Gruppe Freital: Rädelsführer räumt Vorwürfe ein
Im Terrorprozess gegen die rechtsextreme "Gruppe Freital" hat am Mittwochvormittag einer der beiden mutmaßlichen Rädelsführer sein Schweigen vor Gericht gebrochen. Patrick F. räumte die Vorwürfe der Anklage ein. Für ihn habe schon länger festgestanden, dass er umfänglich aussagen werde, "weil es eine gewisse Last ist, das ewig mit sich rumzutragen", sagte F. Auch sein Geburtstag an diesem Donnerstag habe bei seiner Entscheidung eine Rolle gespielt.Alles habe im Sommer 2015 mit den Protesten gegen das Asylbewerberheim im ehemaligen Freitaler Hotel "Leonardo" angefangen. Dort habe er auch Timo S. - den laut Anklage zweiten Rädelsführer - kennengelernt. "Wir haben uns relativ schnell gut verstanden", erzählt F. "Es gab viele Diskussionen über Politik und Asylbewerber." Treffpunkt war häufig die Aral-Tankstelle - direkt gegenüber dem Freitaler Polizeirevier. Sein "Einstand" sei die Sprengung des Autos des Freitaler Linke-Stadtrats Michael Richter gewesen, sagt F.. Der Vorschlag dazu habe "vom Herrn S." gestammt. Auch den Böller habe er von ihm erhalten. "Ich habe dann noch eine 0,5-PET-Flasche mit Schwarzpulver und Kieselsteinen gefüllt, um das Ganze zu verstärken." Er habe den Anschlag auf eine Flüchtlingswohnung auf der Bahnhofstraße in Freital alleine begangen und einen C12-Böller am Küchenfenster befestigt. Er begründete den Anschlag damit, dass er vorher gesehen habe, dass mit Drogen gehandelt werde. Er sei wütend gewesen. Den Anschlag habe er allein begangen, die Generalstaatsanwaltschaft ging von einem weiteren unbekannten Beteiligten aus. Er räumte auch die Beteiligung auf einen Angriff auf das Parteibüro der Linken in Freital sowie auf das Auto des Linkenstadtrats Michael Richter und eine Asylunterkunft auf der Wilsdruffer Straße in Freital ein. Für den Anschlag auf das Privatfahrzeug Richters habe er eine Flasche mit Schwarzpulver und Kieselsteinen befüllt, um die Sprengwirkung zu erhöhen. Zudem äußerte er sich auch zu der Beteiligung von anderen Angeklagten an Anschlägen.Der 25-Jährige räumte zudem den Angriff auf ein alternatives Wohnprojekt ("Mangelwirtschaft") an der Overbeckstraße in Dresden ein. Daran sollen auch Mitglieder der "Freien Kameradschaft Dresden" beteiligt gewesen sein. Gegen diese wird gesondert ermittelt. Bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung von Patrick F. auf der Karlsruher Straße in Dresden waren über 100 illegale Böller entdeckt worden. Zudem wurde ein USB-Stick mit einer Anleitung zum Bau von Rohrbomben entdeckt. Im Keller des Hauses wurden Rohrstücke gefunden.Nach der Mittagspause wurde Patrick F. dann umfassend von den Richtern befragt, er schilderte Details zu den Anschlägen und zu den Tatbeteiligungen. Er beteuerte, dass er den Anschlag an der Bahnhofstraße alleine begangen habe. Er sei an dem Abend "planlos durch die Gegend gefahren" und habe noch einen Böller im Auto gehabt.Zudem wurde der 25-Jährige zu seiner Gesinnung befragt. Er sagte aus, er hätte sich bis zum Sommer 2015 keine Gedanken über Ausländer gemacht, hätte aber etwas gegen Linke - insbesondere gegen die Antifa. Im Laufe der Treffen mit der Gruppe Freital an der Aral-Tankstelle in Freital habe er dann Feindbilder übernommen. Richter Jürgen Scheuring hielt ihm entgegen, dass er sich mit einer Hakenkreuzflagge fotografieren ließ und sich im geheimen Chat der Gruppe abfällig über Ausländer geäußert habe, er bezeichnete diese als "Kanacken" und "Bimbos". Dies räumte der Angeklagte dann ein.Patrick F. erzählte außerdem auf Nachfrage, dass er früher Kontakte zur Hooligan-Gruppe "Faust des Ostens" hatte. Zudem berichtete er, dass er bei den Ausschreitungen in Heidenau vor Ort war. Er nimmt an, dass auch Mitglieder der verbotenen "Skinheads Sächsische Schweiz" vor Ort waren, da alles sehr strukturiert gewesen sei. Er habe diese aber nicht gekannt.Vor Gericht wurden außerdem Videos von Sprengversuchen der Gruppe Freital in der Königsbrücker Heide gezeigt. Sie wollten testen, wie man die Wirkung von Sprengkörpern verstärken könnte. Am kommenden Dienstag soll Patrick F. weiter befragt werden.Bislang hatte sich in dem Verfahren zunächst nur der jüngste Angeklagte geäußert. Justin S. hatte die Vorwürfe der Anklage im März eingeräumt. Die Generalstaatsanwaltschaft sieht in Patrick F. und dem mitangeklagten Timo S. die Anführer der Gruppe.Bevor der 25-Jährige F. zu Wort kam, ist am Vormittag ein weiterer Zeuge befragt worden. Dabei handelte es sich um einen Flüchtling aus Eritrea, auf dessen Unterkunft in Freital im September 2015 ein Sprengstoffanschlag verübt worden war. Er schilderte die Auswirkungen der Explosion. Zudem ging er auch auf die Vorwürfe eines Nachbarns ein, der am Dienstag davon gesprochen hatte, dass es massiven Ärger mit den Flüchtlingen gegeben hätte. Der Mann erwiderte, der Nachbar haben ihnen beispielsweise bei Fußballübertragungen das TV-Signal gekappt.Den acht Beschuldigten, sieben Männer und eine Frau im Alter zwischen 19 und 39 Jahren, werden insgesamt fünf Anschläge auf Flüchtlinge und politische Gegner in Freital und Dresden zur Last gelegt. Sie sind neben der Bildung einer terroristischen Vereinigung unter anderem auch des versuchten Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und der Herbeiführung von Sprengstoffexplosionen angeklagt. (ir/as/mit dpa)