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Gewölbe-Juwelen wieder zu sehen! Aber kaputt

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Fast fünf Jahre nach dem Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden sind  Teile der Beute zurück in Sachsens berühmtem Schatzkammermuseum. 

Die Kostbarkeiten liegen an ihrem alten Platz, aber so wie sie die Ermittler kurz vor Weihnachten 2022 in einer Berliner Anwaltskanzlei vorfanden: teils beschädigt und unvollständig. Denn sie sind Beweisstücke in noch laufenden Strafverfahren in dem Fall.

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), zu denen das Grüne Gewölbe gehört, können sie aber endlich ausstellen - ab diesen Mittwoch sind sie wieder im Juwelenzimmer zu sehen. Für den erwarteten Andrang werden die Öffnungszeiten extra verlängert.

Die von den Dieben durch einen Deal mit dem Gericht teils zurückgegebenen Schmuckstücke unterliegen weiterhin der Kontrolle des Landgerichts. „Ihr Zustand darf nicht verändert werden“, so ein Gerichtssprecher. Und sie können jederzeit vorübergehend entnommen werden, wenn es nötig ist - wie etwa zur Wertbestimmung im Verfahren um Schadenersatz.

Verbleib der Stücke während ihres Verschwindens unklar

Wo und wie die Objekte mit Diamanten und Brillanten zwischen ihrer Entwendung und Rückgabe gelagert, versteckt oder aufbewahrt wurden, konnte auch die nach zwei fehlenden Schulterstücken benannte Soko Epaulette nicht herausfinden - einige haben sichtbar Schaden genommen.

Der Kunstdiebstahl aus Sachsens berühmter Schatzkammer am 25. November 2019 gilt als einer der spektakulärsten in Deutschland. Die Täter erbeuteten 21 einzigartige historische Schmuckstücke aus Diamanten und Brillanten und verursachten über eine Million Euro Schaden. Fünf junge Männer aus dem Berliner Remmo-Clan wurden letztes Jahr vom Landgericht für den Einbruch ins Grüne Gewölbe sowie Brandstiftungen an einem Fluchtauto und Stromverteileranlagen zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Am Ende der Beweisaufnahme hatten sie über ihre Anwälte den größten Teil der Beute zurückgegeben. Mit der Befragung einer Restauratorin des Museums im Prozess ist schon länger klar, dass einige der historischen Objekte erheblich beschädigt sind. Die Expertin berichtete von abgebrochenen Stücken, Deformationen und Schäden durch Feuchtigkeit, die von unsachgemäßer Lagerung oder einem Reinigungsversuch stammen. 

Einige Lücken in Vitrine des Juwelenzimmers gefüllt

Die in der Novembernacht 2019 geplünderte historische Vitrine im Juwelenzimmer des prominenten Museums war knapp anderthalb Jahre danach repariert und eingerichtet worden, aber mit vielen Lücken. Nur die Stücke der Brillant- und der Diamantgarnituren, die die Diebe verschonten oder die sie durch die mit einer Axt ins Glas gehauenen Löcher nicht zu fassen bekamen, lagen an ihrem angestammten Platz: Knöpfe, Schnallen und Perlenketten. 

Nun sind die meisten Lücken gefüllt, drei prominente Objekte mit großen Steinen aber weiter verschwunden - darunter die Epaulette mit dem „Sächsischen Weißen“, einem Brillanten von fast 50 Karat. Fachleute rechnen ihn zu den weltweit wichtigsten Diamanten. Wo der ist? Weiterhin unklar! Auch suchen die Ermittler noch einem sechsten Täter.

Ermittlungen in dem Fall gehen weiter

Nach Angaben der Dresdner Staatsanwaltschaft laufen in dem Fall derzeit noch zwei Ermittlungsverfahren gegen insgesamt sechs Beschuldigte wegen Beteiligung an dem Einbruch. Vier Personen stehen im Verdacht, die Begebenheiten im Vorfeld ausgespäht zu haben. Zudem wird nach anonymem Hinweisen auf mögliche Tatbeteiligung zweier anderer Personen und weiterer Unbekannter ermittelt und zur noch fehlenden Beute. Hinweise in dem Fall gehen „nur noch sehr vereinzelt ein“, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. (dpa)