Handwerksbetriebe kämpfen mit Wirtschaftsfolgen der Krise
Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie gefährden Handwerksbetriebe aller Branchen und Größen in Ostsachsen. Nach Angaben der Handwerkskammer Dresden vom Donnerstag unter Verweis auf eine Online-Umfrage sind zwei Drittel der Befragten direkt oder indirekt von der Krise betroffen. „Viele Betriebe haben in Folge der Pandemie ganz reale Existenzsorgen“, sagte Präsident Jörg Dittrich. Er sprach von einer „ernsten Lage“.
Zwischen dem 4. und 12. Januar wurden 2005 der 22 500 Mitgliedsbetriebe des Kammerbezirks befragt, die Rücklaufquote lag bei 23 Prozent. 92 Prozent der teilnehmenden Betriebe ringen demnach mit den Auswirkungen der Pandemie. Je ein Fünftel gab Umsatzrückgänge und Belastungen durch Zusatzkosten für Hygienemaßnahmen an. Auch fehlendes Personal durch Kinderbetreuung, Quarantäne, Grenzschließungen sowie Auftragsstornierungen oder Materialengpässe wurden genannt. Sieben Prozent der Betriebe mussten wegen behördlicher Anordnung ganz schließen wie Friseure und Kosmetiker.
Vor diesem Hintergrund kritisierte Dittrich die schleppende Auszahlung der versprochenen staatlichen Unterstützung wie November- und Dezemberhilfen oder Entschädigungszahlungen sowie die komplizierte Antragstellung. „Die Gelder müssen zügig fließen, um ein Firmensterben in Ostsachsen, im gesamten Freistaat zu verhindern“, sagte er. Die Unternehmen rechneten mit weiteren Umsatzrückgängen wegen Haushaltssperren, Auftragsausfällen oder -verschiebungen und geringerer Kaufkraft wegen Arbeitslosigkeit. Fast jeder dritte Inhaber befürchtet Steuererhöhungen.
Kammerpräsident Dittrich warnte deutlich davor, „dass der Mittelstand durch erhöhte Steuer- und Sozialabgaben die Corona-Schulden auffängt“. Vielmehr müssten Steuer- und Sozialbeiträge analog dem Vorjahr gestundet werden, zugunsten der Liquidität der Unternehmen. „Und wir fordern erneut die Aufhebung der Haushaltssperren in Kommunen als wichtigen Schritt, die Auftragslage der Betriebe zu stabilisieren.“ Das ostsächsische Handwerk könne nicht warten, „bis wir irgendwann Herdenimmunität erreicht haben“. Es brauche dringend ein Konzept für das Wirtschaftsleben mit Corona und Strategien für die Zukunft. „Ein Lockdown nach dem anderen ist nicht mehr tragbar.“
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage war, dass sich momentan nur durchschnittlich 9% der Befragten gegen das Corona-Virus impfen lassen wollen. Außerdem werden allein durch die Covid-19-Impfung keine unverzügliche wirtschaftlichen Verbesserungen erwartet. Ferner sieht Kammerpräsident Jörg Dittrich die Politik und Wissenschaft in der Pflicht, in der Bevölkerung mehr und intensivere Aufklärung bzgl. der Corona-Impfung zu betreiben, um die Zweifel bei den Menschen zu nehmen.