++ EIL ++

Kaum zu glauben: seit 125 Jahren Straßenbahnen in Dresden unter Strom

Zuletzt aktualisiert:

Heute (06. Juli) jährt sich die Eröffnung der ersten elektrisch betriebenen Straßenbahnlinie in Dresden zum 125. Mal. Im Jahr 1893 löste die elektrische Straßenbahn die Pferdebahnen ab.

Ab sofort konnte man damals bequem vom Schloßplatz zum Schillerplatz nach Blasewitz fahren. Anfangs haben die Dresdner das neue Gefährt mit großer Skepsis beäugt, sagte DVB-Vorstand Lars Seiffert mit einem Augenzwinkern.

Mittlerweile betreiben die Dresdner Verkehrsbetriebe eines der größten Straßenbahnnetze Deutschlands.

Die Dresdner Verkehrsbetriebe haben zum Jubiläum einige Fakten veröffentlicht:

70 Prozent der ÖPNV-Fahrgäste elektrisch mobil

Heute betreiben die Dresdner Verkehrsbetriebe zwölf Straßenbahnlinien mit 213 Kilometern Linienlänge auf einem 134 Kilometer langen Streckennetz. Das Bahnstromnetz besteht aktuell aus 317 Kilometern Fahrleitung, rund 7.000 Masten, 725 Wandbefestigungen, 495 Kilometern Bahnstromkabel und 53 Gleichrichterunterwerken (GUW). In den GUW wird die von der DREWAG gelieferte Energie aus zehn beziehungsweise 20 Kilovolt Wechselspannung in die für den Straßenbahnbetrieb benötigte 600 Volt Gleichspannung umgewandelt. Dresden verfügt über eines der größten Straßenbahnnetze in Deutschland, das in den nächsten Jahren weiter ausgebaut wird. Emissionsfreie Straßenbahnen bewältigen rund 70 Prozent des öffentlichen Nahverkehrs in Dresden. Seit 2007 hält die stadtverträgliche Elektromobilität auch in der DVB-Busflotte Einzug.

Sinkender Fahrstromverbrauch

Trotz steigender Verkehrsleistung und Fahrgastzahlen ist der jährliche Verbrauch an Fahrstrom in den letzten zehn Jahren um zwölf Prozent auf 50,1 Gigawattstunden gesunken. Der jährliche Energieverbrauch der Dresdner Straßenbahnen entspricht in etwa dem von 9.100 vierköpfigen Familien. Die Kohlendioxid-Emission bei der Stromerzeugung für den Dresdner Straßenbahnbetrieb ist im selben Zeitraum sogar um 24 Prozent gesunken. Hier wirkt sich neben der höheren Energieeffizienz im Bahnstromnetz auch der umweltfreundlichere Strommix der DREWAG aus. Fast 42 Prozent der von der DREWAG gelieferten Energie stammt mittlerweile aus erneuerbaren Quellen. Ein Straßenbahnfahrgast verursacht heute pro Kilometer einen Ausstoß von 33 Gramm Kohlendioxid. Im Vergleich dazu verursachen ein Fahrgast im Dieselbus etwa 66 Gramm und ein Fahrer beziehungsweise Beifahrer im Pkw mindestens 100 Gramm.

Bremsenergie nutzen und Spannung erhöhen

Alle Dresdner Straßenbahnwagen speisen die Bremsenergie in das Bahnstromnetz zurück. Diese Energie kann von anderen Fahrzeugen im selben Netzabschnitt zum Beispiel beim Anfahren genutzt werden. So sparen die DVB etwa 20 Gigawattstunden Fahrstrom pro Jahr ein. Durch das Verbinden einzelner Speisebezirke ergibt sich ein nahezu durchgeschaltetes Bahnstromnetz. Damit können weitere 2,3 Gigawattstunden pro Jahr gespart werden.

Außerdem arbeiten die DVB an der Erhöhung der Fahrspannung im Bahnstromnetz von 600 auf 750 Volt Gleichstrom. Dadurch sinken die durch den elektrischen Widerstand entstehenden Übertragungsverluste. Der Bahnstromverbrauch soll sich damit um weitere acht Prozent reduzieren.

Gleichrichterunterwerk Postplatz

Das unterirdische GUW am Postplatz wurde im Jahr 2005 im Rahmen der kompletten Umgestaltung des Platzes ganz neu gebaut. Gemeinsam mit zwei weiteren neuen Unterwerken an der Bauhofstraße und der Jahnstraße ersetzt es das ehemalige GUW im Kraftwerk Mitte. Aufgrund seiner zentralen Lage ist das Unterwerk Postplatz besonders wichtig und deshalb auch leistungsfähig. Es liefert bis zu 2,4 Megawatt ins Fahrleitungsnetz und speist zehn wichtige Streckenabschnitte zwischen Jahnstraße, Freiberger Straße, Theaterplatz und Pirnaischer Platz. An einer Seitenwand ist ein Teil der historischen Stadtbefestigung sichtbar.