Hommage zum Todestag - Emmerlichs Kloß-Rezept
Heute vor einem Jahr, am 19. Dezember 2023, starb der deutschlandweit beliebte und unvergessene Sänger und TV-Moderator Gunther Emmerlich mit 79 Jahren in seinem Haus in Dresden. Sein Repertoire umfasste neben der Oper auch Operette, Musical, Lieder, Kirchenmusik sowie Dixieland und Swing. Von 2006 bis 2015 war er Moderator des SemperOpernballs.
Der gebürtige Thüringer lebte seit 1972 in Dresden. Er liebte von Herzen seine neue Heimat, vergaß jedoch nie sein Herkunftsland. Wenn er dabei auf Thüringer Klöße zu sprechen kam, dann geriet er besonders ins Schwärmen. „Ich mache sie zu Hause, das sind die besten Thüringer Klöße, die man in Sachsen essen kann.“
Davon hörte auch Starkoch Armin Schumann, der viele Jahre Chef vom Luisenhof war, dem Balkon Dresdens. „Wir wohnten nicht weit voneinander entfernt, waren sozusagen Nachbarn.“ Aus dieser Nachbarschaft wurde später eine Freundschaft. „Eines Tages fragte ich Gunther, ob er sich vorstellen könnte, sein Rezept für Thüringer Klöße in meinem neuen Kochbuch preiszugeben. Er sagte spontan zu und war begeistert.“
Endlich war es soweit. Es war an einem Tag im August. „Ich erhielt eine Lehrstunde für original Thüringer Klöße von einem geborenen Thüringer,“ freut sich der gebürtige Mainzer Starkoch noch heute. „Standesgemäß kam Gunther mit seiner eigenen Kartoffelpresse. Alles andere hatte ich wie versprochen vorbereitet.“
Nun gehörte die Küche den beiden Männern. Weißbrotwürfel wurden geröstet, Kartoffeln geschält, gerieben und gekocht, später die Stärke untergemischt und dann die Klöße geformt. „Es war bemerkenswert, mit welcher Akribie Gunther in unserer Küche arbeitete. Allmählich verstand ich die Philosophie, die hinter der Kloßherstellung steckt. Es ist eine gelungene Symbiose von handwerklichen Fingerspitzengefühl und strenger Beachtung von Temperatur und Zeit.“
Zum Schluss standen Starkoch und Hobbykoch am siedenden Kochtopf und freuten sich über die auftauchenden Genusskugeln. Die fertigen Thüringer Klöße wurden in einer Terrine angerichtet. „Gunther hatte da noch einen Trick. Er legte auf den Boden der Terrine eine umgestülpte Untertasse, damit das abrinnende Kochwasser die Klöße nicht aufweichen konnte.“
Armin Schumann, der seit Jahren seinen Arbeits- und Lebensmittelpunkt in Pulsnitz hat, erinnert sich sehr gern an die Begegnungen mit Gunther Emmerlich: „Ich bin stolz darauf, dass Gunther sein Rezept für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt hat. Es ist eine Hommage an Gunther zum Todestag.“
Gunther Emmerlichs Thüringer Klöße
Zutaten für 6 Personen
3 kg mehlige Kartoffeln
4 Scheiben Toastbrot oder ein großes Weizenbrötchen
100 g Butter, Muskat, Salz
Brötchen bzw. Toast würfeln und mit Butter zu braunen Croûtons rösten. Mit Salz und Muskat würzen und beiseite stellen.
Kartoffeln schälen und waschen. Exakt ein Drittel davon abwiegen und in Salzwasser weich kochen. Den anderen Teil der Kartoffeln in eine Schüssel fein reiben. Anschließend in ein Leinensäckchen füllen und am besten in der Kartoffelpresse auspressen.
Kartoffelwasser aufheben und einige Minuten stehen lassen. Die natürliche Kartoffelstärke setzt sich am Boden ab. Nun vorsichtig das Wasser abgießen und die Stärke zu den gepressten Kartoffeln in eine Schüssel geben.
Gekochte Kartoffeln passieren und etwas Kochwasser aufheben. Gekochte Kartoffelmasse zu den roh ausgedrückten Kartoffeln geben, salzen und zu einem glatten Teig verarbeiten.
Einen großen Topf mit Salzwasser zum Kochen bringen. Mit angefeuchteten Händen aus der Kloßmasse ca. 200 g schwere Kugeln rollen. In der Mitte ein Loch formen und mit mindestens fünf Croûtons füllen. Kloß verschließen, glatt drehen und in das sprudelnde Wasser geben.
Die Klöße dürfen dann nur noch sieden. Hände nach jedem Kloß erneut anfeuchten.