GEW Sachsen verurteilt Senkung der Arbeitszeiten
Hiobsbotschaft für die Erzieherinnen und Erzieher des Eigenbetriebes Kindertageseinrichtungen Dresden. Ihnen wurden heute mitgeteilt, dass die größtenteils flexiblen Arbeitsverträge zum 19. Oktober auf den Sockelbetrag von 32 Stunden herabgesetzt werden sollen. Begründet wurden die Maßnahmen mit einer unvorhersehbaren Entwicklung der Kinderzahlen und -betreuungszeiten sowie mit Neueinstellungen und finanziellen Mehrbelastungen. Die Gewerkschaft kritisiert das Vorgehen auf das Schärfste und fordert eine umgehende Rücknahme der Entscheidung. Mehr als drei Viertel der mehr als 3.500 Beschäftigten seien davon betroffen. Für sie bedeuten die Kürzungen finanzielle Einbußen, außerdem würde in den Kitas, Krippen und Horte ein Chaos entstehen, so Landesvorsitzende Uschi Kruse.
Vollständige Pressemitteilung der GEW:
Dresdner Erzieherinnen und Erzieher schockiert von Arbeitgeber - GEW Sachsen verurteilt kurzfristige Senkung der Arbeitszeit auf das Schärfste
Mit einer Hiobsbotschaft werden die Erzieherinnen und Erzieher des Eigenbetriebs Kindertageseinrichtungen Dresden von ihrem Arbeitgeber in das Wochenende entlassen. An diesem Freitag wurde ihnen mitgeteilt, dass die größtenteils flexiblen Arbeitsverträge zum 19. Oktober auf den Sockelbetrag von 32 Stunden herabgesetzt werden sollen. Begründet wurde dieses Vorgehen mit einer unvorhergesehenen Entwicklung der Kinderzahlen und -betreuungszeiten sowie mit Neueinstellungen und finanziellen Mehrbelastungen.
Die GEW Sachsen kritisiert diese Vorgehensweise auf das Schärfste und fordert eine umgehende Rücknahme dieser überstürzten Entscheidung.
Uschi Kruse, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW:
„Mehr als drei Viertel der über 3.500 Beschäftigten im Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen Dresden ist von der Dienstanweisung betroffen. Das bedeutet zum einen, dass diese Erzieherinnen und Erzieher von heute auf morgen 20 Prozent weniger Gehalt erhalten. Zum anderen entsteht Chaos in den Einrichtungen, zwischen denen nun quasi über Nacht die Beschäftigten ausgetauscht werden sollen. Ein Blick in die Krippen, Kindergärten und Horte zeigt, dass sich die personelle Situation sehr unterschiedlich darstellt. Diese rein rechnerische Vorgehensweise gefährdet das Wohl der Kinder und der pädagogischen Fachkräfte gleichermaßen. Saisonbedingte Schwankungen gab es auch in früheren Jahren. Doch selbst wenn derzeit tatsächlich zahlenmäßig mehr Personal zur Verfügung stehen sollte, ist der zu erwartende Mangel an ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern mit den Händen zu greifen. Diejenigen, die heute gezwungen sein werden, sich Nebentätigkeiten zu suchen, werden der Stadt Dresden morgen nicht zur Verfügung stehen. Anstatt Vorsorge für krankheitsbedingte Ausfälle zu treffen, Kindern die Chance auf kleinere Gruppen einzuräumen und die Erzieherinnen und Erzieher zu entlasten, wird völlig unverantwortlich der Rotstift angesetzt. Dabei bleibt zudem die Frage offen, inwiefern eine Verbreitung des Coronavirus gefördert wird. Dass die Erzieherinnen und Erzieher dieses Vorgehen in einer laufenden Tarifrunde nur als Provokation verstehen können, liegt auf der Hand. Die GEW Sachsen wird die Pläne der Betriebsleitung nicht widerstandslos hinnehmen“
Hintergrund: Im Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen Dresden werden seit Jahren fast ausschließlich sog. 32-Plus-Verträge an Erzieherinnen und Erzieher vergeben. Anders als in anderen Branchen üblich, erlauben diese eine allein vom Eigenbetrieb zu bestimmende Anpassung der Stundenzahl im Rahmen von mindestens 32 bis maximal 40 Stunden. Die Beschäftigten haben dabei kein Mitspracherecht. Aufgrund des schon seit längerer Zeit vorhandenen Personalmangels in den Einrichtungen arbeiten viele pädagogische Fachkräfte teils seit Jahren mit dem maximal möglichen Stundenumfang. Die GEW kritisiert diese flexible Anpassung der Arbeitszeit von Beginn an, da mit ihr das unternehmerische Risiko vom Arbeitgeber vollständig auf die Beschäftigten abgewälzt wird.
