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Höchste Windräder Sachsens drehen sich ab Juni in Zwickau

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Nach rund neunjähriger Planung sollen im Juni in Zwickau-Mosel Sachsens höchste Windräder in Betrieb gehen. Die beiden Anlagen in Nachbarschaft von Volkswagen werden eine Gesamthöhe von 244 Metern haben und pro Jahr rund 24 Millionen Kilowattstunden Strom liefern. Damit könnten rechnerisch etwa 6.800 Haushalte versorgt werden, erklärte Projektleiter Jörg Heilmann am Montag bei einer Besichtigung mit Energie- und Umweltminister Wolfram Günther (Grüne). Zugleich beklagte er hohe bürokratische Hürden für die Errichtung solcher Anlagen. Im Vergleich der Bundesländer seien die Verfahren dazu in Sachsen besonders schwierig und langwierig, kritisierte er.

In den vergangenen Jahren habe es hierzulande eine Tradition des Verhinderns von Windrädern gegeben, räumte Günther ein. „Doch die Energiewende ist inzwischen eine knallharte Standortfrage geworden.“ So wollten immer mehr Unternehmen klimaneutral produzieren. Zudem zeige der Krieg in der Ukraine, dass mehr Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern eine Frage der nationalen Sicherheit sei. Günther versprach, den Ausbau erneuerbarer Energien in Sachsen zu beschleunigen. So werde die finanzielle Beteiligung der Kommunen die Akzeptanz für solche Projekte erhöhen, sagte er. „Wir brauchen sehr viele Windräder und das sehr viel schneller.“

In Sachsen gibt es nach Auskunft des Ministeriums 874 Windräder mit einer Leistung von 1.278 Megawatt. Voriges Jahr waren lediglich eine neue Anlage gebaut und elf abgebaut worden. Für dieses Jahr sind derzeit 13 im Bau oder geplant mit einer Leistung von 68,8 Megawatt.

Die beiden Windräder werden von der Juwi AG errichtet; ein drittes wird dort von einem anderen Betreiber gebaut. Juwi plant eigenen Angaben zufolge im Freistaat weitere Anlagen etwa bei Jahnsdorf, Oederan und Drebach. Je höher die Windräder seien, desto ertragreicher seien sie, betonte Heilmann mit Blick auf den Sachsen-Rekord. „Wenn wir kleinere Anlagen bauen wollten, müssten wir für den gleichen Ertrag sehr viel mehr Anlagen bauen.“ Die bisherige Höchstmarke im Freistaat liegt bei 234 Metern.

Doch zunächst werden die beiden Windräder nur eingeschränkt in Betrieb gehen. Grund sind in der Nähe nistende Greifvögel. Auflage für den Bau sei, dass die Anlage an 100 Tagen nach Brutbeginn des Milans jeweils von 9.00 bis 17.00 Uhr stillstehe. Deswegen müssten sie nach Inbetriebnahme gleich wieder abgeschaltet werde, erklärte Heilmann: „Das ist fast etwas für ein Satiremagazin.“ Günther verwies auf das massive Problem des Artensterbens. Klima- und Artenschutz dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, betonte er. Deswegen müssten je nach Standort geeignete Lösungen gefunden werden, um beidem Rechnung zu tragen. (dpa)