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Haushaltssperre für Dresden

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Pauken­schlag im Rathaus: Finanz­bür­ger­meister Hartmut Vorjo­hann hat mit sofor­tiger Wirkung eine Haushalts­sperre verhängt. Grund sind neue Steuer­pro­gnosen. Demnach fehlen 32,7 Millionen Euro. Das ergaben die Gewer­be­steu­er­mess­be­scheide von zwei großen Firmen in Dresden. Um welche Firmen es sich handelte, teilte die Stadt mit Hinweis auf das Steuer­ge­heimnis nicht mit.22,7 Millionen Euro fehlen 2012„Insge­samt handelt es sich um eine Minde­rung von 22,7 Millionen Euro für das laufende Haushalts­jahr 2012", teilte Finanz­bür­ger­meister Vorjo­hann mit. "Für das Jahr 2013 ist mit einem Rückgang von rund 10 Millionen Euro gegen­über den bishe­rigen Schät­zungen zu rechnen. Diese Lücken werden in 2012 und 2013 vollständig und ohne Kompen­sa­tion direkt auf die Ergeb­nisse des Haushaltes durch­schla­gen“, erklärt Vorjohan in einer Presse­mit­tei­lung.„Im Gegen­satz zur Einkom­mens­steuer, die eine homogene und sehr breite Steuer­zah­ler­basis hat, ist das Aufkommen der Gewer­be­steuer überpro­por­tional stark von den Zahlungen großer Unter­nehmen abhängig, mit allen Chancen und Risiken, die sich aus der wirtschaft­li­chen oder steuer­recht­li­chen Lage von einzelnen Unter­nehmen ergeben.“ Sozial­aus­gaben und Schulbau ausge­nommen von Haushalts­sperre Gesperrt werden mit sofor­tiger Wirkung 90 Prozent aller noch verfüg­baren Ansätze. Ausge­nommen von der Haushalts­sperre sind Sozial­leis­tungen und die geplanten Inves­ti­tionen für den Kita- und Schulbau, hieß es. Inves­ti­tionen in Baupro­jekte sowie die aus Gebühren finan­zierten Aufwen­dungen im Bereich Abfall­wirt­schaft sind von der Haushalts­sperre vorerst ausge­nommen.Erste Anzei­chen gab es bereits im FrühjahrBereits im Frühjahr hatte Finanz­bür­ger­meister Vorjo­hann von einer mögli­chen Haushalts­sperre gespro­chen. Auf einer Bürger­ver­samm­lung deutete er an, dass durch Tarif­stei­ge­rungen bei Gehäl­tern und durch sinkende Steuer­ein­nahmen eine Haushalts­sperre notwendig sein könnte. Damals war aller­dings von deutlich gerin­geren Beträgen die Rede.Stadt­räte über Höhe des Haushalts­lo­ches überraschtFDP-Chef Holger Zastrow teilte mit: "Wir fordern ein Umdenken und eine grund­le­gende Überar­bei­tung des Haushalts­ent­wurfes. Die Stadt muss zu einer Politik von Maß und Mitte zurück­kehren. Anstatt eine Neuver­schul­dung zu riskieren und Steuern zu erhöhen, brauchen wir endlich eine ehrliche Diskus­sion über Großpro­jekte und Ausbau­stan­dards."Von der Linken hieß es: "Es ist nur schwer vorstellbar, dass es keine Hinweise darauf gegeben hat, dass hier Verän­de­rungen in solcher Größen­ord­nung zu erwarten sind."Die Grünen teilten mit: "Finanz­bür­ger­meister Vorjo­hann muss dringend die Auswir­kungen der Haushalts­sperre auf die Handlungs­fä­hig­keit der Landes­haupt­stadt und der städti­schen Einrich­tungen darlegen, das Konso­li­die­rungs­po­ten­tial bezif­fern und die Konse­quenzen für den Haushalt 2013/14 klären."Was ist eine Haushalts­sperre?Mit einer Haushalts­sperre sollen drohende Haushalts­lö­cher vermieden werden. Die Verwal­tung kann Haushalts­sperren verhängen, wenn die Entwick­lung von Einnahmen oder Ausgaben von den Planungen abzuwei­chen drohen.In der Praxis bedeutet dies, dass die Ämter ihre Ausgaben geneh­migen lassen müssen. In der Regel wird festge­legt, von welcher Höhe an Ausgaben geneh­mi­gungs­pflichtig sind. Recht­liche Verpflich­tungen und beste­hende Verträge laufen weiter. Geregelt wird die Haushalts­sperre gemäß Paragraph 30 der Kommu­nalen Haushalts­ver­ord­nung.Wo wird gespart?Gespart werden soll beispiels­weise bei der Anschaf­fung von Dienst­fahr­zeugen oder neuer Technik. Gesperrt werden mit sofor­tiger Wirkung 90 Prozent aller noch verfüg­baren Ansätze. Ob sich damit die Haushalts­lö­cher stopfen lassen, ist aller­dings fraglich. Alle größeren Ausgaben müssen nun geneh­migt werden. Ausge­nommen von der Haushalts­sperre sind Sozial­leis­tungen und die geplanten Inves­ti­tionen für den Kita- und Schulbau, hieß es.Hier dokumen­tieren wir die komplette Infor­ma­tionen der Stadt­ver­wal­tung zur Haushalts­sperre (PDF).