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Gruppe Freital: "Jemanden umbringen zu wollen, ist schon eine Hausnummer"

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Im Terror­pro­zess gegen die "Gruppe Freital" hat der mutma­ß­liche Rädels­führer Patrick F. am Diens­tag­vor­mittag über die rechts­ex­treme Gesin­nung der Mitglieder ausge­sagt. Dabei räumte der 26-Jährige vor dem Oberlan­des­ge­richt Dresden auch für sich selbst extreme Bestre­bungen ein. "Das Rechts­ra­di­kale lässt sich ja aufgrund der Straf­taten nicht leugnen. Aber das Natio­nal­so­zia­lis­ti­sche mit Haken­kreuzen und so, da halte ich Abstand", sagte F. Bei anderen Gruppen­mit­glie­dern wie Philipp W. sei das anders gewesen. "Das ging schon in die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Richtung."

Bei Anschlägen auf Flücht­linge und politi­sche Gegner habe die Gesin­nung auch eine Rolle gespielt. "Das war die Wut, die jeder in sich hatte, die Asylpo­litik, und dann kam da halt rechtes Gedan­kengut dazu." Den als zweiten Rädels­führer angeklagten Timo S. könne man als "Antreiber" der Gruppe bezeichnen, sagte F. "Er hatte durchaus schon die Wirkung, eine Masse zu mobili­sieren." Man könne aber nicht von einer festen Rollen­ver­tei­lung in der Gruppe sprechen, sagte F.

Zu Diskus­sionen in der Gruppe, den Mann, der zu einem Angriff mit Baseball­schläger auf ein Auto an der HEM an der Tharandter Straße, ausge­sagt hatte, zu töten sagte F., er habe diese Drohung nicht ernst genommen: "Jemanden umbringen zu wollen, ist ja schon ne Hausnummer", sagte F. Zudem berich­tete er davon, dass der Angeklagte Philipp W. die Texte für die Facebook­seite der Bürger­wehr Freital FTL / 360 geschrieben habe. Dieser habe zudem das Foto der Gruppe mit einer Haken­kreuz­flagge und Pyrotechnik auf dem Windberg organi­siert.

F. räumte zudem ein, bereits einige Monate vor dem Anschlag auf eine Flüchtlingswohnung auf der Bahnhofstraße in Freital, eine Kugelbombe auf dem Rasen vor dem Kellerfenster gezündet zu haben. Im September 2015 soll er dann einen C12-Sprengsatz ins Fenster geklemmt haben, Splitter flogen damals vier Meter weit durch den Raum.

Angeklagter entschul­digt sich

Am Nachmittag hat sich Patrick F. dann für die Taten entschul­digt: "Ich kann mich nur aufrichtig entschul­digen. Ich kann leider nicht ändern, was passiert ist." Außerdem sagte F., dass bei seiner Aussage bislang unter­ge­gangen sei, dass es ihm leid tue. "Ich wöllte es rückgängig machen, kann es aber nicht", sagte F. Er wäre nach einem rechts­kräf­tigen Urteil zu einem persön­li­chen Gespräch mit den Opfern bereit. Eine Kontakt­auf­nahme mit diesen während des Prozesses könne ihm als Berech­nung ausge­legt werden, so die Begrün­dung des 26-Jährigen, warum er sich nicht schon vorher bei den Opfern im Gerichts­saal entschul­digt habe. Vertreter der Neben­klage akzep­tierten die Entschul­di­gung nicht, da F. keine Fragen der Neben­kläger beant­worten wollte.

Techni­sches Rathaus ausge­späht

Weiterhin schil­derte der 26-Jährige die Ausspä­hung eines weiteren poten­ti­ellen Anschlags­zieles an der Hamburger Straße in Dresden. Das ehema­lige Techni­sche Rathaus, wurde und wird als zentrale Erstauf­nah­me­un­ter­kunft für Asylsu­che­n­ende genutzt. Auf einem Super­markt­park­platz in der Nähe hab man sich getroffen, anschlie­ßend sei man von hinten über die Schienen ans Gelände. Aller­dings habe man Anschlags­pläne auf das Techni­sche Rathaus nicht weiter verfolgt.

F. hatte bereits in der vergan­genen Woche seine Betei­li­gung an allen fünf von der Bundes­an­walt­schaft angeklagten Anschlägen einge­räumt. Sie wirft den sieben Männern und einer Frau im Alter zwischen 19 und 39 Jahren neben der Bildung einer terro­ris­ti­schen Verei­ni­gung unter anderem auch versuchten Mord, gefähr­liche Körper­ver­let­zung und die Herbei­füh­rung von Spreng­stoff­ex­plo­sionen vor.

Am Mittwoch sollen erneut Polizisten als Zeugen gehört werden.

(ir/as mit dpa)