Dresden reicht Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt 2025 ein
Dresden hat am Dienstag offiziell in Berlin seine Bewerbung um den Titel als europäische Kulturhauptstadt 2025 eingereicht und vorgestellt. Auch sieben weitere Städte wie Chemnitz, Gera, Zittau oder Nürnberg haben Bewerbungen eingereicht. Deutschland und Slowenien können 2025 die beiden Kulturhauptstädte stellen. Eine von der Europäischen Union ernannte Jury trifft im Dezember eine Vorauswahl, im Herbst 2020 sollen dann die Namen feststehen. Für die Dresdner Bewerbung ist ein Budget von 70 Millionen Euro eingeplant.
Acht Bewerbungen
Um den Titel bewerben sich Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Nürnberg und Zittau. Damit kommen fünf von acht Städten aus einem ostdeutschen Bundesland. „Ich bin froh, dass wir aus vielen Landstrichen Deutschlands Städte dabei haben“, sagte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD), derzeit Vorsitzender der Kulturministerkonferenz. Auch die ostdeutschen Bewerber seien sehr unterschiedlich.
Die letzte europäische Kulturhauptstadt aus Deutschland war Essen mit dem Ruhrgebiet (2010). Ausgezeichnet wurden auch schon Weimar (1999) und West-Berlin (1988). Für dieses Jahr wurden das italienische Matera und das bulgarische Plowdiw ausgewählt.
Mehrere Bewerberstädte werfen die Frage auf, wie Gesellschaften zueinander finden können. Dresden beispielsweise beschäftigt sich mit
der Frage nach einer „neuen Heimat“. Dass Dresden um die eigene Geschichte ringe und das friedliche Zusammenleben „so zerbrechlich“
erscheine, stehe für Entwicklungen, die in ganz Europa zu beobachten seien, sagte die Unternehmerin und Bäckerin Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller. Sie sitzt im Kuratorium der Dresdner Kulturhauptstadtbewerbung.
Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sagte, gesellschaftliche Konflikte, bewusste Provokationen, Grenzüberschreitungen und offene Gewalt seien ein Thema in vielen Städten Europas. Dazu zeigte sie Bilder von Ausschreitungen in ihrer Stadt und von Protesten der Gelbwesten in Paris. Aus dem Osten bewerben sich auch Magdeburg, Gera und Zittau mit der tschechisch-polnisch-deutschen Dreiländerregion.
Hannover ließ seine Bewerbung von der Britin Hannah Gibson vorstellen, die ihre Sorge vor dem Brexit ausdrückte. Nürnberg fragte nach dem eigenen Bild: Denke man bei Nürnberg an Lebkuchen und Dürer? Oder an den Reichsparteitag der Nationalsozialisten? „Vielleicht fällt Ihnen zu Nürnberg aber auch gar nichts ein“, sagte der Leiter des Bewerbungsbüros, Hans-Joachim Wagner. Nürnberg will eine „neue Idee“ der Stadt entwickeln.
Auch das niedersächsische Hildesheim bewirbt sich. „Sie wissen es - und wir wissen es auch: Wir sind Provinz“, sagte der Leiter des dortigen Bewerbungsbüros, Thomas Harling. Das sei aber auch gut so. Sie wollten nach Lösungen suchen in Stadt-Land-Beziehungen. Er brachte eine Zuckerrübe mit - zum Motto „Beets, Roses and the Meaning of Life“.
Hamburgs Kultursenator Brosda wertete die Bewerbungen als Beleg für regionale Vielfalt. „Wir haben eine Tendenz manchmal in Deutschland
dazu, kulturelle Fragen sehr auf die Hauptstadt zu fixieren“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Aber die Vielfalt des Landes zeigt
sich gerade in den Regionen.“ Kultur sei überall im Land eine relevante Dimension, „und nicht nur in den großen Metropolen, wo
vermeintlich die Fragen der Welt diskutiert werden“.(red mit dpa)