Nachtschlichter in der Neustadt ziehen positive Bilanz
Die enge Zusammenarbeit zwischen Polizei, Stadtbezirks -und Ordnungsamt sowie den Nachtschlichtern in der Dresdner Neustadt zahlt sich aus. Alle Beteiligten ziehen eine positive Bilanz der Sommersaison.
An den knapp 120 Einsatztagen in den vergangenen sieben Monaten führte das Streetworker-Team in den späten Abend- und Nachtstunden mehr als 1.200 Gespräche. Angesprochen wurden vor allem Partygäste, Anwohnende, Gewerbetreibende und Menschen in Notsituationen. Gut erkennbar durch ihre rote Arbeitskleidung mit der gelben Aufschrift, haben die Konfliktmanager und Konfliktmanagerinnen ihre Bekanntheit und Wirkung in der Äußeren Neustadt weiter steigern können. In dem Projekt arbeiten Polizei, Gemeindlicher Vollzugsdienst, soziale Träger und weitere Akteuren zusammen, um das „Klima“ im Areal zwischen Stauffenbergallee und Elbufer zu verbessern.
So seien die Menschenmassen an der „Schiefen Ecke“ weniger geworden und die Lärmbelästigung durch Bassboxen bestehe so gut wie nicht mehr, erklärt Stadtbezirksamtsleiter André Barth. „Nach einigen eher turbulenten Jahren nehmen wir dieses Jahr eine deutliche Entspannung der Neustadt wahr. Das Miteinander ist gestärkt. Viele Bürgerinnen und Bürger spiegeln uns eine Verbesserung und fühlen sich wieder wohler in ihrem Viertel. Unsere Strategie, die wir über die letzten Jahre konstant ausgebaut haben, funktioniert ganz offensichtlich! Das haben wir nicht zuletzt unserem gesamtgesellschaftlichen Ansatz zu verdanken, der neben der Kontrolle durch die Ordnungskräfte vor allem auf Prävention und Angebote setzt und immer offen ist für die Beteiligung der Anwohner.“
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Das bestätigen demnach auch die Zahlen der Polizei. Jürgen Kunath, Revierleiter Nord, sagt: „In der zurückliegenden Saison zeigt sich im Stadtteil Äußere Neustadt im Wesentlichen eine positive Entwicklung der Kriminalitätsbelastung. So ist die Anzahl der Straftaten insgesamt weiterhin rückläufig. Vorläufig um etwa zehn Prozent."
Laut Kunath hat sich der bereits 2023 einsetzende Trend der Verteilung der Straftaten und Treffpunkte der Besucher von der “Schiefen Ecke„ weg in den ganzen Stadtteil hinein verstetigt. So kam es z. B. in diesem Jahr zu keinen Einschränkungen des Straßenbahnverkehrs an der “Schiefen Ecke„. "Positiv zu bewerten ist ebenfalls die Entwicklung an den Kriminalitätsbrennpunkten Alaunpark und Scheunevorplatz. Auch hier ist ein Rückgang der Straftaten zu verzeichnen. Stärker in den Fokus gerückt ist jedoch der Bereich Bautzner Straße/Alaunstraße/Albertplatz als “Eingangstor„ zur Dresdner Neustadt. Nachdem zu Jahresbeginn die Kriminalitätsbelastung in etwa auf dem Niveau des Vorjahres lag, ist diese in den Monaten September und Oktober angestiegen. Vor diesem Hintergrund ist die Polizei hier verstärkt unterwegs", so Kunath
Der Koordinator des Konfliktmanagements, Alessandro Finke erklärt: “Ich bin stolz auf die Leistung meines Teams der Nachtschlichter. Ohne das Engagement jedes und jeder Einzelnen wären wir heute nicht dort, wo wir sind. Das Projekt hat seine Wirksamkeit bewiesen. Im kommenden Jahr werden wir uns weiterentwickeln und den Fokus verstärkt auf Awareness-Arbeit im öffentlichen Raum setzen.„ Die Streetworker gehen auch Hinweisen von Besuchern der Neustadt nach, zum Beispiel zum Zustand von betrunkenen Jugendlichen oder Wohnungslosen, die möglicherweise Hilfe benötigen. Außerdem kann man sich bei Bedarf zum Beispiel nach Hause begleiten lassen.
Zu den wichtigsten Partnern für das Team zählen in der Neustadt die sozialen Träger. Streetworker Alexander Beuschel von Safe Dresden: “Im Rahmen der Straßensozialarbeit für Erwachsene haben wir in den letzten Jahren stets gut mit dem Projekt Nachtschlichter kooperiert. Zum einen haben wir Fachberatungen und Fallkonferenzen mit dem Team durchgeführt, zum anderen besteht ein zielführender Austausch zur Situation im Stadtteil."
Generell zeichnet sich für Streetwork sowie Obdach- und Wohnungslosenhilfe aktuell ein erhöhter Bedarf ab. So kamen zum Beispiel zur mobilen Essensausgabe der Heilsarmee am Bischofsplatz von Januar bis Oktober 2.386 Menschen. Das ist eine Steigerung um 22,6 Prozent zum Vergleichszeitraum im Vorjahr. Nico Schmiedhofer von der Heilsarmee: „Allgemein bemerken wir eine Zunahme an Adressaten in der Neustadt, die unsere Angebote wahrnehmen. Uns wurde im Laufe des Jahres immer wieder berichtet, dass insbesondere die am Bahnhof Neustadt schlafenden Menschen sehr grob geweckt und vertrieben wurden. Die Anbindung an unseren Tagestreff in Reick klappt trotz weiter Strecke meist gut. Die Grundversorgungsangebote können dadurch vermehrt wahrgenommen werden. Wir nehmen auch im Tagestreff eine deutliche Zunahme wahr.“