Fledermaus-Ärger am Straßburger Platz
In Dresden gibt es mal wieder Ärger um Fledermäuse. Diesmal ist aber nicht die Kleine Hufeisennase der "Übeltäter", sondern der Große Abendsegler steht im Mittelpunkt - ebenfalls eine Fledermausart. Die neue Bildungsakademie am Straßburger Platz (AFBB) wurde vom Umweltamt aufgefordert, für mehrere tausend Euro 27 Fledermaus-Nistkästen zu installieren.
Nach Angaben von Geschäftsführer Günther Kahle sei dort noch nie eine Fledermaus gesichtet worden, er fürchtet durch eine Ansiedlung Probleme mit Dreck und gefährlichen Erregern. Er spricht von "lächerlichem Unfug". Zudem habe er eine Fürsorgepflicht für seine Mitarbeiter, Studenten und Schüler. Wenn die Tiere gefährliche Krankheiten übertragen, müsse die Leitung des Umweltamtes die Verantwortung übernehmen, sagte Kahle. Und auch das Kultusministerium sieht Kahle in der Verantwortung.
Umweltbürgermeisterin: "Wir werden sehen, ob sich dort Fledermäuse ansiedeln"
Die Stadt argumentierte, dass dort früher Fledermäuse in einem Baum genistet hatten. Wie Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen bei uns im Interview sagte, leben Fledermäuse im Elbtal und in der Stadt. Immer wieder würden Lebensräume der Tiere verschwinden und abgerissen. Ob sie diese Nistkästen beziehen, werde man sehe.
Seit Jahren gibt es in Dresden Debatten um eine andere Fledermaus: um die Kleine Hufeisennase. Die Fledermaus ist für das nächtliche Tempo-30-Limit auf der Waldschlösschenbrücke verantwortlich - die Tiere wurden bislang dort aber nicht gesichtet.
Position der Bildungsakademie
Die Bildungsakademie veröffentlichte eine Pressemitteilung und hat darin die Behörden scharf angegriffen. Wir dokumentieren diese hier in Auszügen:
Begründet wird die Forderung mit der Entdeckung eines angeblichen Fledermausloches in einem Gehwegbaum an der Güntzstraße. Ob das Loch in drei Meter Höhe tatsächlich ein von Fledermäusen bewohntes Loch ist, kann nicht mehr nachgeprüft werden, denn die Stadt hat den betreffenden Bau m zusammen mit mindestens zwei weiteren Straßenbäumen selbst bereits Anfang 2016 fällen lassen. Die jahrelang vernachlässigte Baumpflege forderte ihren Tribut. Zudem sind im Umfeld des Campusareals noch nie Fledermäuse gesichtet worden. Die AWV-Gruppe hat der Anordnung des Umweltamtes daher widersprochen.
"Lächerlicher Unfug"
„Im Vorfeld des Baus unseres Campusgebäudes wurden auch Bäume untersucht, die auf dem angrenzenden städtischen Gehweggrundstück entlang der Güntzstraße standen. In einem der Bäume war ein Loch, welches fantasiereich als Fledermausquartier festgelegt wurde. Nie hat jemand hier Fledermäuse gesehen! Trotzdem besteht das Umweltamt, ohne belegbaren Grund, auf das Anbringen der Nistkästen und damit auf die Ansiedlung und Entwicklung einer Fledermauskolonie! Ein lächerlicher Unfug“, empört sich Günter Kahle, Geschäftsführer der AWV-Gruppe.
Vom Umweltamt der Stadt Dresden wurden bis dato keinerlei Fledermausquartiere auf dem Grundstück zwischen Güntz-, Blochmann- und Seidnitzer Straße nachgewiesen. „Die Behauptung der Stadt in ihrem Schreiben, es seien durch unseren Neubau Fledermausquartiere verloren gegangen und daher Ersatzquartiere zu schaffen, ist schlicht falsch“, bekräftigt der Geschäftsführer der AWV-Gruppe. „Weder auf unserem Grundstück noch in der Nähe gibt es oder gab es je Fledermäuse!“
Umweltamt besteht auf Fledermaus-Nistkästen
Das Dresdner Umweltamt hat sich nach unsere Anfrage umfangreich zur Thematik geäußert. Wir dokumentieren hier die Position der Behörde:
1. Hinweise auf Fledermäuse
Für die Baufeldfreimachung des Bauvorhabens am Straßburger Platz waren Baumfällungen erforderlich. Aufgrund der zügigen Bearbeitung des Bauvorhabens konnte keine systematische Voruntersuchung erfolgen, dafür jedoch eine artenschutzfachliche Fällbegleitung durch einen Fledermausspezialisten. Im Rahmen der Fällbegleitung wurde in einem Baum ein Fledermaussommerquartier des Großen Abendseglers nachgewiesen, in weiteren Bäumen mehrere potentielle Sommerquartiere aufgrund vorhandener Höhlungen. Da Fledermäuse oft ihre Quartiere wechseln, müssen diese anderen Quartiere mit in die Betrachtung einbezogen werden. Untersuchungen zu Winterquartieren waren nicht möglich, jedoch sind 2 Winterquartiere aus ganz unmittelbarer Nähe bekannt. So wurden im Rahmen einer Baumfällung durch die Stadt in einer Esche an der Seidnitzer Straße 32 überwinternde Fledermäuse geborgen.
2. Absprache
Im Rahmen der Fällbegleitung erfolgte eine Potentialabschätzung der Fledermausquartiere und die Erarbeitung eines Kompensationskonzepts, welches durch Herrn Kahle bestätigt wurde. Dabei sollten vorgezogene Maßnahmen am Altbau durch 12 Fledermauskästen und Ersatzmaßnahmen am Neubau mittels der Anbringung von 15 Fledermauskästen umgesetzt werden. Durch das Planungsbüro im Auftrag von Herrn Kahle wurde die naturschutzrechtliche Genehmigung beantragt und durch das Umweltamt beschieden.
3. Widerspruch durch Akademie?
Da fristgemäß kein Widerspruch eingelegt wurde, ist der naturschutzrechtliche Bescheid bestandskräftig geworden.
4. Kommentar zur Position der Akademie?
Das Umweltamt arbeitet auf der Grundlage der durch den Fachgutachter im Rahmen der Fällbegleitung ermittelten Sachverhalte und Fakten, der auf der Grundlage langjähriger Tätigkeit des Fachgutachters erfolgten Potentialeinschätzung und des durch den Herrn Kahle eingereichten und mit ihm abgestimmten Kompensationskonzeptes.
5. Nächsten Schritte
Das Umweltamt wird die Einhaltung / Umsetzung der bestandskräftigen Entscheidung zur Schaffung von Fledermaus-Ersatzquartieren - wie jedem anderen Bürger auch - bestehen. Die Ersatzquartiere, denen Herr Kahle zugestimmt hatte, waren schließlich Voraussetzung für die Baumaßnahme.