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Dresdner Tatort - „Keine Verarsche der Schlagermusik“

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Dresden wird am Sonntag­abend nach über 15 Jahren wieder zur Tatort-Stadt. Für ihren ersten Fall mit dem Titel "Auf einen Schlag" ermit­teln die  Kommis­sa­rinnen Karin Gorniak und Henni Sieland als erstes weibli­ches Ermitt­lerduo der Krimi­reihe. Für witzige Dialoge sorgt Drehbuch­autor und "Strom­berg"-Erfinder Ralf Husmann. Der erste Fall spielt in der Welt der Volks­musik, ein Schla­ger­star wird im Zwinger ermordet. Der neue Dresden-Tatort kommt Sonntag­abend um 20.15 Uhr in der ARD.Inter­view mit Drehbuch­autor Ralf HusmanFrage: Der erste Dresdner „Tatort“ spielt in der Welt der Volks­musik. Warum gerade in dieser Szene? Antwort: Die Schla­ger­welt und die Welt der Volks­musik bilden vielleicht den größt­mög­li­chen Kontrast zu Bruta­lität, Blut, Gewalt und Leichen. Deswegen hat mich das gereizt. Volks­musik ist ja eine Welt, die davon lebt, Harmonie und Heiter­keit auszu­strahlen. Ich fand es auch spannend - gerade weil es ein MDR-„Tatort“ ist - was der Sender dazu sagt. Schlie­ß­lich steht der Sender ja auch für Schunkel-Shows. Die waren aber erstaun­lich koope­rativ und haben uns machen lassen. Wir durften sogar die Goldene Henne nutzen.  Frage: Es geht um schwule Volks­mu­siker - ist das so ungewöhn­lich? Antwort: Für mich ist die Volks­musik und die Schla­ger­welt - neben dem Profi­fuß­ball - eine der wenigen Arenen, wo Schwul­sein immer noch ein Thema ist. Es gibt ja wenige offen schwule Volks­mu­siker. Ich glaube in der Tat, das wäre proble­ma­tisch für viele Fans. Das ist schon noch ein Verkaufs­ar­gu­ment, wenn man behauptet, dort gibt es ein Stück heile Welt und klassi­sche Gesell­schafts­struktur, die es in anderen Berei­chen nicht mehr gibt. Die es auch in der Volks­musik eigent­lich nicht mehr gibt. Das ist für mich der Haupt­kon­flikt. Frage: Sie haben die Liedtexte für die Schlager selbst geschrieben? Antwort: Mir war wichtig, dass wir keine Parodie und keine Verar­sche der Schla­ger­musik machen, sondern dass wir versu­chen, so nah wie möglich an Volks­musik heran­zu­kommen. Im Ideal­fall haben wir etwas kreiert, was auch wirklich funktio­nieren in der Volks­musik würde. Das Sachsen­lied hat, denke ich, Ohrwurm-Poten­zial.  Frage: Wo sehen Sie Ihren Film in der großen „Tatort“-Familie? Antwort: Wir haben versucht, einen humor­vol­leren „Tatort“ zu machen, ohne dass wir nun die Kollegen aus Münster rechts überholen wollen. Mir war wichtig, dass man die Gewalt und das Brutale, was der Film ja auch hat, durchaus ernst nehmen kann. Und dass auf der anderen Seite dennoch ironi­sche und lustige Elemente drin sind - vielleicht ein bisschen anders als im klassi­schen Tatort. Das war eben der Versuch, eine eigene Farbe zu finden in dieser großen „Tatort“-Familie.  Frage: Ihr „Tatort“ hat das erste weibliche Ermitt­ler­team. Was ist das Beson­dere daran? Antwort: Ein rein weibli­ches Ermitt­ler­team, das fand ich spannend. Es ist nicht das Ziel, dass sie sich unter­ein­ander anzicken oder in eine Stuten­bis­sig­keit verfallen. Es sind normale, durch­schnitt­liche Frauen, die normale, durch­schnitt­liche Probleme haben. Mir war es wichtig, dass sie überhaupt ein Privat­leben haben. Das ist für viele Ermitt­ler­fi­guren ja eher ungewöhn­lich. Die wollen auch mal nach Hause, die wollen auch mal Feier­abend haben. Ich wollte ein bisschen Norma­lität in die Ermitt­ler­fi­guren bekommen - ohne dass es gleich langweilig wirkt.  Frage: Sie haben sich als Autor von „Strom­berg“ einen Namen gemacht. Ist der „Tatort“ Ihr erster Ausflug ins Genre der Krimis? Antwort: Ich hab vor ein paar Jahren eine Serie gemacht, die „Dr. Psycho“ hieß. Das war der Versuch, Krimi mit Komödie zu kombi­nieren, ein paar Jahre vor „Mord mit Aussicht“ und ähnli­chen Formaten. Insofern war der „Tatort“ für mich keine Premiere. Der „Tatort“ mit 90 Minuten hat aber schon noch mal eigene Anfor­de­rungen. Man muss den Fall ernst nehmen, damit sich am Ende, bei allem Humor, trotzdem Spannung ergibt. Das war, im Vergleich zu meinen bishe­rigen Projekten, wahrschein­lich die größte Verän­de­rung. Aber man wächst ja mit seinen Heraus­for­de­rungen.