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  • Grafik Menschenkette. Quelle: Grit Koalick

Gedenken zum 13. Februar - Tumulte am Altmarkt

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Dresden hat am Dienstag an den 13. Februar 1945 erinnert. Damals waren bei den Bombenangriffen 25.000 Menschen ums Leben gekommen und die Innenstadt zerstört worden. Am Dienstagvormittag gab es ein dezentrales Gedenken an fünf Friedhöfen, sowie an der Sporergasse. Oberbürgermeister Hilbert und Landtagspräsident Rößler schlossen sich der Gedenkveranstaltung am Annenfriedhof in Löbtau an. Dort liegen 149 bekannte und 592 unbekannte Opfer des Luftangriffs im Gräberfeld. Nach einem ruhigen Gedenktag gab es am Abend tumultartige Szenen und Handgreiflichkeiten auf dem Altmarkt.

Der Tag im Protokoll:

Hilbert: ermahnen, aufpassen, achtsam sein

Zum einen gehe es am 13. Februar darum, die "Opfer unserer Stadt in den Mittelpunkt zu stellen", sagte Oberbürgermeister Hilbert am Rande des stillen Gedenkens. "Zum zweiten aber auch (darum), zu ermahnen, aufzupassen und achtsam zu sein. Sich zu engagieren für Frieden und unsere Gesellschaft." 

Jahrelang hatten Neonazis das historische Datum immer wieder zur Verbreitung ihrer Ideologie missbraucht und versucht, mit einem Opferkult die Verbrechen der Nationalsozialisten zu relativieren. Am vergangenen Samstag waren rund 500 Neonazis vom Haltepunkt Reick bis zum Basteiplatz marschiert. Hilbert hatte zum Gegenprotest aufgerufen, wurde vor Ort dann aber nicht gesichtet. Am kommenden Wochenende ist eine weitere Kundgebung am Zwingerteich von Rechtsextremisten und Holocaust-Leugnern angekündigt. Auch dort wurden Gegendemos angekündigt.

Weder seien alle Dresdner Täter gewesen. "Noch waren es alles Unschuldige, die in unserer Stadt gelebt haben", sagte Hilbert. Deshalb müsse die Stadt auch diesen "Zwiespalt" im Gedenken
thematisieren.

Gedenke in Frauenkirche und am Neumarkt

In der Frauenkirche gab es mittags eine Friedensandacht, am Neumarkt sind Kerzen entzündet worden, in der Dreikönigskirche sind Gäste aus mehr als zehn Ländern zu Gast bei einer internationalen Bürgerbegegnung, sie diskutierten über Friedfertigkeit und Friedenshelden und über die internationale Rolle der Stadt Dresden für Versöhnung.

Menschenkette in der Innenstadt

Bereits zum neunten Mal ist eine Menschenkette in der Dresdner Innenstadt organisiert worden. Bis zu 11.000 Teilnehmer wurden von der Stadt erwartet. Um 18:00 Uhr schloss sich die Menschenkette, neben OB Hilbert hatte sich auch Sachsens neuer Ministerpräsident Michael Kretschmer eingereiht. Direkt im Anschluss war die Synagoge Startpunkt des Dresdner Gedenkweges, dieser führte über mehrere Stationen an ausgewählte Stätten, die in Dresden an Schuld und Leid im Zweiten Weltkrieg, an Zerstörung danach, aber auch an den Wiederaufbau als Weg zur Versöhnung erinnern.

Tumulte am Altmarkt

Am Altmarkt kam es am Dienstagabend vor Beginn einer AfD-Veranstaltung zu handfesten Auseinandersetzungen. Das Bündnis Hope hatte etwa 500 bis 600 Menschen zu einer Gegendemo mobilisiert, einige Demonstranten besetzten den Altmarkt.

Die Polizei räumte den Platz relativ schnell, zudem sollen Gegendemonstranten und Journalisten von Teilnehmern der AfD-Veranstaltung attackiert worden sein, auch der Polizeieinsatz wurde in sozialen Medien kritisch hinterfragt.

Ein Polizist soll einen Angriff eines AfD-Teilnehmers nach einem Bericht der DNN sogar befürwortet haben. Die Polizei sicherte via Twitter eine Überprüfung zu. "Sollte dies so gewesen sein, dann war das Verhalten unseres Kollegen völlig daneben. Dies entspricht nicht unserer Einsatzphilosophie! Wir werden dem Vorwurf nachgehen (...)."

Sollte dies so gewesen sein, dann war das Verhalten unseres Kollegen völlig daneben. Dies entspricht nicht unserer Einsatzphilosophie! Wir werden dem Vorwurf nachgehen und Kontakt mit der DNN aufnehmen. *sd

— Polizei Sachsen (@PolizeiSachsen) 13. Februar 2018

Auch im späteren Verlauf kam es an der Altmarkt-Galerie zu unübersichtlichen Szenen und Rangeleien. Der Dresdner AfD-MdB Jens Maier lobte die Polizei, er schrieb auf seinem Twitter-Account: "Danke der #Dresdner Polizei, die die randalierenden Linksextremisten sofort und gnadenlos aus dem Weg geräumt hat. So war ein würdiges #Gedenken möglich! #dd1302 #keine #Samthandschuhe".