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Hellerau überarbeitet Welterbe-Bewerbung

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Hellerau soll neues Weltkulturerbe werden, die Ausrichtung der Bewerbung soll überarbeitet werden. Bisher war die Gartenstadt Hellerau im Zentrum der Bewerbung. Da es in diesem Bereich einen aussichtsreicheren Kandidaten in England gibt, soll der Schwerpunkt stärker auf Hellerau als „Zentrum der Lebensreform“ gelegt werden. Denn: Hellerau war Anfang des 20. Jahrhunderts eine der fortschrittlichsten Siedlungen in sozialer, wirtschaftlicher, künstlerischer und ökologischer Form. Das ergab eine neue Studie. Diese wurde am Sonntagnachmittag im Festspielhaus vorgestellt. Eine Bewerbung ist frühestens ab 2021 möglich.

Die Mitteilung des Festspielhauses und des Welterbevereins:

„Ab 1909 ist hier innerhalb von fünf Jahren eine Stadt aus dem Boden gestampft worden, die als Laboratorium der Moderne gilt“, sagt Vereinsvorstand Fritz Straub.

Dieser Aspekt soll in den Bewerbungsunterlagen nun noch weiter geschärft werden. Das empfiehlt auch Friederike Hansell, die Welterbekoordinatorin des Freistaates Sachsen. „Das Welterbeverfahren ist ein ziemlich selektiver Prozess. Dabei geht es vor allem um die materiell nachweisbaren Werte“, sagte sie während des Gespräches.

Der Verein muss es demnach schaffen, Verbindungen zwischen der Lebensreform und den noch vorhandenen, architektonischen Zeugnissen, wie dem Festspielhaus, dem Gebäudeensemble Deutsche Werkstätten und den Wohnhäusern samt Selbstversorgergärten, herzustellen. Deshalb wird der Aspekt Gartenstadt in der Bewerbung auch weiterhin eine Rolle spielen. Separat würde er für die Bewerbung dagegen nicht ausreichen, weil es mit Letchworth, das 1903 etwas nördlich von London gegründet wurde, einen starken Konkurrenten gibt. „Letchworth hat als Prototyp einer Gartenstadt für den Welterbetitel eindeutig Vorrang, Hellerau bleibt der zweite Platz als bestes und umfangreichstes Beispiel auf dem europäischen Kontinent“, sagt Dr. Nils M. Schinker.

Laut Welterbekoordinatorin Friederike Hansell müssen die Bewerbungsunterlagen kommendes Jahr überarbeitet werden, weil voraussichtlich 2021 das bundesweite Verfahren wieder geöffnet wird. Der Förderverein Weltkulturerbe Hellerau e.V. will die Zwischenzeit nutzen und mithilfe hochrangiger internationaler Wissenschaftler und Historiker den Schwerpunkt Lebensreformbewegung weiter schärfen. Für kommendes Jahr ist laut Vereinsvorstand Fritz Straub deshalb ein Symposium geplant. An diesem wird auch der Dresdner Soziologe Professor Karl-Siegbert Rehberg mitwirken.

Darüber hinaus will der Verein die Chance nutzen, die Bewerbungsunterlagen bei der UNESCO vorab prüfen zu lassen.