++ EIL ++

GSK leitete jahrelang Abwasser falsch ab

Zuletzt aktualisiert:

Jahre­lang sind Abwässer aus dem GSK-Werk auf der Zirkus­straße wegen einer falsch angeschlos­senen Leitung ins normale städti­sche Abwasser geleitet worden. Zwei Boden­ab­flüsse in der Impfstoff­pro­duk­tion waren bei Bauar­beiten zwischen 2001 und 2003 falsch instal­liert worden, teilte das Unter­nehmen mit. Erst jetzt - 14 Jahre später - ist der Fehler entdeckt worden. Man habe diesen nun inner­halb von 24 Stunden behoben und auch alle anderen Leitungen im Werk überprüft. Wie GSK beteu­erte, habe keine Gefahr für Mensch, Natur und Umwelt bestanden. Nach Einschät­zung des Dresdner Gesund­heits­amtes bestand für die Bevöl­ke­rung von Dresden, auch für die unmit­tel­bare Nachbar­schaft des Unter­neh­mens keine Gefahr sich mit den Influ­enza-Viren aus dem Abwasser anzuste­cken, teilte ein Stadt­spre­cher mit. Norma­ler­weise werden Abwässer in der Impfstoff­pro­duk­tion zur Inakti­vie­rung von Viren in ein werks­in­ternes System gespeist. Das sagt das Unter­nehmenGSK hat im Rahmen der Vorbe­rei­tung von Umbau­ar­beiten am 7. Juli 2017 festge­stellt, dass bei Baumaß­nahmen zwischen 2001 und 2003 in seinem Werk in Dresden eine Abwas­ser­lei­tung zweier Boden­ab­läufe in der Impfstoff­pro­duk­tion falsch angeschlossen wurde. Die Abwas­ser­ein­lei­tung in die betrof­fene Leitung wurde gestoppt. Der Fehler ist inner­halb von 24 Stunden nach Erken­nung erfolg­reich behoben und die Behörden sind umgehend infor­miert worden. Zudem wurde das Leitungs­system für alle betrof­fenen Abwässer aus der Produk­tion des gesamten Werkes vollständig überprüft und deren korrekte Anbin­dung bestä­tigt. Die zwei Boden­ab­läufe wurden bei der Ausfüh­rung von damaligen Umbau­ar­beiten entgegen den korrekten gültigen Bauplänen dem städti­schen Abwasser zugeführt. Die Baupläne sehen die korrekte Anbin­dung an das geson­derte werks­in­terne System zur Inakti­vie­rung von so genanntem Prozess­ab­wasser aus der Impfstoff­pro­duk­tion vor. Prozess­ab­wasser ist Abwasser, das nach den Reini­gungs­pro­zessen von Behält­nissen anfällt, die in der Produk­tion zur Herstel­lung von Impfstoffen genutzt werden.Keine Gefahr für Mensch, Natur und UmweltGSK produ­ziert im Dresdner Werk Grippe­impf­stoffe (Influ­enza) für mehr als 20 Länder. Die mögli­cher­weise enthal­tenen biolo­gi­schen Reste in den fehlge­lei­teten Abwäs­sern haben zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Mensch, Natur und Umwelt darge­stellt. Wasser und vor allem Abwässer sind kein natür­li­cher Infek­ti­onsweg für den Menschen. Bei den im Werk genutzten Impfviren handelt es sich zudem um für die Produk­tion angepasste Virus­typen. Diese sind in ihren Eigen­schaften so abgeschwächt, dass sie im Abwasser Menschen und Tiere nicht krank machen und sich auch nicht vermehren können, selbst wenn sie dort überleben sollten. GSK arbeitet mit zustän­digen Behörden den Vorgang vollständig aufGSK versteht sich als langjäh­riger vertrau­ens­voller Partner der Stadt Dresden und des Landes Sachsen und ist dabei, gemeinsam mit allen zustän­digen Behörden den Vorgang vollständig aufzu­ar­beiten. Diesbe­züg­lich sind in den vergan­genen Wochen umfang­reiche Unter­su­chungen gelaufen, die diese Gesamt­ein­schät­zung in einer den Behörden überge­benen Risiko­be­wer­tung unter­mauern.Die Sicher­heit und das Wohl für seine Mitar­beiter und die Bevöl­ke­rung stehen für GSK an erster Stelle. GSK bedauert, dass es zu diesem Vorfall gekommen ist und hat sicher­ge­stellt, dass ein solcher Vorfall in Zukunft ausge­schlossen wird. Das Impfstoff­werk in Dresden zählt zu den modernsten Impfstoff­werken weltweit. Hier sind 700 Mitar­beiter beschäf­tigt. Das zerti­fi­zierte Werk erfüllt höchste Sicher­heits- und Quali­täts­an­sprüche.Das sagt die Stadt­ver­wal­tungDurch einen bauli­chen Fehler der Abwas­ser­lei­tungen am Standort Zirkus­straße 40 wurde über mehrere Jahre sogenanntes aktives Abwasser in das normale Netz der Stadt­ent­wäs­se­rung Dresden einge­leitet. Dies bedeutet, dass Abwasser aus zwei Reini­gungs­räumen, in dem sich aktive Influ­enza-Viren befanden, unmit­telbar in die Kanali­sa­tion gelangte. Die Stadt Dresden, Umweltamt und Gesund­heitsamt, waren umgehend vom Unter­nehmen bzw. den zustän­digen Minis­te­rien darüber infor­miert worden. Zugleich wurde der bauliche Fehler sofort behoben und damit eine weitere fehler­hafte Einlei­tung in das Abwas­ser­system gestoppt. Auch wurde der Stadt eine Risiko­be­wer­tung des Unter­neh­mens unver­züg­lich zur Verfü­gung gestellt. Keine Gefahr für Bevöl­ke­rung„Nach Einschät­zung des Gesund­heits­amtes bestand für die Bevöl­ke­rung von Dresden, auch für die unmit­tel­bare Nachbar­schaft des Unter­neh­mens keine Gefahr sich mit den Influ­enza-Viren aus dem Abwasser anzuste­cken“, erklärt Presse­spre­cher Kai Schulz. „Die Art der Erreger und Eigen­schaften von Influ­enza-Viren, die starke Verdün­nung und die Übertra­gungs­wege der Influ­enza sind Faktoren, die eine Anste­ckung über das Abwasser mehr als unwahr­schein­lich werden lassen.“ Auch wurden unmit­telbar nach Bekannt­werden des Vorfalls die Dresdner Influ­enza-Fälle nach Abwei­chungen von der Norm unter­sucht. Schulz: „Dabei kam heraus, dass es keine Aktivi­täten von Influ­enza-Viren in Dresden gab, die Anlass geben könnte, mit den Viren aus der Anlage von GSK in Verbin­dung gebracht zu werden. Insbe­son­dere außer­halb der Influ­enza-Saison sind die Fallzahlen völlig unauf­fällig.“ Wie kommt das Gesund­heitsamt zu dieser Einschät­zung? 1) Bei der Impfstoff­pro­duk­tion werden verän­derte (attenu­ierte) Virusstämme verwendet, die eine deutlich gerin­gere Patho­ge­nität (krank­ma­chende Kraft) aufweisen als die im Rahmen einer Influ­en­za­welle üblichen Wildviren. Diese von der WHO aus spezi­ellen Laboren bereit gestellten sogenannten Saatviren sind für die Herstel­lungs­pro­zesse in Hühner­eiern angepasst und in ihren patho­genen / infek­tiösen Eigen­schaften abgeschwächt. 2) Influ­en­za­viren werden v.a. über Aerosole / Tröpf­chen­in­fek­tion  (oder direkten/indirekten  Kontakt mit Sekret) übertragen. Ein Infek­ti­onsweg über Abwasser ist äußerst unwahr­schein­lich. 3) Influ­en­za­viren sind im Gegen­satz zu darmpa­tho­genen Viren für Umwelt­ein­flüsse und Chemi­ka­lien anfäl­liger, weniger stabil. Beim Verschlu­cken von mit Influ­en­za­viren belas­tetem Abwasser würden die Viren durch den niedrigen ph-Wert im Magen („Magen­säure“) inakti­viert.  Influ­en­za­viren können sich nur in lebenden (infizierten) Zellen vermehren, sie sind auf einen spezi­ellen Wirt angewiesen. 4) Infolge der Vermi­schung mit Wasser im Abwas­ser­kanal kommt es zu einer erheb­li­chen Verdün­nung. Hier sind die von GSK in Zusam­men­ar­beit mit dem Abwas­ser­be­trieb der Stadt Dresden errech­neten Modelle nachvoll­ziehbar. Am Ausfluss des Klärwerks kann von einer so geringen Konzen­tra­tion ausge­gangen werden, dass nicht einmal die deutlich höher patho­genen  Wildviren in einer für eine Infek­tion beim Menschen ausrei­chenden Konzen­tra­tion vorliegen würden. „Die Ämter der Stadt Dresden stehen im ständigen Kontakt mit dem Unter­nehmen und den zustän­digen Minis­te­rien“, so Presse­spre­cher Kai Schulz. „Es geht insbe­son­dere darum, dass das Unter­nehmen nachweisen muss, dass eine solche fehler­hafte Anbin­dung an das Kanali­sa­ti­ons­system für die Zukunft ausge­schlossen wird.“Das sagt das sächsi­sche Umwelt­mi­nis­te­riumDamit sind Verstöße gegen die Betriebs­ge­neh­mi­gung der Anlage nach heutiger Einschät­zung ohne negative Folgen geblieben. Eine entspre­chende Risiko­be­wer­tung des Unter­neh­mens wird dennoch der für Gentech­nik­fragen zustän­digen Zentralen Kommis­sion für die Biolo­gi­sche Sicher­heit (ZKBS) beim Bundesamt für Verbrau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit (BVL) vorge­legt. Diese betei­ligt bei Bedarf weitere Fachbe­hörden, wie das für Infek­ti­ons­krank­heiten zustän­dige Robert-Koch-Institut sowie das für die Zulas­sung von Impfstoffen zustän­dige Paul-Ehrlich-Institut.Das SMUL hat den Vorfall zum Anlass genommen, andere Betreiber von Anlagen, die mit gentech­nisch verän­derten Organismen arbeiten, auf die gesetz­li­chen Vorgaben zur Inakti­vie­rung von Abwäs­sern und Abfällen hinzu­weisen. Zudem sollen bei den regel­mä­ßigen Kontrollen solcher Anlagen die Entsor­gungs­wege verstärkt kontrol­liert werden. GSK ist nun in der Pflicht, in einem schlüs­sigen Konzept darzu­legen, wie künftig solche Vorfälle verhin­dert werden sollen. Die betei­ligten Minis­te­rien schätzen  in diesem Zusam­men­hang jedoch ein, dass GSK sehr koope­rativ arbeitet und an der Aufar­bei­tung des Vorfalls selbst ein hohes Inter­esse zeigt.Das sagt die Stadt­ent­wäs­se­rungIn den Geneh­mi­gungs­be­scheiden für die Grund­stücks­ent­wäs­se­rung fordert die Stadt­ent­wäs­se­rung Dresden, dass die in der Produk­tion anfal­lenden virus­hal­tigen Abwässer vor der Einlei­tung in die öffent­liche Kanali­sa­tion inakti­viert werden müssen und dass durch entspre­chende techni­sche Maßnahmen (Schieber, Pumpen) zu garan­tieren ist, dass auch im Havarie­fall kein mit aktiven Viren belas­tetes Abwasser in die öffent­liche Kanali­sa­tion gelangt. Kommu­nales Abwasser ist generell infek­tiös und enthält stets eine Vielzahl patho­gener Mikro­or­ga­nismen und Viren. Die in kommu­nalem Abwasser üblicher­weise enthal­tenen biolo­gi­schen Arbeits­stoffe (Bakte­rien, Viren, Pilze und Parasiten) sind grund­sätz­lich in die Risiko­gruppe 2 einge­stuft. Die daraus resul­tie­renden  Schutz­maß­nahmen sind bei der Stadt­ent­wäs­se­rung Dresden für alle Mitar­bei­te­rinnen und Mitar­beiter, die in Abwas­ser­an­lagen arbeiten oder sonst in irgend­einer Weise mit Abwasser in Kontakt kommen, verbind­lich geregelt. (u. a. Handschuhe, Schutz­klei­dung, Hygie­ne­auf­lagen, in einzelnen wenigen Berei­chen Mundschutz und mehr)Die Stadt­ent­wäs­se­rung Dresden überprüft das Abwasser von GlaxoS­mith­Kline regel­mäßig im Rahmen der Indirekt­ein­lei­ter­kon­trolle hinsicht­lich der abwas­ser­tech­nisch und satzungs­recht­lich relevanten Parameter. In der Vergan­gen­heit wurden weder hierbei noch bei den regel­mä­ßigen Vor-Ort-Begehungen Unregel­mä­ßig­keiten festge­stellt. Virolo­gi­sche Inhalts­stoffe gehören nicht zu den zu prüfenden Parame­tern.