Ein Zentrum für Astrophysik in Görlitz und ein Teleskop im Oberlausitzer Granit

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Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat ihre Pläne für ein Forschungszentrum in Görlitz vorgestellt. An der Neiße soll ein Deutsches Zentrum für Astrophysik errichtet werden. Görlitz und Umgebung biete dafür hervorragende Möglichkeiten, sagte ESA-Forschungsdirektor Günther Hasinger im Gespräch mit Oberbürgermeister Octavian Ursu.  Das Konzept basiert auf drei Säulen.

Datenströme von Forschungsprojekten aus aller Welt sollen in der Region gebündelt werden.  Das Konzept beinhaltet weiterhin ein Technologiezentrum. Dort sollen neue Halbleitersensoren und Regelungstechniken für Observatorien entwickelt werden. Die Initiative, an der u.a. auch die Max-Planck-Gesellschaft und das Leibniz-Institut für Astrophysik beteiligt sind, will sich außerdem dafür einsetzen, dass die Oberlausitz Standort für das „Einstein-Teleskop“ wird.

Das unterirdische Gravitationswellen-Observatorium könnte in einem Granit-Stock aufgebaut werden. Die seismischen Bedingungen seien hervorragend, so der ESA-Forschungsdirektor. Es knüpfe auch direkt an die Bergbautradition der Lausitz an, findet der Professor.

Das ESA-Projekt gehört zu den sechs Großforschungszentren für die beiden sächsischen Braunkohlereviere,  denen eine Expertenkommission Ende Juli empfohlen hatte, die Anträge bis zur Entscheidungsreife zu vertiefen.  Dafür haben die Antragsteller ein halbes Jahr Zeit. Dann werden die Kommissionsmitglieder zwei Forschungszentren bestätigen - das eine für das Lausitzer, das andere für das Mitteldeutsche Revier. Sie bekommen je 1,25 Milliarden Euro Förderung vom Bund. 

Zu denen, die über die Auswahl entscheiden, gehört auch Raumfahrer Alexander Gerst, Mitglied des ESA-Astronautencorps.

Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu sieht große Perspektiven für seine Stadt: "Wir wollen die Europastadt Görlitz/Zgorzelec weiter zum Wissenschafts- und Forschungsstandort ausbauen. Mit der Hochschule Zittau/Görlitz und den Forschungseinrichtungen wie CASUS, Fraunhofer auf dem Siemens Innovationscampus und Senckenberg sind wir bereits auf einem sehr guten Weg".

In der Auswahl für die sächsische Lausitz ist noch ein Projekt mit kosmischen Ambitionen. Das »European Research Institute for Space Ressources” – kurz ERIS – will wissenschaftliche und technologische Grundlagen für die Errichtung und den Betrieb von Weltraumstationen auf Mond und Mars erforschen.

Das Echo aus der Region:

Grundlagenforschung für Weltraumstationen auf Mond und Mars und ein Großteleskop in der Lausitz -  der Görlitzer Landrat Bernd Lange hat Zweifel an der Nachhaltigkeit. Es werde damit der dritte Schritt vor dem ersten gemacht. Zunächst müsse eine leistungsfähige Infrastruktur geschaffen werden. Die Entwicklung der Region beginne von unten und nicht mit einem Traumschloss. Der Landrat im Interview mit unserem Sender: "Das hört sich alles gut an. Irgendwann wollen wir auf den Mars fliegen. Aber ob wir dafür prädestiniert sind, dies in der Region mit viel Geld aufzubauen, das ist die große Frage. Die beiden Space-Projekte halte ich ein bisschen für spartanisch".

Der Rietschener Bürgermeister Ralf Brehmer begrüßt das Projekt. "Die Stadt Görlitz verstehe ich als ersten Anlaufpunkt, das sehe ich als legitim an. So richtig komplett würde so ein Projekt erst mit der Einbeziehung des Umlandes werden. Ich weiß, dass man sich in Weißwasser und Krauschwitz mit einem Datengroßspeicher beschäftigt. Das würde sehr gut zusammenpassen. Wenn so ein Vorhaben in die Region kommt, wird es auch Synergien geben."

Carina Dittrich, Bürgermeisterin von Reichenbach/ Oberlausitz: "Auf den ersten Blick scheint diese Idee absurd, da gebe ich Landrat Bernd Lange recht. Die Infrastruktur ist trotz Fortschritten noch immer nicht auf dem Niveau vergleichbarer Regionen mit Forschungsstandorten. Aber  hier greift mal wieder das Henne-Ei-Prinzip. Bauen wir zunächst die Infrastruktur, ist die Chance für die Ansiedlung weg. Lassen  sie uns doch die Erfahrungen, Wünsche und Ideen von Wissenschaftlern in die Strukturentwicklung einfließen! Das bietet die Chance auf einen „Quantensprung“ für die Entwicklung unserer Heimat!".

Nick aus Bautzen: "Wollt ihr beim Tunnelbohren gleich eine U-Bahn mit anlegen oder den Goldzug suchen?".

Was halten Sie von den beiden Projekten? Können sie den Strukturwandel in der Lausitz langfristig und nachhaltig voranbringen? Schreiben Sie uns!