• Ein Blick aus dem Polizeihubschrauber auf das Gebäude, in dem sich Robert K. verschanzt hatte. (Foto: Polizei)

  • In diesem Gebäude hatte sich Robert K. verschanzt. (Foto: Tino Plunert)

Hass auf Polizisten Motiv für Schützen aus Königsbrücker Heide

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Nach Tötung einer Rentnerin in Dresden-Kaditz hat sich der mutmaßliche Täter auch gezielt an Polizisten rächen wollen. In der Wohnung des Mannes wurde ein Brief gefunden, in dem er Angriffe auf Nachbarn und Polizisten indirekt angekündigte. Das teilte Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar am Dienstag mit.

Er habe Wut und Verachtung gespürt, weil ihm die Polizei bei einem vorherigen Einsatz die legal in seinem Haus befindlichen Waffen entzogen und in Verwahrung genommen hatte.

Der Mann hatte zunächst eine Nachbarin erstochen, sich dann in seinem Sportverein eine neue Waffe beschafft und in der Königsbrücker Heide in einem leerstehenden Kasernengebäude verschanzt. Er schoss auf einen GSG9-Beamten und einen Diensthund. Der Täter habe sich mit einem Kopfschuss selbst das Leben genommen. Der Beamte erlitt eine Schussverletzung am Unterarm, der Hund wurde schwerst verletzt. Ob das Tier durchkommt, ist laut Innenminister Wöller noch unklar.

Das ergaben die Ermittlungen der Polizei

Ein Grund für das «Austicken» sei wohl gewesen, dass man ihm sein «Spielzeug» wegnahm, sagte Polizeipräsident Kretzschmar. Der Mann habe in dem Brief angegeben, nicht als Verlierer dastehen zu wollen.

Er steht auch im Verdacht, eine Nachbarin, eine 75-jährige Rentnerin, getötet zu haben. Sie war am Samstag mit Stichverletzungen tot in ihrer Dresdner Wohnung gefunden worden. Der Mann hatte wenige Tage zuvor im Alkoholrausch in seiner Wohnung randaliert.

Das von Fallanalytikern untersuchte Schreiben war der Grund, warum die sächsische Polizei äußerst vorsichtig zu Werke ging und Spezialkräfte aus anderen Bundesländern anforderte. Als sich Beamte am Montag in der Königsbrücker Heide - einem früheren Militärgelände - mit gepanzerten Fahrzeugen leerstehenden Gebäuden näherten, wurden sie unter Beschuss genommen. Allerdings konnten die Polizisten im Schutz der Fahrzeuge die Flugbahn der Geschosse lokalisieren und den Ex-Soldaten mit Einsatzerfahrung in Bosnien-Herzegowina schließlich im Gebäude der früheren Kommandantur ausfindig machen.

Kretzschmar zufolge reagierte er nicht auf Vermittlungsversuche, für die Spezialisten aus Brandenburg angereist waren. Die Beamten hätten sich dann Stockwerk für Stockwerk nach oben gearbeitet. Als ein GSG-9-Beamter samt Hund die Dachluke öffnete, sei er unter Beschuss genommen worden, worauf sich das Team erst einmal wieder zurückgezogen habe. Der betroffene Beamte erlitt einen Steckschuss im rechten Unterarm, sei aber wieder wohlauf, sagte der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU).

Nach einer ein- bis zweistündigen Ruhephase habe man einen Roboter mit Kamera in das Dachgeschoss eingebracht. Laut Kretzschmar hatte sich der Ex-Soldat allerdings zu der Zeit schon mit einem Kopfschuss selbst getötet.

Die Polizei will nun ermitteln, woher der 33-Jährige die Tatwaffe hatte. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass er die Pistole der Marke 356 Smith and Wesson aus seinem Schützenclub mitgehen ließ. Zu Hause bei dem Mann hatte man sieben Feuerwaffen gefunden und einkassiert. Seine Flucht trat er mit reichlich Munition an: «Ich war überrascht, wie viele Hülsen in diesem Tatobjekt herumlagen», sagte Kretzschmar. (mit dpa)