Hilbert kritisiert im Stadtrat Asyl-Politik des Freistaates
Zum Auftakt der Sondersitzung des Stadtrates am Donnerstagnachmittag hat der neugewählte Oberbürgermeister Dirk Hilbert in einer Rede zur Asyl-Situation in Dresden den Freistaat kritisiert. Hilbert sagte in der persönlichen Erklärung: "Wir haben zu lange über Probleme diskutiert, als über die Menschen dahinter." Insbesondere die Zustände in der Zeltstadt hätten ihn betroffen gemacht: "Wie kann es sein, dass Mitten in Dresden Menschen bei 40 C° in Zelten leben, Kinder auf Schotter spielen müssen? Zelte können nur eine Notlösung sein." Anschließend griff Hilbert direkt die Asylpolitik des Freistaates an: "Der Freistaat muss aufhören, Probleme zu verwalten und muss die notwendigen Mittel zur Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen zur Verfügung stellen." Dabei sieht Hilbert Bund und Länder in der Verantwortung. Dresden erwartet bis zu 4000 Flüchtlinge bis zum Jahresende.Die Stadt will die Gesundheitsversorgung in der Zeltstadt verbessern. Sobald der Freistaat weitere Sanitärcontainer aufgebaut hat, werde man drei städtische Ärzte und drei Krankenschwestern ins Camp schicken. Abschließend dankte Hilbert den ehrenamtlichen Helfern von THW, DRK und Initiativen wie "Dresden für alle". "Ich fordere alle Dresdner auf, diesen Beispielen zu folgen und sich zu engagieren."Wahl der FachbürgermeisterDer Dresdner Stadtrat begann anschließend mit der Wahl von sechs neuen Fachbürgermeistern. SPD, Grüne, Linke und CDU haben sich bereits im Vorfeld auf Kandidaten aus ihren eigenen Reihen geeinigt. Neuer Finanzbürgermeister wird Peter LamesZum Auftakt wurde der neue Finanzbürgermeister gewählt: Peter Lames von der SPD setzte sich mit 44:16 Stimmen gegen Amtsinhaber Hartmut Vorjohann durch.Detlef Sittel bleibt OrdnungsbürgermeisterMit 54 Stimmen (8 ungültig) erhielt Detlef Sittel (CDU) eine große Mehrheit für das Amt des Ordnungs- und Sicherheitsbürgermeisters. Er bleibt damit sieben weitere Jahre im Rathaus.Annekatrin Klepsch neue KulturbürgermeisterinNeue Kulturbürgermeisterin wird Annekatrin Klepsch (Die Linke), sie wurde mit 43 Stimmen vom Rat zur Beigeordneten für Kultur und Tourismus gewählt. Sie löst damit Amtsinhaber Ralf Lunau ab, der nicht auf dem Wahlzettel stand.Kris Kaufmann wird SozialbürgermeisterinNeue Beigeordnete für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen wird Kris Kaufmann (Die Linke). Sie erhielt im Stadtrat 41 Stimmen. Der NPD-Kandidat Ronny Zasowk erhielt sechs Stimmen, obwohl die NPD nur zwei Stimmen im Stadtrat hat. Kris Kaufmann löst als Sozialbürgermeisterin Martin Seidel ab, der zunächst eine Auszeit nehmen will. Seidel war im Frühjahr bei der Bürgermeisterwahl in Bannewitz angetreten und hatte die Wahl knapp verloren.Neuer Baubürgmeister Raoul Schmidt-LamontainRaoul Schmidt-Lamontain wird neuer Baubürgermeister in Dresden mit 48 Stimmen. Der Grünen-Politiker kommt aus Hannover ins Dresdner Rathaus. Er löst Jörn Marx ab, der in seiner Amtszeit immer wieder für Schlagzeilen sorgte. Marx wollte nach Chemnitz wechseln, erhielt dort allerdings keine Stimmen für das Amt als Baubürgermeister.Eva Jähningen wird UmweltbürgermeisterinNeue Bürgermeisterin für Umwelt und Kommunalwirtschaft wird Eva Jähningen, die bislang für die Grünen im Landtag sitzt. Jähnigen erhielt 38 Stimmen. Sie saß bereits vor ihrer Zeit im Landtag lange im Dresdner Stadtrat.Die neuen Beigeordneten werden im September und Oktober ihre Ämter antreten. Das Ressort Finanzen wird Hartmut Vorjohann noch bis Ende 2016 führen, dieser Bereich wird dann Peter Lames zugeordnet.Varianten "8.4" und "8.5" für Königsbrücker StraßeDer Rat stimmte am Abend für eine "beschleunigte Sanierung der Königsbrücker Straße". Zwei Sanierungsvarianten sollen bis Ende September untersucht werden. Zudem soll eine Lenkungsgruppe eingerichtet werden. Dabei sollen alle zwei Monate Stadtverwaltung, DVB und Vertreter der Fraktionen zusammensitzen, um die Sanierung auf den Weg zu bringen.Neue Wohnungsbaugesellschaft geplantAuf der Tagesordnung stand zudem die Gründung einer neuen städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Diese soll 2016 gegründet werden, um einen stadteigenen Wohnungsbestand aufzubauen. Dresden hatte seine WOBA vor Jahren verkauft und ist seitdem schuldenfrei. Kritiker sehen die Schuldenfreiheit in Gefahr.Die Brandrede von Dirk Hilbert zum Thema Asyl im Wortlaut: