„Hurra - der BER ist offen“
Weil eine Weltkriegsbombe entschärft worden ist, mussten in der vergangenen Nacht in Berlin zahlreiche Flugzeuge umgeleitet werden. Für Passagiere bedeutet das langes Warten - auf dem Vorfeld des noch nicht eröffneten BER. Das sorgt für Spott.Einer der mehreren hundert betroffenen Passagiere war der Spiegel Online-Redakteur Christoph Seidler: "Gestrandet am #BER, weil #TXL wegen Bombe zu. Niemand darf aus dem Flieger, weil keine Treppe, kein Bus etc. Ratlos." twitterte er bereits am Dienstagabend aus dem Flieger. Bei uns im Interview (am Ende des Artikels zum Nachhören) erzählte er von seiner Odyssee. "Die Kabinencrew hat alles rausgehauen: einmal Getränke und einen Keks"Die Maschine aus München kommend drehte zunächst über Dresden Schleifen, als der Sprit zu Neige ging, wurde dann doch Berlin angesteuert, in der Hoffnung, dass Tegel wieder öffnet. Daraus wurde nichts, deswegen ging es nach Schönefeld bzw. zum neuen BER. Vor dem Terminal standen über 20 Maschinen auf dem Vorfeld, die Passagiere konnten die Maschinen allerdings nicht verlassen, da es keine Treppen oder Busse gab. Die Fluggastbrücken des neuen Terminals können auch noch nicht genutzt werden.Etwa drei Stunden lang saßen die Passagiere fest, erzählte Seidler bei uns im Interview. "Die Kabinencrew hat rausgehauen was sie konnte: es gab also noch einmal Getränke und einen Keks auf Wunsch. Immerhin ging die Toilette noch." Außerdem seien ab und zu die Türen zum Lüften geöffnet worden. Die Stimmung sei ganz gut gewesen, obwohl alle hochgradig angenervt waren, erzählte Seidler. Die Odyssee ging dann aber weiter, als die Passagiere nach mehreren Stunden doch den Flieger verlassen konnten: man Stand in einer alten Blechhalle, ohne Gepäck. Außerdem fuhr keine Bahn mehr, Taxis waren auch kaum verfügbar. Am Ende war es für Seidler und viele weitere eine sehr kurze Nacht. "Vier Stunden habe ich geschlafen", sagte Seidler. Der Berliner und Brandeburger sei ja Kummer gewohnt, so Seidler, aber externe Fluggäste aus anderen Ländern verstehen das nicht: "man sieht den Flughafen und wird da stundenlang festgehalten." Für Gäste, aber auch Einheimische war das sehr schwer zu ertragen, so das Fazit Seidlers. Konkretere Informationen, wie er an sein Gepäck kommt, hat er bis Mittwochmittag von Lufthansa oder den Berliner Airports nicht erhalten. Rückblickend betrachtet wäre man dann wohl doch besser in Dresden gelandet, sagte Seidler. Über 600 Passagiere in Sachsen gelandetWie Flughafensprecher Uwe Schuhart von der Mitteldeutschen Airportholding auf unsere Anfrage sagte, seien nach Leipzig/Halle 6 Flugzeuge mit insgesamt 574 Passagieren an Bord ausgewichen. Am Flughafen Dresden landete eine Maschine mit 48 Fluggästen. Das war passiert: Tegel-Sperrung wegen BombenentschärfungDie Maschinen waren am Dienstagabend wegen der Entschärfung einer Weltkriegsbombe vom innenstadtnahen Flughafen Tegel nach Schönefeld umgeleitet worden. Dort konnten einige dann aus Platzmangel nicht am üblichen Terminal parken. Sie standen stattdessen am BER-Terminal neben dem alten Flughafen Schönefeld.Am BER gebe es reguläre Parkpositionen, die zwar selten genutzt würden, aber über die ohnehin bereits betriebene Landebahn erreichbar seien, sagte ein Flughafensprecher. "Da stehen immer mal Maschinen. Aus einem Fenster sehen Sie den BER, aus dem anderen das Terminal in Schönefeld."24 Flugzeuge seien nach der Tegel-Sperrung innerhalb kurzer Zeit in Schönefeld angekommen. "Die Flugzeuge drehten Warteschleifen und kamen wie an einer Perlenschur nacheinander herein. Da musste jeder Parkplatz ausgenutzt werden", sagte der Sprecher.Die Fluggäste konnten aus mehreren Gründen zunächst nicht aussteigen: Weil die Bombe eigentlich schnell entschärft und der Flughafen Tegel nach einer Stunde wieder offen sein sollte, hätten Piloten spekuliert, doch noch nach Tegel weiterfliegen zu können. Ihre Maschinen sollten voll besetzt in Schönefeld warten und nach einer Stunde wieder abheben. Sonst hätten die Flieger am nächsten Morgen leer von Schönefeld nach Tegel geholt werden müssen.Als sich jedoch abzeichnete, dass die Entschärfung länger dauern würde, habe es für die vielen Flieger nicht genügend Treppen und Busse gegeben. "Daher kam es zu Verzögerungen", sagte der Sprecher. Einige Passagiere hätten drei Stunden lang warten müssen, bevor sie per Bus zum Schönefelder Terminalgebäude gefahren wurden.Hurra! Der #BER ist offen!In sozialen Netzwerken sorgte das für Spott und zynische Bemerkungen. "Hurra! Der #BER ist offen!" schrieb ein Nutzer am Morgen. "Auch blöd. Biste auf nem Flughafen, kannst aber nicht aussteigen" ein anderer.Im Flugbetrieb werden allerdings auch sonst häufiger Flugzeuge von Tegel nach Schönefeld umgeleitet. Die Landebahn des künftigen Hauptstadtflughafens wird bereits seit Mitte Juli genutzt, weil eine alte Landebahn in Schönefeld saniert wird. Diesen Tausch gab es bereits 2015 für fünf Monate. Landungen "am BER" gibt es damit schon seit Jahren. Üblicherweise rollen die Maschinen dann aber zum regulären Schönefelder Terminal, wo die Passagiere aussteigen.Der Flughafen Tegel war nach Angaben des Sprechers am Dienstagabend rund drei Stunden lang gesperrt. Danach sei das Nachtflugverbot in Abstimmung mit den Behörden aufgehoben worden, um alle Flugzeuge abfertigen zu können. (Red mit dpa)
Audio:
Gestrandet am #BER, weil #TXL wegen Bombe zu. Niemand darf aus dem Flieger, weil keine Treppe, kein Bus etc. Ratlos. @Lufthansa_DE#LH2052
— Christoph Seidler (@chs42) 29. August 2017
So sieht es nebenan aus. #TXLpic.twitter.com/3hdn5nxdB5
— Christoph Seidler (@chs42) 29. August 2017