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Forscher entschlüsseln Kamelien-DNA in Pillnitz

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Wissen­schaftler sind der Herkunft der Pillnitzer Kamelie auf der Spur. Forscher der TU Dresden haben das Erbgut der berühmten Pflanze entschlüs­selt.

Erste Ergeb­nisse: Die Kamelie stammt nicht von den japani­schen Goto-Inseln. Auch die Legende, dass der schwe­di­sche Botaniker Karl Peter Thunberg die Pflanze nach Dresden gebracht hat, ist wider­legt.

Nahe Verwandt­schaft zeigen die Gene der Dresdner Kamelie mit Pflanzen in Greifs­wald, Portugal und Italien.

Woher die Kamelie genau kommt, sollen weitere Forschungen zeigen. Bislang kosteten die Unter­su­chungen seit 2012 rund 53.000 Euro.    

Geschichte der Pillnitzer Kamelie muss neu geschrieben werden

Mit den neuen Forschungs­er­geb­nissen muss die Geschichte der Pillnitzer Kamelie umgeschrieben werden.

Auch das Onlinelexikon Wikipedia folgte bislang der Legende, wonach die Kamelie als eines von vier Exemplaren von Karl Peter Thunberg von seiner Japanreise 1775 bis 1776 nach Kew Gardens in London mitgebracht worden sei. Während eine der vier Pflanzen in London blieb, wurden die übrigen an andere königliche Gärten verschenkt, so das Onlinelexikon.

Forscher überprüfen DNA-Marker

"Wir möchten gern erfahren, wo die Pillnitzer Kamelie ursprüng­lich herstammt", sagte Roland Puppe, Leiter des Berei­ches Gärten. "Diese Frage steht am Anfang unserer Forschungs­be­mü­hungen zur histo­ri­schen Kamelie in Pillnitz. Es gibt viele Legenden und Theorien – wir möchten Klarheit. Ein Weg dahin ist, molekular-geneti­sche Methoden zu nutzen."

Nach der Entschlüs­se­lung der DNA konnten spezi­fi­sche Marker mit denen anderer Kamelien aus verschie­denen Regionen Europas und Asiens über das am Institut für Botanik entwi­ckelte Marker­system vergli­chen werden. Dem Team standen Proben aus den Sammlungen in Campo­bello (Portugal), Caserta (Italien), Japan, China, dem Botani­schen Garten Greifs­wald und den Botani­schen Sammlungen der TU Dresden, Landschloss Pirna-Zuschen­dorf zur Verfü­gung.

"Thunberg-Legende" wider­legt

Bei diesem Abgleich stellten die Forscher große geneti­sche Ähnlich­keiten zwischen den Kamelien in Pillnitz, Greifs­wald, Campo­bello und Caserta – die ältesten europäi­schen Kamelien - fest. "Damit ist die sogenannte ‚Thun­berg-Legende‘ über die Herkunft der Pillnitzer Kamelie wider­legt!", sagt das Wissen­schaft­ler­kon­sor­tium.

Nach der "Thunberg-Legende" sei die Pillnitzer Kamelie eines von insge­samt vier Exemplaren, die vom schwe­di­schen Arzt und Botaniker Carl Peter Thunberg von seiner Asien­reise nach Kew Gardens gebracht wurden. Da die geneti­schen Ähnlich­keiten mit drei anderen Herkunfts­orten nun nachge­wiesen ist, gilt diese These als unwahr­schein­lich.

Erste Forschungs­er­geb­nisse zum Genom publi­ziert

Die Mitar­beiter der beiden betei­ligten Profes­suren - Tony Heitkam, Anja Kögler, Chris­toph Neinhuis, Thomas Schmidt, Stefan Wanke, Torsten Wenke - haben erste Ergeb­nisse im Wissen­schafts­journal Chromo­some Research publi­ziert.

Bezogen auf die Pillnitzer Kamelie lassen sich folgende Kernaus­sagen zusam­men­fassen:

Die ältesten europäi­schen Kamelien (Pillnitz, Caserta, Campo­bello/Vila Nova de Gaia, Greifs­wald) sind genetisch sehr ähnlich. Eine weitere histo­ri­sche Legende, die besagt, dass die Pillnitzer Kamelie von den Goto Inseln, Japan stammt, konnte ebenfalls nicht bestä­tigt werden. Die Suche geht weiter.

Die erste wissen­schaft­liche Publi­ka­tion zum Genom der Pillnitzer Kamelie:

Heitkam T., Petrasch S., Zakrzewski F., Kögler A., Wenke T., Wanke S., Schmidt T. (2015) Next-genera­tion sequen­cing reveals diffe­ren­ti­ally ampli­fied tandem repeats as a major genome compo­nent of Northern Europe's oldest Camellia japonica. Chromo­some Research 23: 791-806.