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Falsche Corona-Atteste: Moritzburger Hausärztin muss ins Gefängnis

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Im Prozess wegen falscher Corona-Atteste ist in Dresden das Urteil gefallen. Das Dresdner Landgericht schickt die angeklagte Hausärztin aus Moritzburg für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis.

Die 67-Jährige hat laut Anklage während der Pandemie über 1.000 Atteste z.B. für die Befreiung von Impf- oder Maskenpflicht ausgestellt und dafür mehrere zehntausend Euro kassiert. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Beschuldigte an fünf Sammelterminen im ganzen Bundesgebiet auf Bestellung Atteste ausstellte. Pro Attest habe sie mindestens 30 Euro kassiert und sich daher unter anderem wegen Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse in zusammen 1.003 Fällen schuldig gemacht.

Mehrere Dutzend Sympathisanten der Angeklagten störten die Urteilsverkündung mit Zwischenrufen, es kam zu tumultartigen Szenen im Publikum. Der Vorsitzende Richter ließ den Saal räumen und unterbrach die Sitzung. 

Mit dem Strafmaß blieb die Strafkammer unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vier Jahre und zehn Monate Haft für die Frau beantragt hatte.

Verteidigung forderte Freispruch

Die Verteidiger der Frau hatten Freispruch sowie die Aufhebung des Haftbefehls gefordert., ihre Mandantin habe sich nicht bereichert. Sie monierten, die Kammer habe nur einen Bruchteil der Attest-Empfänger als Zeugen geladen, von denen die meisten aufgrund von Ermittlungen gegen sich nicht ausgesagt hätten.

Sie habe nach bestem Wissen und Gewissen und zum Wohle ihrer Patienten gehandelt, sagte die 67-Jährige beim Prozess aus. Sie habe ihre Patienten vor Gefahren bewahren wollen, in einer „anständigen, klaren und verständlichen Art und Weise“. Es sei ihr darum gegangen, für Behörden, Arbeitgeber, Beamte und andere Ärzte den Willen ihrer Patienten und „meine ärztliche Einstellung kundzutun“.

Der Prozess fand im Hochsicherheits-Gerichtsgebäude des Oberlandesgerichts im Dresdner Norden statt. Das Landgericht hatte den Prozess dorthin verlegt, weil bis zu 150 Anhänger der Angeklagten regelmäßig vor dem Chemnitzer Frauengefängnis gegen die Inhaftierung der Frau demonstriert hatten. Die Beschuldigte hat sich laut Staatsanwaltschaft selbst als Angehörige des „Indigenen Volkes der Germaniten“ bezeichnet. Die Ärztin wird der Reichsbürgerszene zugeordnet.

Seit Herbst 2022 laufen die Ermittlungen der Polizei. Es gab in der Folge Razzien in mehreren Bundesländern. Im Februar 2023 wurde Haftbefehl gegen die Medizinerin erlassen.