- Rund 10.000 Menschen schließen sich zur Menschenkette in Dresden.
13. Februar in Dresden: Gedenken und Demos
Mit zahlreichen Veranstaltungen hat Dresden am 13. Februar der Zerstörung der Stadt im 2. Weltkrieg gedacht. Gleichzeitig wurde an die Ursachen der Bombardierung erinnert, die sich in diesem Jahr zum 78. Mal jährt. So gab es Kranzniederlegungen, Gedenkkonzerte und ein stilles Gedenken vor der Frauenkirche. Diese liefen laut einem Polizeisprecher störungsfrei.
Am Abend protestierten zahlreiche Demonstranten gegen Nazis und blockierten die Route eines „Gedenkspaziergangs“, den die Polizei schließlich an der Versammlung vorbeiführte - unter vielen „Haut-ab-Rufen“. Durch die Blockade konnte die rechte Szene nicht wie ursprünglich geplant durch die Dresdner Innenstadt laufen.
Unter dem Motto: „Frieden! Gemeinsam gestalten.“ bildete sich die Menschenkette als Symbol des Erinnerns und Versöhnens. Sie umschloss nach zwei Jahren Pandemie mit mehreren tausend Menschen wieder die gesamte Dresdner Innenstadt. Die Menschenkette hatte diesmal auch den Ukraine-Krieg im Blick. Sie führte vom Altmarkt über den Theaterplatz und die Augustusbrücke auf die Neustädter Elbseite und von da über die Carolabrücke und den Neumarkt zurück zum Kulturpalast. Neben Oberbürgermeister Dirk Hilbert reihten sich weitere Vertreter aus der Politik mit ein.
Die Staatskapelle Dresden und die Dresdner Philharmonie gaben am Abend Gedenkkonzerte. Danach läuteten zum Zeitpunkt des ersten Angriffs kurz vor 22 Uhr die Glocken aller Innenstadtkirchen.
Alle Ereignisse nachfolgend in unserem Ticker:
Update, 23 Uhr: Demonstrationen beendet
In der Dresdner Innenstadt kehrt wieder Ruhe ein. Aufgrund des großen Gegenprotestes konnten die Montagsdemonstranten nicht ihre gewünschte Route direkt durch die Innenstadt nehmen und mussten ausweichen.
Die Polizei war mit rund 1.200 Beamten im Einsatz. Insgesamt wurden fünf Ermittlungsverfahren eingeleitet – u.a wegen gefährlicher Körperverletzung, Verstößen gegen das Versammlungsgesetz sowie Sachbeschädigung, heißt es in einer Bilanz.
Polizeipräsident Lutz Rodig: "Ein langer Einsatztag liegt hinter der Polizei. Beginnend mit den Gedenkveranstaltungen am Morgen über die Menschenkette bis hin zum Versammlungsgeschehen am Abend reichte das Aufgabenportfolio der Einsatzkräfte. Mit Blick auf das Versammlungsgeschehen ist es ihnen gelungen, die unterschiedlichen Lager getrennt zu halten und die Versammlungsfreiheit mit einem Protest in Hör- und Sichtweite zu gewährleisten. Gleichzeitig garantierten die Polizeibeamten das stille Gedenken auf dem Neumarkt."
Update, 22 Uhr: Rangeleien mit der Polizei
Die Lage ist laut Reporterangaben unübersichtlich. Es kommt zu Rangeleien zwischen Polizei und linkem Gegenprotest. Auch Böller sollen dabei fliegen.

Update, 20.40 Uhr: Sitzblockade bremst Aufzug aus
Eine große Sitzblockade von hunderten linken Gegendemonstranten am Pirnaischen Platz bremst einen Demoaufzug mit Teilnehmern aus dem rechten Spektrum aus.

Update, 20 Uhr: Großdemos starten
Die angekündigten Abend-Demonstrationen in Dresden starten. Unser Reporter vor Ort berichtet von Hunderten Teilnehmern aus der Neustadt am Pirnaischen Platz. Die Polizei ist zahlreich vertreten. Währenddessen spielt die Band "Banda Comunale" vor der Trümmerfrau, direkt vor dem Rathaus.




Update, 18 Uhr: Rede von Oberbürgermeister Dirk Hilbert
"Versöhnung bildet das Fundament eines Friedens, der über Generationen hinweg trägt", sagte Oberbürgermeister Dirk Hilbert vor der Frauenkirche. Dort formierte sich kurz darauf auch die traditionelle Menschenkette. "Was wir hier am 13. Februar tun können, ist klar zu benennen, wie Nationalismus, Imperialismus und Größenwahn enden: in Trümmern."
Dass Russland die Ukraine seit dem 24. Februar 2022 "völkerrechtswidrig und brutal angreift, betrifft uns und es macht uns tief betroffen", sagte Hilbert. Dresden sei ein Beispiel, wie Frieden und Freundschaft neu entstehen, "im Respekt vor der Würde jedes Menschen und im Eintreten für eine demokratische und pluralistische Gesellschaft". In der Stadt "Geborene und Zugezogene, Jung und Alt, Briten und Deutsche, Ukrainer und Russen" stünden zusammen im Gedenken an die Toten vom 13. Februar 1945 in Dresden, aber auch an die Opfer deutscher Bomben 1940 in Dresdens englischer Partnerschaft Coventry, an die Millionen Toten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sowie globaler Krisen.
Hilbert erinnerte daran, dass Dresden wieder Partner gefunden habe, "weil die von deutschem Boden aus Angegriffenen offen für Versöhnung waren". Feinde müssten zu Freunden werden, "wenn man in Frieden leben möchte". Diese Erfahrung wolle man weitergeben und eine neue Partnerschaft mit der ukrainischen Stadt Chmelnyzkyj begründen, "als ein Zeichen unserer Solidarität und vollen Unterstützung".
Die Rektorin der Technischen Universität Dresden, Ursula M. Staudinger, rief dazu auf, die Stimme zu erheben, "wenn die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert werden". Es gelte, gemeinsam für Frieden und Solidarität einzustehen, "wenn Täter- und Opferrollen verdreht werden, bis hin zur Legitimierung völkerrechtswidriger Kriege".
Hand in Hand: Bilder der Menschenkette in der Galerie


Update, 16.30 Uhr: Fan-Auflauf rund um Uwe Steimle
Vor dem Kulturpalast sammeln sich hunderte Anhänger des Dresdner Schauspielers und umstrittenen Kabarettisten Uwe Steimle. Unser Reporter ist mit vor Ort. Demzufolge bitten die Fans um Autogramme und Fotos. Es ertönten „Uwe, Uwe“ Sprechchöre, zusammen wurden Lieder wie "Kleine weiße Friedenstaube" angestimmt. Unter den Demonstranten waren auch bekannte Rechtsextreme, auf einem Transparent wurde Habeck mit Goebbels gleichgesetzt.



Kranzniederlegungen zum Gedenken
Am Vormittag legte Hilbert gemeinsam mit Abordnungen von Dresdens Partnerstädten Coventry und Ostrava an einem Denkmal auf dem Heidefriedhof weiße Rosen nieder. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gedachte still auf dem Nordfriedhof, dort sind ebenfalls Opfer der Luftangriffe bestattet. Landtagspräsident Matthias Rößler verlas im Beisein von etwa 100 Menschen das Totengedenken
Dresden war am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach von britischen und amerikanischen Bombern schwer zerstört worden. Bis zu 25.000 Menschen starben im Bombenhagel und einem daraus folgenden Feuersturm. Eine Fläche von zwölf Quadratkilometern wurde vollständig zerstört.
Informationen zu den Veranstaltungen gibt es unter: www.13februar.dresden.de
Die Rolle der Trümmerfrauen beim Wiederaufbau
Die Trümmerfrau ist auch in Dresden ein Symbol für den Wiederaufbau nach dem Krieg. Seit 1968 steht die große Bronzefigur vor dem Rathaus und erinnert an die vielen Mädchen und Frauen, die stundenlang mit ihren bloßen Händen die Ziegel aus schweren großen Trümmerhaufen herausgebuddelt haben, um die Steine dann mit einem Schaber vom restlichen Mörtel zu befreien und damit wiederverwendbar zu machen.
Die Skulptur zeigt eine überlebensgroße Frau mit Ziegelputzhammer und Kopftuch. In Kittelschürze und groben Schuhwerk steht sie auf einem aus Trümmerziegeln gemauerten Sockel an der östlichen Seite des Neuen Rathauses. Nach über 50 Jahren wurde das Denkmal der Trümmerfrau nun erstmals restauriert und für die nächsten 50 Jahre fit gemacht. Denn nach wie vor hat es eine wichtige Bedeutung als Symbol, das allen Menschen für ihre ehrenhafte Aufbauleistung nach dem Zweiten Weltkrieg Respekt zollen möchte.
Die Trümmerfrau wurde 1952 ursprünglich als Eisenguss von dem Dresdner Bildhauer Walter Reinhold geschaffen. 1967 wurde sie dann in Bronze gegossen und wiegt ca. 1,2 Tonnen.
