- Zahlreiche Vertreter der rechten Szene ziehen durch Dresden.
- Die Polizei im Einsatz.
- Die Polizisten schirmen den Gegenprotest vom rechten Aufmarsch ab.
- Der rechte Demonstrationszug am Hauptbahnhof.
Lautstarker Protest gegen Neonazi-Aufmarsch in Dresden
Trillerpfeifen, Sprechchöre und Musik: Lautstark und energisch haben Hunderte Menschen vor dem Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg gegen einen Aufzug von Rechtsextremisten zum Gedenken protestiert. Sie säumten den sogenannten „Trauermarsch“ entlang der Route durch die Innenstadt, so dass Neonazis und andere Vertreter der rechten Szene mit ihren Bannern und Plakaten wie durch ein Spalier laufen mussten.
Die Polizei war mit einem Großaufgebot von rund 1.900 Beamten im Einsatz. Unterstützung kam aus anderen Bundesländern und der Bundespolizei. Auch ein Hubschrauber überflog das Stadtgebiet. Es kam zu massiven Verkehrsbehinderungen, Busse und Bahnen wurden umgeleitet.
Der Aufzug des rechten Spektrums startete gegen 14.30 Uhr am Hauptbahnhof. Von dort liefen die Teilnehmer über Reitbahnstraße, Marienstraße und Schweriner Straße bis zur Könneritzstraße beim Bahnhof Mitte. Gegen 19 Uhr endete dort die Versammlung. Die Polizei musste den Aufzug mehrfach stoppen. Gegen vier Teilnehmer aus der rechten Szene im Alter von 30 bis 49 Jahren wurden Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet, so die Polizei. Zwei weitere Teilnehmer (21, 51) müssen sich wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz verantworten.
In dem rechten Aufzug entdeckten Beamte zudem einen Mann aus Bayern, gegen den der Staatsschutz wegen Volksverhetzung ermittelt. Der 68-Jährige soll nach Polizeiangaben am Freitag in einem sozialen Netzwerk ein Video gepostet haben, in dem er den Holocaust geleugnet hatte. Er wurde in Gewahrsam genommen.
Reporter berichtet von teils aggressiver Stimmung
Entlang der Wegstrecke des Aufzuges gab es nicht nur lauten Gegenprotest sondern auch Sitzblockaden. Diese wurden von den Einsatzkräften aufgelöst. Gegen einen 18-Jährigen wird aufgrund von Landfriedensbruch ermittelt. Er hatte mit weiteren Gegendemonstranten versucht, im Bereich des Dippoldiswalder Platz die Polizeiabsperrung zu durchbrechen.
Während der Versammlungen soll teils eine aggressive Stimmung geherrscht haben, berichtete unser Reporter vor Ort. In der Abschlussbilanz der Polizei war von einem Steinwurf auf einen Beamten die Rede. Der Polizist blieb unverletzt, der 18-jährige Tatverdächtige wurde gestellt. Er sowie weitere acht Personen aus dem Gegenprotest im Alter von 15 bis 30 Jahren müssen sich nun wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, eine 23-Jährige wegen Beleidigung sowie ein 15-Jähriger wegen Widerstandes verantworten.


Herausfordernder und dynamischer Einsatztag für die Polizei
Polizeisprecher Marko Laske sprach von einem "herausfordernden und dynamischen Einsatztag". Ein Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Lager konnte verhindert werden.
Ein dpa-Reporter schätzte die Teilnehmerzahl des jährlichen "Trauermarschs" zum 13. Februar auf bis zu 1000, bei vielfachem Gegenprotest. Eine genaue Bilanz steht noch aus.
Vorab hatte der Dresdner Polizeipräsident Lutz Rodig von einer Teilnehmerzahl von bis zu 750 Menschen am rechten Aufmarsch gesprochen, aus gesamt Deutschland sowie dem Ausland. Darunter seien auch Vertreter rechtsextremer Parteien wie NPD, JN oder Dritter Weg. Beim Gegenprotest sprach Rodig von einer erwarteten Zahl von deutlich über 1.000 Teilnehmern, auch aus der linksextremen Szene in Leipzig und Chemnitz.
Am 13. Februar kommt es zu weiteren Versammlungen sowie auch Gedenkveranstaltungen der Stadt rund zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens. (mit dpa)
Polizeisprecher Marko Laske zur Bilanz der Versammlungen
Weitere Bilder der Demonstrationen in der Galerie












Bündnis enttäuscht von Resonanz und Kritik an Polizeieinsatz
Die Organisatoren des Protests gegen den Aufmarsch Rechtsextremer zum 13. Februar am Samstag in Dresden zeigten sich enttäuscht von der Resonanz. Dem Aufruf, "alten und neuen Nazis in der Stadt den Raum für die Propaganda ihrer menschenverachtenden Ideologien" zu nehmen, sind etwa 800 großteils junge Menschen gefolgt, wie das Bündnis "Dresden Wiedersetzen" mitteilte.
"Aber wir hätten uns noch mehr Rückhalt aus der Stadtgesellschaft gewünscht." Man habe erwartet, dass sich mehr Menschen anschließen. Es sei bitter, dass sich viele "mehr daran störten, dass sie nicht mehr einkaufen können, als dass Neonazis durch unsere Stadt laufen". Das Bündnis kritisierte zugleich den "völlig überzogenen" Polizeieinsatz. Dieser und "eine hermetisch abgeriegelte Naziroute durch die Stadt" hätten es nahezu unmöglich gemacht, "dem braunen Spuk unterwegs Einhalt zu gebieten".
"Für die Nazis" seien ganze Straßenzüge geräumt gewesen, schon Stunden vorher entlang der abgeriegelten Aufzugstrecke Platzverweise verteilt, Hinterhöfe durchkämmt und in Gebäuden nach Menschen gesucht worden, "die eventuell nicht ins Haus gehören". Beamte hätten zudem Menschen an der Teilnahme an der Versammlung des Bündnisses gehindert und diese willkürlich gestört. (dpa)



