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Flüchtlinge sagen in Schleuser-Prozess aus

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Mehrere Flücht­linge haben ihre Schleu­sung nach Deutsch­land im August 2015 als Alptraum erlebt. Im Dresdner Schleuser-Prozess gaben zwei Männer aus Syrien und Afgha­nistan am Mittwoch­vor­mittag Details der stunden­langen Fahrt in einem kleinen Kühllaster ohne ausrei­chende Luftzu­fuhr bekannt. Das sei das Schlimmste gewesen, was er bislang erlebt habe, schil­derte ein 32 Jahre alter Afghane das Geschehen. Seine Frau werde noch heute von Alpträumen geplagt. Am 17. August 2015 waren 81 Menschen in einem Laster zusam­men­ge­pfercht nach Deutsch­land gebracht und nahe der tsche­chi­schen Grenze in Sachsen abgesetzt worden. Angeklagt ist der bulgarische Fahrer (34). Er hatte am 16. August 2015 einen Kühllaster mit 81 Menschen an Bord von Ungarn ohne Pause bis nach Sachsen gefahren. Nahe der tschechischen Grenze setzte er die Flüchtlinge ab. Sie konnten während der gesamten Fahrt ihre Notdurft nicht im Freien verrichten, viele von ihnen waren nach der Ankunft entkräftet. Der Angeklagte hatte am ersten Verhand­lungstag ein Geständnis abgelegt. Er gab auch zu, trotz Klopf­zei­chen der Flücht­linge den Laster nicht gestoppt zu haben, weil ihm sein Chef das ausdrück­lich unter­sagt habe. Die Anklage geht davon aus, dass die Situa­tion für die Flücht­linge lebens­be­droh­lich war.  Laut Anklage waren die Betrof­fenen 18 Stunden lang in dem von außen versperrten Lkw einge­schlossen. In der Mehrzahl waren Afghanen an Bord, aber auch Syrer, Iraker, Iraner und Pakis­tani. Der Bulgare war nach eigenen Angaben Teil einer Bande, zu der neben Lands­leuten auch ein Araber und ein Pakis­tani gehörten. Die Staats­an­walt­schaft Dresden sieht Paral­lelen zu einem Fall aus Öster­reich. Dort waren Ende August 2015 in einem abgestellten Lastwagen die Leichen von 71 Flücht­lingen entdeckt worden, die in einem Kühlfahr­zeug qualvoll erstickt waren. Staats­an­walt Till von Borries hatte auf Überschnei­dungen hinge­wiesen. So habe man bei beiden Schleu­sungen identi­sche Handy­num­mern gefunden. Die vierköp­fige Familie aus Afgha­nistan hatte nach Bekunden des Ehemannes für die Schleu­sung zwischen 45 000 und 50 000 Euro bezahlt, einen Teil davon bereits in der Heimat, den Großteil aber in der Türkei. Das Ehepaar ging davon aus, von dort bequem in einem Taxi in ein europäi­sches Land weiter­reisen zu können. „Wenn ich gewusst hätte, wie die Reise verläuft, hätte ich das auch in 100 Jahren nicht gemacht“, erklärte der Mann.Der Syrer, ein 30 Jahre alter Apotheker, hatte für seine Flucht von der Türkei aus etwa 1450 Dollar oder Euro bezahlt. An die Währung konnte er sich am Mittwoch nicht mehr erinnern. Er gab unter anderem  zu Proto­koll, dass die Mehrheit der Geflüch­teten keinen Stopp des Lasters wollten, weil sie Angst vor einer Entde­ckung hatten. Als ein Freund von ihm in Tsche­chien einen Notruf absetzte, hätten andere Insassen sie mit Schlägen bedroht - weil sie offenbar Angst vor einem Aufgreifen durch die Polizei hatten. In einigen Punkten wider­spra­chen sich die Aussagen der beiden Zeugen. Insge­samt schil­derten aber beide die Fahrt als Tortur.Das Landge­richt hat bis 21. März insge­samt vier Verhand­lungs­tage angesetzt. Der nächste Termin ist der 14. März.