Dürre, Käfer, Stürme: Kletterwäldern brechen die Bäume weg

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Morsch und ausgetrocknet waren die Fichten zum Schluss. Der fehlende Regen hatte die Bäume im Kletterwald Pöhl im Vogtland schwach gemacht. Schließlich konnten sie die Last der Stahlseile, Netze und Plattformen nicht mehr tragen, die an ihnen befestigt wurden. Drei von ihnen brachen bei laufendem Betrieb einfach ab. «Zum Glück ist nichts passiert. Wir haben jetzt geschlossen und bauen um. Der Kletterwald in seiner bisherigen Form wird verschwinden», erklärt Inhaber Jörg Böhm.Die Probleme hätten sich schon länger abgezeichnet. «Zuerst kam der Borkenkäfer. Wir mussten die Baumkronen wegnehmen, konnten aber mit den Stümpfen die Anlage weiterbetreiben.» Doch die Trockenheit der vergangenen Zeit war zu stark. Neun Parcours mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden stehen nun in der Sommer-Hauptsaison nicht mehr zur Verfügung. «Wir hoffen, dass wir in den Herbstferien wieder öffnen können. Dann mit geändertem Angebot.» Rund 16 000 Gäste zählt die Einrichtung jährlich, die 2004 eröffnet wurde.

Das Angebot der Kletterwälder aufrechtzuerhalten, werde immer herausfordernder, erläutert Alexander Persigehl. Er betreibt den Kletterwald Kriebstein (Landkreis Mittelsachsen). «Bäume sind unser Kapital und die trockenen, heißen Sommer sind schlecht für den Wald. Die Branche hat überall dieselben Probleme und grübelt über Alternativen.» Die gestressten Bäume könnten dem Borkenkäfer oft nichts mehr entgegensetzen. «Vor zwei Jahren hatten wir einen starken Befall und mussten komplett umbauen», erzählt Persigehl.

Aktuell habe das 1,5 Hektar große Areal an der Talsperre Kriebstein mit sechs Parcours und über 100 Kletterelementen geöffnet. «Wir beobachten ständig. Sterben Bäume ab, nehmen wir sie aus dem Parcours.» Denn das Besucherinteresse ist da. In den Corona-Jahren habe die Einrichtung eher zu den Gewinnern gehört. «Viele Auslandsreisen fielen weg.» Auch bei der wirtschaftlich angespannten Lage könnten sich zukünftig viele für einen Urlaub in Deutschland entscheiden und dann heimische Freizeitparks besuchen, vermutet Persigehl. Bis zu 18 000 Gäste zählt der Park pro Jahr.

Neben der Trockenheit und dem Borkenkäfer zählen auch Stürme zu den Problemen für Kletterparks, erklärt Thomas Risz als Leiter des Kletterwaldes Dresdner Heide. «Außerdem müssen wir die Waldbrandstufe im Blick behalten.» Bei Stufe 5 als der höchsten Gefährdung dürfen Wälder nicht mehr betreten werden. «Wir liegen direkt im Wald, das würde auch uns betreffen. Im Moment können wir noch öffnen. Auf unserer Internetseite informieren wir aktuell.» In den vergangenen Wochen wurden aber bereits Schließtage notwendig.

«Wir mussten einzelne Fichtenstämme entfernen, die wir schon vor zwei Jahren wegen Borkenkäfer-Befall gekürzt haben», erzählt Risz. Von acht Parcours Anfang des Jahres sind noch sechs geblieben. Durch Bewässerung versuche der Park, die verbleibenden Bäume zu schützen. «Die Zukunft der Kletterwälder könnte womöglich eine Kombination sein, zwischen künstlichen Masten und Bäumen, die noch intakt sind», schätzt Risz. Wichtig sei dabei vielen Besuchern, dass der natürliche Wald-Charakter erhalten bleibe.

Ohnehin sei der Klettersport in Sachsen durch die Witterung momentan stark eingeschränkt, sagte Lutz Zybell vom Landesverband des Deutschen Alpenvereins. «Kletterwälder trainieren eher die Geschicklichkeit und gelten als Freizeitspaß. Professionellere Kletterer nutzen Felsen oder Hallen», erklärte er den Unterschied. Die aktuell hohen Temperaturen, Brände und teils gesperrte Wälder und Felsen bereiten dem Sport Probleme. «Und manche Kletterfelsen sind schlecht erreichbar, weil abgestorbene Fichtenwälder und Totholz den Weg versperren.»

Davon unabhängig sei Klettern eine Trendsportart. Auch der Deutsche Alpenverein als entsprechender Bergsportverband verzeichnet Zybell zufolge gestiegene Mitgliederzahlen in dem Bereich. 30 000 Mitglieder zählt der Verband in Sachsen - deutschlandweit seien es 1,4 Millionen. (dpa)