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Dresden kauft Vonovia 1.200 Wohnungen ab

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Dresden kauft dem Immobilienunternehmen Vonovia 1.213 Wohnungen ab. Neue Eigentümerin soll die städtische Wohnungsgesellschaft WiD werden, teilte Oberbürgermeister Dirk Hilbert am Freitag mit. Voraussetzung für den Vollzug des Kaufvertrages sei die Zustimmung des Dresdner Stadtrates.

Für die Mieterinnen und Mieter würden sich keine Veränderungen ergeben, weder bei Mieten noch bei Kündigungsfristen, hieß es. Vonovia bleibe „wesentlicher Teil der Dresdner Stadtgesellschaft“. Von dem Verkauf sind Wohnungen in den Stadtteilen Prohlis und Neustadt betroffen.

Zudem veräußert Vonovia unbebaute Grundstücke mit einer Fläche von etwa zwölf Hektar an die Landeshauptstadt. Dort sollen in Zukunft bis zu 1.800 weitere Wohnungen entstehen können. „Der Preis für dieses Gesamtpaket beträgt insgesamt 87,8 Millionen Euro“, gab die Stadt bekannt.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) sprach von einem „guten Tag für Dresden“: „Mit dem Ergebnis werden wir den kommunalen Wohnungsbestand einerseits mehr als verdoppeln, und gleichzeitig sichern wir unserer Stadt signifikante Flächenpotenziale für zukünftige Wohnflächenentwicklung.“

Stadträte reagieren mit Kritik auf Ankündigung des OB

Der angekündigte Rückkauf der Vonovia-Wohnungen sorgt bei den Stadträten für heftige Kritik. Die SPD spricht von einer Luftnummer, denn eigentlich sollten mindestens 3.000 Wohnungen angekauft werden. Hilbert sei als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet, wettert SPD-Stadtrat Albrecht Pallas. „Als SPD fordern wir sogar, dass alle der 6000 angebotenen Wohnungen von der Stadt gekauft werden sollen“, sagt Pallas. Auch die Kaufsumme von knapp 88 Millionen Euro stößt auf Unverständnis. Denn der Preis für die Wohnungen war ursprünglich viel niedriger angesetzt.

„Der genannte Kaufpreis von 88 Mio. Euro für 1200 Wohnungen bedeutet faktisch eine Verdopplung des Preises zu dem die Wohnungen 2006 verkauft wurden. Das wirft Fragen auf, die wir dem Oberbürgermeister stellen werden“, erklärte Jens Genschmar von den Freien Wählern.

„Wir sind verärgert darüber, dass der Oberbürgermeister den Eindruck erweckt, dass die Zustimmung des Stadtrates zum Kauf von 1200 Wohnungen für 88 Mio. Euro eine reine Formsache sei. Wir werden die angekündigte Vorlage genau prüfen und sachgerecht entscheiden. Uns sind die Interessen der Mieter wichtiger, als das Interesse eines Konzerns am Aktienkurs“, so Genschmar.

Dresden hatte im März 2006 ihre beiden Wohnungsgesellschaften unter dem Dach der Dresden Woba GmbH für rund 1,7 Milliarden Euro an den US-amerikanischen Finanzinvestor Fortress verkauft. Mit dem damals kassierten Geld befreite sich Dresden als erste deutsche Großstadt von allen Schulden. Die Entscheidung war allerdings umstritten - da die Kommune zwar auf einen Schlag alle Schulden los war, aber kein „Tafelsilber“ mehr hatte.

2015 kündigte Dresden an, eine neue Wohnungsbaugesellschaft gründen zu wollen. 2017 beschloss der Stadtrat die Gründung der WiD. (mit dpa)