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Dresdner Wasserspringer Martin Wolfram feiert EM-Gold

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Martin Wolfram vergoss in den Armen seiner Freundin und bei der Sieger­hymne Tränen des Glücks und selbst der Chefbun­des­trainer musste vor Rührung schlu­cken. Als Europa­meister vom Turm feierte der 23-jährige Dresdner bei der Wasser­sprung-EM in Rostock ein traum­haftes Comeback nach langer Leidens­zeit. „Nach drei Jahren so wieder einzu­steigen, dazu Bestpunkt­zahl und Olympia-Quoten­platz: Was will man mehr? Davon habe ich immer geträumt“, sagte Wolfram. Bereits zuvor hatten die Silber­me­daille vom Drei-Meter-Brett durch Tina Punzel und Nora Subsch­inski für strah­lende deutsche Gesichter bei den Europa­meis­ter­schaften in Rostock gesorgt.Mit persön­li­cher Bestleis­tung von 575,30 Punkten lag Wolfram klar vor Titel­ver­tei­diger und Topfa­vorit Victor Minibajew aus Russland (541,70). Für seinen letzten Sprung, einem vierein­halb­fa­chen Salto, gaben die Kampf­richter gleich sechsmal die Traum­note zehn. Noch im Auftau­chen ballte Wolfram die Faust. „Ich wollte es einfach nur rausschreien, die ganzen Emotionen“, sagte Wolfram. „Da kann man schon das ein oder andere Glücksträn­chen vergießen.“Während des Olympia-Finales 2012 hatte er sich gleich zweimal die Schulter ausge­ku­gelt und den Wettkampf trotzdem auf Platz acht beendet. „Wir haben ihn in London rausge­fischt und dann das...“, sagte nun ein emotio­naler Chefbun­des­trainer Lutz Buschkow mit wegbre­chender Stimme. Nach Olympia hatte Wolfram mehrere Opera­tionen über sich ergehen lassen müssen. Zwischen­durch war der Sport­soldat sogar zum Bretts­pringer umgeschult worden, da die Schul­tern lange die Belas­tung eines Sprungs von der Zehn-Meter-Platt­form nicht aushielten. 2013 hatte Wolfram überra­schend EM-Silber vom Ein-Meter-Brett geholt. In Abwesen­heit des WM-Dritten Sascha Klein holte er nun seinen ersten großen Titel. Klein tritt nach einer Rücken­blessur an diesem Sonntag gemeinsam mit Patrick Hausding im Synchron­springen vom Turm an. Das deutsche Duo ist nach sieben EM-Titeln in Serie Topfa­vorit. Buschkow freute sich „nach dem kleinen Tal, was wir hier hatten“, dass sein Team „Charakter gezeigt hat“. Vor dem Schlusstag haben die Springer trotz mancher Enttäu­schung vier Medaillen (1-1-2) gewonnen, seit der Wieder­ver­ei­ni­gung war sechsmal Edelme­tall 1991 der bishe­rige EM-Minus­re­kord. Im Synchron-Wettbe­werb überzeugten Tina Punzel und Nora Subsch­inski mit 302,70 Punkten, nur 10,38 Zähler fehlten auf die Siege­rinnen Tania Cagnotto/Francesca Dallape'. Die Italie­ne­rinnen holten ihren siebten EM-Titel in Serie. Im Vorjahr waren Punzel/Subsch­inski bei der EM in Berlin ebenfalls Zweite in dieser Diszi­plin geworden. Nun überholten sie von Platz vier erst die Ukrai­ne­rinnen und ließen nach dem letzten von fünf Sprüngen auch Russlands Duo hinter sich. „Wir haben auf eine Medaille gehofft, dass es Silber wurde, ist super“, sagte Subsch­inski. Die frühere Turm-Spezia­listin hatte sich nach einer schweren Halswir­bel­ver­let­zung aufs Brett konzen­triert.(dpa)