und die ukrainischen Schülerinnen und Schüler länger in Sachsen bleiben werden, muss die Integration dieser Kinder und Jugendlichen genauso im Zentrum stehen, wie dies für Zugewanderte anderer Nationalitäten bereits geschieht. Es ist gegenüber den geflüchteten Schülerinnen und Schülern aus der Ukraine ein Gebot der Gerechtigkeit, sie nicht mehr separat zu unterrichten, sondern ihnen die gleiche Möglichkeit zur Integration in das schulische und gesellschaftliche Leben zu schaffen, wie für andere zugewanderte Kinder und Jugendliche auch“, unterstrich Kultusminister Christian Piwarz.
Wurden mit Beginn des Angriffskrieges aus pragmatischen Gründen für etwa 7.500 ukrainische Schülerinnen und Schüler 450 rein ukrainische Vorbereitungsklassen gebildet, wird es diese ab dem neuen Schuljahr nicht mehr geben. Die ukrainischen Schülerinnen und Schüler werden mit Beginn des neuen Schuljahres 2023/2024 in die zweite von drei Integrationsetappen eingegliedert werden. Das heißt, sie besuchen gemeinsam mit anderen Schülerinnen und Schülern, deren Herkunftssprache nicht oder nicht ausschließlich Deutsch ist, eine Vorbereitungsklasse und werden bei ausreichenden deutschen Sprachkenntnissen schrittweise in die Regelklassen integriert. Ziel ist die Vollintegration in einer Regelklasse, um den Schülerinnen und Schülern echte Bildungsperspektiven in Sachsen zu schaffen.
Auch werden die Integrationsleistungen der Schulen auf mehrere Schularten verteilt werden. Bisher übernahmen Grundschulen und Oberschulen weit überproportional die Aufgabe der Integration. Im neuen Schuljahr werden deutlich mehr Schulen die Integrationsaufgaben tragen. Auch Gymnasien sind in die Integration der ukrainischen Schülerinnen und Schüler einbezogen worden und werden sich stärker als bisher dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe stellen.
Neu ist auch, dass 137 Lehrkräfte, die sich im Rahmen der bislang befristeten Anstellung im Kontext des Ukrainekrieges bewährt haben und im Regelunterricht anderer Fächer einsetzbar sind, zum neuen Schuljahr unbefristet weiterbeschäftigt werden. Darüber hinaus werden nach vorläufigen Zahlen 495 Pädagogen und Assistenzkräfte weiterhin befristet weiterbeschäftigt und in Vorbereitungsklassen eingesetzt.
Mehr Assistenzkräfte zur Entlastung der Schulen
Zahlen zum neuen Schuljahr
Im neuen Schuljahr 2023/2024 besuchen mehr Schülerinnen und Schüler die Schulen als im vorangegangenen Schuljahr. Nach vorläufigen Zahlen steigt die Schülerzahl von insgesamt 508.881 auf etwa 536.470 Schülerinnen und Schüler. Den größten Zuwachs haben mit ca. 455.200 Schülerinnen und Schülern (Vorjahr 429.574) die öffentlichen Schulen erfahren. Auch die Schülerzahl an Schulen in freier Trägerschaft ist leicht gestiegen von 79.307 auf etwa 81.270.
Bei den Zahlen der öffentlichen und freien Schulen gab es weniger Bewegung. Während es im letzten Schuljahr insgesamt 1.380 Schulen in öffentlicher Trägerschaft gab, sind es im Schuljahr 2023/2024 genau 1.381. Die Zahl der Schulen in freier Trägerschaft steigt von 416 auf 422.
