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Informationen zum Prozess um den Mord an Marwa El Sherbini

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Vor dem Landge­richt Dresden wird der Mord an der Ägypterin Marwa El Sherbini verhan­delt. Angeklagt ist ein 28-jähriger Mann. Der Rußland-Deutsche hat die junge Frau, die im dritten Monat schwanger war, im Juli im Gerichts­saal nieder­ge­sto­chen. Nachdem er sie wegen ihres Kopftu­ches als "Terro­ristin" und "Islamistin" beschimpft hatte, stand er wegen Belei­di­gung vor Gericht. Nachdem die 31-jährige Apothe­kerin in dem Prozess als Zeugin gegen ihn ausge­sagt hatte, stach er plötz­lich mit einem Messer auf sie ein. Marwa El Sherbini starb noch im Gericht. Ihr Ehemann wurde lebens­ge­fähr­lich verletzt. Der drei Jahre alte Sohn, Mohammed, mußte den Tod seiner Mutter mit ansehen.Wie wird der Prozess ablaufen? - Für das Verfahren sind insge­samt 11 Verhand­lungs­tage geplant. Dabei werden neben Zeugen auch Gutachter gehört. Anwesend sind die Vorsit­zende Richterin Birgit Wiegand sowie zwei beisit­zende Richter und zwei Schöffen. Außerdem wurden eine Ergän­zungs­rich­terin und eine Ergän­zungs­schöffin bestellt, für den Fall dass jemand ausfällt.Der Angeklagte wird von zwei Vertei­di­gern vertreten. Zwei Anwälte sind als Neben­kla­ge­ver­treter angekün­digt. Deswei­teren sitzen noch drei Gutachten und drei Dolmet­scher im Gerichts­saal.Wer von der Familie wird anwesend sein? - Als Neben­kläger treten in dem Prozess der Ehemann von Marwa El Sherbini, ihr Bruder und ihre Eltern auf. Der Bruder Tarek wird die Verhand­lung mögli­cher­weise auch verfolgen. Ob der Ehemann, Elwy Ali Okaz, an den Ort zurück­kehren wird an dem er seine Frau und sein ungebo­renes Kind verloren hat und wo er selbst lebens­ge­fähr­lich verletzt wurde, ist unklar.Welche Sicher­heits­vor­keh­rungen wurden für den Prozess getroffen? - Rund 200 Polizisten, darunter SEK, Scharf­schützen und Bomben­spür­hunde sichern den Prozess ab. Beraten werden die Einsatz­kräfte von einer Islam­wis­sen­schaft­lerin. Das Gebäude wird weiträumig abgesperrt. Die angren­zenden Straßen (Lothringer Straße zwischen Ziegel­straße und Florian-Geyer-Straße, ebenso teilweise die Ziegel­straße zwischen Lothringer und Rietschel­straße) sind abgerie­gelt. Ins Gericht kommt man nur nach scharfen Perso­nen­kon­trollen. Der Prozess­saal wurde mit Panzer­glas und Sicht­schutz nach außen abgesi­chert. Im Saal trennt eine Glaswand mit Schutz­gitter die Richter und den Angeklagten von den Prozess­be­su­chern. Kosten für den Umbau: rund 50 000 EuroWelches Urteil erwartet den Angeklagten? - Wird der 28-jährige Rußland­deut­sche wie angeklagt wegen Mordes verur­teilt, droht ihm eine lebens­läng­liche Gefäng­nis­strafe. Aller­dings gibt es Diskus­sionen um seine Schuld­fä­hig­keit. Sollte der Mann vermin­dert oder nicht schuld fähig sein, würde er in eine geschlos­sene psych­ia­tri­sche Anstalt kommen.Wie beobachtet man im Ausland den Prozess? - Das Verfahren findet weltweit große Beach­tung. Nach der Tat im Juli hatte es bereits Demons­tra­tionen in Alexan­dria, der Heimat Marwa El Sherbinis, gegeben. Dabei wurde unter anderem die Todes­strafe für den mutma­ß­li­chen Mörder Alex W. gefor­dert.Von dem Prozess werden Journa­listen aus dem In- und Ausland, darunter auch das ägypti­sche Staats­fern­sehen berichten. Auch Vertreter der ägypti­schen Botschaft und der ägypti­schen Staats­an­walt­schaft werden im Gerichts­saal anwesend sein.