Dynamo übt scharfe Kritik am Polizeieinsatz beim Pokalspiel in Freiburg

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Dynamo Dresden und das Fanprojekt Dresden haben die Vorfälle rund um das DFB-Pokalspiel am 25. Oktober in Freiburg ausgewertet und aufgearbeitet. Rund 200 Fans wurde dabei nach Angaben des Fanprojektes Dresden der Zutritt zum Stadion verwehrt. Dabei kritisiert die SGD den Einsatz der Polizei aufs Schärfste. Über 1.200 Fragebögen wurden infolge des Spiels in Freiburg vom Fanprojekt Dresden ausgewertet.

Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born: "Vereine, Polizei, Sicherheitsträger und Fanprojekte arbeiten Wochenende für Wochenende partnerschaftlich und professionell zusammen, um Fußballspiele als Großveranstaltungen sicher durchzuführen. Ein vertrauensvolles Miteinander, in das auch die Fans mit einbezogen werden, ist dabei nicht nur ein erfolgversprechender Weg, sondern geradezu unabdingbar. Was wir in Freiburg erlebt haben, hat gewachsenes Vertrauen beschädigt – bei uns als Verantwortlichen, aber auch bei unseren Fans. Wir haben uns Zeit für die Aufarbeitung genommen und wollen nun mit allen beteiligten Partnern zu einer Bewertung der Abläufe vor Ort kommen, damit Fehler sich nicht wiederholen. Dynamo Dresden hat sich von Fehlverhalten der eigenen Fans immer deutlich distanziert und im Rahmen der Möglichkeiten des Vereins dagegengewirkt. Diesen Weg können wir nur dann glaubhaft beibehalten, wenn wir berechtigte Kritik am Polizeieinsatz in Freiburg jetzt auch zulassen und selbst ausüben. Unser Dank gilt dem Fanprojekt Dresden, das auf Grundlage von über 1.200 Fragebögen zum Spiel in Freiburg eine gewissenhafte Auswertung erstellt hat. Bedanken möchte ich mich aber auch bei allen Dynamo-Fans, die durch ihr überwiegend besonnenes Verhalten dazu beigetragen haben, das Geschehen in Freiburg nicht eskalieren zu lassen."

In einer Pressemitteilung am Donnerstag führte Dynamo folgende Punkte auf:

1. Ausgangslage

SGD und Polizeibehörden pflegen bei Heim- und Auswärtsspielen der SGD im gesamten Bundesgebiet eine positive und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Ziel, die Veranstaltungssicherheit zu gewährleisten.

2. Dokumentation

2.1. Fehlverhalten Dynamo-Fans

2.1.1. Vorspielphase

  • Einsatz eines pyrotechnischen Erzeugnisses durch Insassen eines Kfz auf Anreise

2.1.2. Während des Spiels

  • tätlicher Angriff auf einen Ordner im Gästeblock (Verletzung unbekannt)
  • Vandalismus mit Folge von leichten Sachbeschädigungen an zwei Türen
  • Diebstahl von Pfandbechern

2.2. Verletzte Personen

  • drei Polizisten leicht verletzt (1x Biss von Polizeihund, 1x Pfeffersprayeinsatz der Polizei, 1x unbekannt)
  • ein Gästefan schwer verletzt durch Zwischenfall in einer Lokalität in der Freiburger Innenstadt nach Ende des Spiels

2.3. Maßgebliche polizeiliche Maßnahmen

  • Ingewahrsamnahme mit ID-Feststellung (inkl. Videografierung und Durchsuchung, teils Leibesvisitationen) gegen ca. 200 Gästefans in Vorspielphase und während des Spiels, die infolgedessen nicht ins Stadion gelangten
  • Weitere ID-Feststellung (inkl. Videografierung und Durchsuchung, teils Leibesvisitationen) in der Vor- und Nachspielphase
  • Im Zuge der Leibesvisitationen teils Nacktkontrollen ohne ausreichenden Sichtschutz
  • ca. 90-minütige Blocksperre des Gästestehblocks (ca. 21.30-23 Uhr), davon betroffen ca. 1.500 Gästefans, dabei mehrfach Pfefferspray-Einsatz
  • Einsatz von Polizeihunden ohne Maulkorb am Gästeblock
  • Durchsuchungen von ca. 50-70 Kfz und 9-Sitzern sowie eines Busses in Vorspielphase, während des Spiels und in Nachspielphase

3. Kritik

3.1. Polizeiliche Maßnahmen

  • Maßnahmen gegen Gästefans unverhältnismäßig, da keine entsprechende Gefahrenlage (leichte Sachbeschädigung siehe 2.1.2. beim Versuch, den ohne Begründung durch die Polizei gesperrten Gästestehblock zu verlassen)
  • bislang offen, ob Gefahrenabwehr oder Strafverfolgung stattfand

3.2. Zusammenarbeit

  • mangelhafte Kommunikation der Polizei gegenüber Verantwortlichen der SGD (Geschäftsführung, Sicherheitsbeauftragter, Fanbeauftragte) und Mitarbeitern des Fanprojekts Dresden während des gesamten Einsatzes (insbesondere Zurückhalten von Informationen zum Polizeieinsatz)
  • Sicherheitsbeauftragter SGD und Fanbeauftragte SGD sowie Mitarbeiter des Fanprojekts konnten sich teils nicht frei bewegen und befanden sich kurzzeitig ebenfalls in polizeilichen Maßnahmen; DFL-Ausweise wurden durch Polizei teils ignoriert

3.3. Pressemitteilung Polizeipräsidium Freiburg vom 26.10.2017

  • Angabe von drei verletzten Polizisten ohne Angabe der Ursache der Verletzung
  • skandalisierende Aufzählung und Fotodokumentation von Gegenständen, die teils nach dem Spiel in Fahrzeugen von Gästefans gefunden und nachweislich nicht mit ins Stadion genommen wurden (Bsp. Messer, das zum Schälen von Obst verwendet wurde, am 26.10., 0.20 Uhr, in Bus gefunden, bevor vom Spiel zurückkehrende Gästefans diesen wieder betreten hatten)

4. Fazit

  • Im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) verankerte Vereinbarungen wurden ignoriert, insbesondere „Berechenbarkeit und partnerschaftliche Kommunikation der Netzwerkpartner“.
  • Durch NKSS verfolgte Ziele wurden beschädigt, insbesondere das Schaffen von „Vertrauen und Verhaltenssicherheit bei (jungen) Fans“, was den von SGD und Fanprojekt Dresden verfolgten pädagogischen Ansatz der Fanarbeit konterkarierte.
  • Zu loben ist das angesichts des Umfangs der polizeilichen Maßnahmen überwiegend besonnene Verhalten der Gästefans, besonders hervorzuheben ist teils deeskalierendes Verhalten von Mitgliedern der aktiven Fanszene.

5. komplette Auswertung des Fanprojekts Dresden

Antworten der Freiburger Polizei auf Fragenkatalog unseres Senders.