Görlitz und Zgorzelec starten europaweit einmaliges Klimaprojekt
Wer im Winter, bei Minusgraden und Hochdruckwetter nach Görlitz kommt, dem steigt er in die Nase, dieser typische Geruch von Kohlefeuerung. Viele Haushalte in der Nachbarstadt Zgorzelec heizen mit Briketts, einige auch noch in Görlitz. Das Heizkraftwerk in Zgorzelec verschlingt ebenfalls Kohle. Das soll sich bald ändern. Görlitz und Zgorzelec wollen auf breiter Front den grünen Daumen zeigen und damit Primus in Europa werden.
Görlitz und Zgorzelec wollen bis 2030 eine gemeinsame klimaneutrale Fernwärmeversorgung aufbauen. Die beiden Netze sollen verbunden werden. Eine entsprechende Absichtserklärung haben heute die Bürgermeister Ursu und Gronicz unterzeichnet. Die beiden Städte wollen das Ziel in zwei großen Schritten erreichen.
Fernwärmeleitungvon Görlitz nach Zgorzelec
So soll bis 2022 das Kohle-Heizwerk in Zgorzelec zunächst auf Erdgas und bis 2030 auf Biomasse umgestellt werden. In der zweiten Phase ab 2023 ist der Bau einer zweieinhalb Kilometer langen Fernwärmeleitung von Görlitz-Königshufen nach Zgorzelec geplant. Sie soll entweder über oder unter der Neiße verlaufen, sagte uns der Zgorzelecer Bürgermeister Rafal Gronicz.
57.000 Tonnen Kohlendioxid einsparen
In der Endausbaustufe wird der Stadtteil Königshufen zum überwiegenden Teil seine Fernwärme aus Zgorzelec bekommen. Weiterhin ist geplant, die Kraftwerke in den Görlitzer Stadtteilen Weinhübel und Rauschwalde umzurüsten. Ab 2030 könnten so 57.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Görlitz und Zgorzelec wären klimaneutral.
Pilotprojekt in Europa
So ein grenzüberschreitendes Projekt gibt es bislang nicht in Europa. Es habe Vorbildcharakter, so Oberbürgermeister Octavian Ursu: „Das Projekt ist einmalig. Wir wollen es unbedingt beiderseits der Neiße umsetzen. Das wird uns attraktiver machen“. Der Zgorzelecer Bürgermeister erhofft sich wie sein Görlitzer Amtskollege auch eine Verbesserung der Luftqualität. Denn in Zgorzelec wird noch viel mit Kohle geheizt.
Klimaneutral nicht zum Spartarif: 60 Millionen Euro
Sachsen unterstützt das Klimaprojekt. Umweltminister Wolfram Günther: „Wir suchen nach einem passenden Förderrahmen für die Umsetzung des Pilotvorhabens“. Den C02-Ausstieg gibt es nicht zum Spartarif. Die Kosten für den Weg zur klimaneutralen Europastadt Görlitz-Zgorzelec werden auf 60 Millionen Euro geschätzt.