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Einbruch ins Grüne Gewölbe jährt sich zum 5. Mal

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Einer der größten Kunstdiebstähle Deutschlands jährt sich am Montag zum fünften Mal. Am 25. November 2019 wurden beim Einbruch ins Grüne Gewölbe 21 einzigartige Schmuckstücke aus Diamanten und Brillanten gestohlen.

Juwelendiebstahl aus prominentem Museum besonderer Kriminalfall

Der Einbruch gilt als einer der spektakulärsten Coups in Deutschland. Zwei der Täter drangen über ein einige Nächte zuvor präpariertes Fenster im Erdgeschoss des Dresdner Residenzschlosses ein, schlugen mit Hämmern Löcher in die Vitrine und rissen von den unter anderem mit Angeldraht befestigten Kunstwerken ab, was sie durch die Löcher zu fassen bekamen. So erbeuteten sie 21 einzigartige historische Schmuckstücke aus Diamanten und Brillanten oder Teile davon und verursachten über eine Million Euro Schaden.

Im Mai 2023 wurden fünf junge Männer aus dem Berliner Remmo-Clan vom Landgericht Dresden - mittlerweile rechtskräftig - zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, wegen Diebstahls sowie Brandstiftungen an einem Fluchtauto in der Tiefgarage eines Wohnhauses und einem Stromverteiler. Kurz vor dem Ende der Beweisaufnahme hatten sie über ihre Verteidiger den größten Teil der Beute zurückgegeben. Im Zuge des „Deals“ waren drei von ihnen mit Verkündung des Richterspruchs auf freien Fuß gekommen, zwei traten bereits zur Verbüßung ihrer Reststrafe an. Zwei andere Verurteilte sind seit ihrer Verhaftung hinter Gittern - einer von ihnen zunächst noch wegen des Diebstahls der Goldmünze aus dem Bode-Museum in Berlin 2019.

Die durch ihr brutales Vorgehen verursachten Zerstörungen in den rekonstruierten Räumen sind beseitigt, die Staatlichen Kunstsammlungen haben jetzt eine eigene Sicherheitsabteilung und es läuft ein Zivilprozess wegen Schadensersatzes, was die Restaurierung der Juwelen aus dem 17. und 18. Jahrhundert blockiert. Sie sind daher seit August in dem Zustand zu sehen, in dem sie kurz vor Weihnachten 2022 in einer Berliner Anwaltskanzlei sichergestellt wurden.

Großteil der Schmuckstücke zurück

In der Spezialvitrine mit den Diamant- und Brillantgarnituren liegen unter anderem wieder die Sonne als Haarschmuck der Königinnen, zwei Schuhschnallen und der Reiherstutz, den der Kurfürst statt Krone am Hut trug, zwischen Stücken arrangiert, die den Juwelendieben damals nicht in die Hände fielen. Sie haben im Zuge der Tat teils aber durch unsachgemäße Behandlung oder Lagerung entstandene Blessuren: ein fehlender Stein, Spuren von Korrosion oder ein verwaister Degengriff aus Diamanten.

Trotz Aufklärung bleiben einige offene Fragen

Der aufsehenerregende Fall, der auch eine Debatte über die Sicherheit in Museen weltweit auslöste, ist bisher nicht restlos aufgeklärt: „Man soll die Hoffnung nie aufgeben. Aber momentan sind die Chancen eher gering, alles zurückzubekommen“, sagt Olaf Richter, der die Sonderkommission der Dresdner Polizei - die Soko „Epaulette“ - zu dem Fall leitet. Die Beobachtung der internationalen Kunstszene nach solchen Beutestücken obliege dem Bundeskriminalamt und dem Landeskriminalamt. 

Neue Sicherheitsstrategie für Sachsens Kunstmuseen

Der Freistaat investierte nach dem Schock knapp 10 Millionen Euro in die Sicherheit der SKD. „Der Einbruch hat das Bewusstsein für das Thema geschärft“, sagt Marius Winzeler, Direktor des Grünen Gewölbes. Das Wachpersonal wurde aufgestockt, die Beschäftigten sind nun direkt bei den SKD angestellt und der Museumsverbund hat einen eigenen Sicherheitschef.

Die geplünderte historische Vitrine im Juwelenzimmer des prominenten Museums war knapp anderthalb Jahre danach repariert und wieder eingerichtet mit den Stücken der Brillant- und Diamantgarnituren, die die Diebe verschonten, oder die sie durch die ins Glas gehauenen Löcher nicht zu fassen bekamen. Nun sind auch die meisten Lücken wieder gefüllt, drei prominente Objekte mit großen Steinen aber weiterhin verschwunden - darunter die Epaulette mit dem „Sächsischen Weißen“, einem Brillanten von fast 50 Karat. 

Weitere Ermittlungen in dem Fall eingestellt

Die Ermittlungen gegen vier Personen, die am Vortag im Museum waren, wurden eingestellt. Es gab keine Erkenntnisse, die einen hinreichenden Tatverdacht begründeten - unter anderem einen Tag vor der Tat die Räumlichkeiten für die Haupttäter ausgekundschaftet zu haben. Ins Leere liefen ebenso Untersuchungen zu einem anonymen Hinweisschreiben, nach dem der Vater eines Verurteilten und dessen Schwager die Drahtzieher des Einbruchs sein sollten.

In dem Kriminalfall gehen nur noch sehr vereinzelt Hinweise bei der Soko Epaulette ein, der aktuell drei Beamte angehören, die aber bei Bedarf erweitert werden kann. Die Auswertung von sichergestellten Gegenständen bei den als Täter Verurteilten ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft abgeschlossen. „Konkrete Ermittlungsansätze gibt es derzeit nicht“, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. 

Die zurückgekehrten Schmuckstücke könnten vielleicht helfen, etwas Licht ins noch herrschende Dunkel zu bringen. „Die Restauratoren können den gestohlenen Juwelen noch einige Geschichten entlocken, wenn sie sie untersuchen dürfen, etwa wo sie zwischenzeitlich waren oder zu den Schäden“, ist Winzeler sicher. „Sie bergen noch Geheimnisse.“ (dpa)