• Beim Fanmarsch zum Stadion wurden Böller auf Polizisten geworfen. Insge­samt erlitten 15 Beamte Knall­trau­mata. (Screen­shot: Youtube)

Dynamo-Geschäftsführer: "Worte wie 'Krieg' haben auf Fußballplatz nichts verloren"

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Dynamo Dresden hat die Vorfälle am Sonntag in Karls­ruhe verur­teilt. Per Twitter teilte der Verein mit: "Gewalt, Kriegs­rhe­torik & Panzer auf Zaunfahnen? Die SGD ist stark und ruhmreich. Aber ganz gewiss nicht so." Baden-Württem­bergs Innen­mi­nister Thomas Strobl verur­teilte ebenfalls die gewalt­samen Zwischen­fälle bei dem Fußball-Zweit­li­ga­spiel: "Wir mussten bei einem Fußball­spiel wieder Dinge sehen, die wir wirklich nicht sehen wollen", sagte Strobl. "Das können wir nicht einfach ignorieren. Das zeigt, wie notwendig es ist, dass wir uns intensiv mit dem Thema beschäf­tigen." Der DFB hat bereits ein Verfahren einge­leitet, auch die Polizei nahm nach unseren Infor­ma­tionen mehrere Verdäch­tige fest.

DFB leitet Verfahren ein

"Wir werden die Vorkomm­nisse von Karls­ruhe in den kommenden Tagen intensiv aufar­beiten und gemeinsam mit allen betei­ligten Sicher­heits­trä­gern analy­sieren, was konkret geschehen ist, welche Verstöße begangen worden sind und wie es zu den Vorfällen kommen konnte. Daraus werden wir entspre­chende Konse­quenzen und Maßnahmen für die Zukunft ableiten, die nachhal­tige Wirksam­keit entfalten, aber gleich­zeitig nicht zu einer weiteren Eskala­tion beitragen sollen", erklärte Dynamos kaufmän­ni­scher Geschäfts­führer Michael Born am Montag und ergänzt: "Der Deutsche Fußball-Bund hat uns am Montag darüber infor­miert, dass er nach den Vorkomm­nissen auch gegen unseren Verein ein Ermitt­lungs­ver­fahren einge­leitet hat. Eine entspre­chende Stellung­nahme bereiten wir momentan vor. Die Ermitt­lung von Tätern und wirksame Präven­tion werden auch künftig im Zentrum unserer Bemühungen stehen. Die Vorkomm­nisse in Karls­ruhe waren auf unserem Weg zweifels­ohne ein Rückschlag." Der Straf­an­trag sollte dann Ende des Monats kommen.

Böller­würfe bei Fanmarsch

Vor der Begeg­nung war es zu Ausschrei­tungen der Dynamo-Fans beim Betreten des Stadions gekommen, auch Pyrotechnik wurde gezündet. Polizisten wurden während des Marsches mehrfach mit Pyrotechnik beworfen (siehe Video unten).

Zudem soll laut Karlsruher Polizei ein Teil der rund 2000 Schlachtenbummler in Camouflage-Shirts mit der Aufschrift "Football Army Dynamo Dresden" sowie der dazugehörigen Gesichtstarnung und Mütze den Eingangsbereich überrannt und Imbissstände im Gästebereich geplündert haben. Dresdner Fans hätten laut Polizei die Imbissstände "regelrecht geplündert und sind dabei das Personal massiv angegangen." Laut Polizei wurden 21 Ordner und 15 Polizisten verletzt.

Dynamos Sport­ge­schäfts­führer Ralf Minge erklärte daraufhin: "Jede verletzte Person beim Fußball ist eine zu viel. Die verletzten Polizei­be­amten, Ordner, Mitar­beiter und Fans bitten wir im Namen des Vereins um Entschul­di­gung. Allen Betrof­fenen wünschen wir gute Besse­rung. Wir distan­zieren uns als Verein klar von jeder Form von Gewalt und verur­teilen auch Spruch­bänder, die dazu aufrufen."

Polizei setzt Pfeffer­spray und Schlag­stöcke ein

Die Polizei schil­derte so den Sturm des Stadions: "Nachdem die Polizei die Besucher bis hin zum abgesperrten Stadi­on­be­reich des Gäste­ein­gangs begleitet hatte, überrannten die Dynamo-Fans in einer gezielten Aktion die dort einge­setzten Ordner, so dass eine Vielzahl von Personen gewaltsam und unkon­trol­liert in das Stadion gelangen konnte. Hierbei verletzten sie 21 Ordner. Nur durch das beherzte Eingreifen der Polizei­kräfte konnte der Zustrom wieder in kontrol­lierte Bahnen gelenkt werden. In diesem Zusam­men­hang war auch der Einsatz von Schlag­stock und Pfeffer­spray erfor­der­lich."

Festnahmen und Auswer­tung von Video­ma­te­rial

Wie der Karls­ruher Polizei­spre­cher Martin Plathe bei uns im Inter­view sagte, habe es am Sonntag einzelne Festnahmen gegeben. Eine genauere Zahl könne er nicht nennen. Zudem werde umfang­rei­ches Video­ma­te­rial ausge­wertet. Man setze darauf, in Zusam­men­ar­beit mit dem Verein und den Behörden in Sachsen Straf­täter zu identi­fi­zieren. Aller­dings stehe man vor einer schwie­rigen Aufgabe, da "aus dem Mob oder der Menschen­menge heraus Pyrotechnik gezündet und geworfen wurde", so Plathe.

Fanmarsch war abgestimmt

Es sei aber wichtig gewesen, dass der Fanmarsch durch­ge­führt wird und Fans nicht unkon­trol­liert durchs Stadt­ge­biet streifen, so Plathe. Dabei habe man mit der Dresdner Polizei und dem Verein vorab gute Abspra­chen getroffen. Die Begleit­erschei­nungen seien zu verur­teilen, sagte Plathe. Die Möglich­keiten, auf die Fanszene einzu­wirken, sind klein. Die Sicher­heits­be­hörden haben alle Hände voll zu tun, hier einen Schritt weiter zu kommen. Abschlie­ßend wird Plathe dann aber nochmals deutlich: "Die Dresdner haben sich so gezeigt, wie sie bundes­weit gesehen werden: unschön, als Mob auftre­tend und Angst und Schre­cken verbrei­tend."

"Worte wie 'Krieg' haben auf dem Fußball­platz nichts verloren"

Während der Zweit­liga-Partie am Sonntag ließen Dynamo-Anhänger auch unter dem Applaus der Karls­ruher Haupt­tri­büne plakativ einen Panzer rollen, erklärten dem DFB symbo­lisch den Krieg. Während des Spiels wurde ebenfalls Pyrotechnik gezündet, die SGD muss sich deshalb wieder auf Strafen einstellen. Nach dem Spielende gingen einige Spieler im Stech­schritt in Richtung Fankurve (siehe Video unten). Der Kaufmän­ni­sche Geschäfts­führer der SGD, Michael Born, sagte im Anschluss an die Partie: "Das werden wir in Ruhe analy­sieren und Konse­quenzen daraus ziehen. "Worte wie 'Krieg' haben auf dem Fußball­platz nichts verloren."

Bundes­in­nen­mi­nister De Maiziere fordert harte Konse­quenzen

Bundes­in­nen­mi­nister Thomas de Maizière hat die Vorfälle in Karls­ruhe verur­teilt und harte Konse­quenzen gefor­dert: Die martia­li­schen Szenen vor dem Spiel Karls­ruhe gegen Dresden seien völlig inakzep­tabel, so de Maiziere. "Begriffe wie "Krieg" haben mit sport­li­chem Wettbe­werb nichts zu tun", sagte de Maizière der "Heilbronner Stimme". "Wer Ordner und Polizisten attackiert, ist in Wahrheit kein Fußballfan und gehört nicht ins Stadion, sondern hinter Schloss und Riegel." Die SGD entschul­digte sich und kündigte eine Aufar­bei­tung an. Der DFB-Kontroll­aus­schuss hat ein Verfahren gegen Dynamo einge­leitet

Dresdner Grüne wollen Vereins­füh­rung im Sport­aus­schuss anhören

Torsten Schulze von den Dresdner Grünen möchte zur nächsten Sitzung des Sport­aus­schusses mit den einge­la­denen Vertre­tern des Vereins und der Geschäfts­füh­rung über Konse­quenzen sprechen.  "Dynamo Dresden als Tradi­ti­ons­verein und Zweit­li­gist trägt nicht unwesent­lich zum Außen­bild und dem sport­li­chen Profil der Stadt bei. Dieses Außen­bild wird immer wieder durch Negativ­be­richte von aggres­sivem Fanver­halten beein­träch­tigt. Ein solches Verhalten eines Teils der Fange­mein­schaft kann nicht tatenlos hinge­nommen werden." 

Der sportliche Erfolg der SGD (4:3) in Karlsruhe trat angesichts der Vorfälle und der schweren Verletzung von Stefan Kutschke in den Hintergrund. (mit dpa)

Audio:

Karls­ruher Polizei­spre­cher Martin Plathe hören.

Polizei_Karlsruhe_2.mp3

Gewalt, Kriegs­rhe­torik & Panzer auf Zaunfahnen? Die SGD ist stark und ruhmreich. Aber ganz gewiss nicht so. #ForzaDynamo #sgd1953

— SG Dynamo Dresden (@DynamoDresden) 14. Mai 2017

Deutsche Fußballf­an­kultur 2017- es könnte Satire sein, isses aber nich #dynamodresden #karlsruhe #dfb https://t.co/9BjDd584ox

— André Pilz (@Andre_Pilz) 14. Mai 2017

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— FTL ON TOUR est. 97 (@FreitalonTour) 14. Mai 2017

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Ein von @lippoldlutz geteilter Beitrag am 14. Mai 2017 um 13:53 Uhr