Das passiert nach den TBC-Fällen an Hoga-Schule in Leuben
An der Hoga-Schule in Dresden-Leuben läuft nach den vier bestätigten TBC-Fällen aktuell die Untersuchung von etwa der Hälfte der Schüler, zudem wurden am Montag alle Lehrer untersucht. Ergebnisse werden laut Gesundheitsamt erst Ende der Woche erwartet. Der Unterricht wurde am Mittwoch aufgenommen, die betroffenen Klassenzimmer müssen nun häufig gelüftet werden. Einige wenige Eltern hätten ihre Kinder krankgemeldet, teilte die Schulleitung auf unsere Anfrage mit. Sozialministerium und Gesundheitsamt wollten bei einer Pressekonferenz am Mittwochmittag aufklären und beruhigen - es bestehe für die Bevölkerung keine Gefahr. Nur wer acht Stunden oder länger mit einem Erkrankten zusammen ist, hat ein Infektionsrisiko. Tuberkulose ist ansteckend, kann aber mit Antibiotika über viele Monate behandelt und geheilt werden.10 Fragen und Antworten:1.) Wie viele Fälle gibt es?An der Schule gibt es vier bestätigte TBC-Fälle, drei Schüler und ein Lehrer sind betroffen. In mindestens zwei Fällen handelt es sich um die offene TBC. Die Krankheit ist ausgebrochen und die Patienten müssen in diesen Fällen stationär im Krankenhaus behandelt werden. Ob es weitere Fälle gibt, steht nach der Untersuchung von 500 Schülern und Lehrern bis Ende dieser und Anfang nächster Woche fest. 2.) Können weitere Fälle dazu kommen?Das ist nicht auszuschließen. Eine TBC wird häufig lange nicht erkannt. Zudem kann der Erreger jahrzehntelang im Körper schlummern, ohne dass es zum Ausbruch der Krankheit kommt. Schon jetzt ist klar, dass in einigen Wochen Nachuntersuchungen notwendig sind. Hintergrund: in der Regel dauert es sechs bis acht Wochen, bevor eine Infektion nachgewiesen werden kann. Deswegen sind nochmals Nachkontrollen an der Schule notwendig.3.) Wie laufen die Kontrollen ab?Bereits am Montag wurden auf Wunsch der Schulleitung alle Lehrer von Oberschule und Gymnasium im Gesundheitsamt kontrolliert. Deswegen musste die Schule auch aus organisatorischen Gründen geschlossen werden. Seit Dienstag werden ausgewählte Schüler von drei Teams des Gesundheitsamtes an der Schule untersucht. Die Untersuchungen werden sich weiter hinziehen. Es erfolgen Blutentnahmen. Gibt es einen Verdacht, ist später dann das Röntgen der Lunge notwendig. 4.) Warum werden nicht alle Schüler untersucht?Bereits im September wurden 100 Schüler und Lehrer untersucht, als es den ersten Fall gab. In einem solchen Fall werden nur direkte Kontaktpersonen ermittelt und untersucht. Nur wer länger als acht Stunden mit einem Betroffenen zusammen war oder ist, wird getestet. Nachdem dabei nun drei weitere bestätigte Fälle aufgetreten sind, hat das Gesundheitsamt nun den Kreis der zu untersuchenden Schüler und Lehrer deutlich erweitert. Aktuell werden 520 von 900 Schülern der Hoga-Schule getestet. Bereits am Montag wurden alle Lehrer getestet. Die anderen Schüler müssen laut Gesundheitsamt nicht getestet werden. Wenn sich Eltern unsicher sind, können sie sich aber natürlich jederzeit beim Dresdner Gesundheitsamt oder ihrem Hausarzt melden.5.) Besteht in Schulräumen oder anderswo Infektionsgefahr?Laut Gesundheitsamt gilt für geschlossene Räume: "Lüften, lüften, lüften". Desinfektionsmaßnahmen sind nur im Krankenhaus notwendig, nicht in der Schule. Die TBC-Bakterien befinden sich in der Atemluft bzw. Hustenpartikeln. Deswegen müssen die betroffenen geschlossenen Räume gut gelüftet werden. In der Schulturnhalle oder in den Buslinien besteht keine Gefahr. Die Mitarbeiter vom Gesundheitsamt betonten mehrfach, dass eine Ansteckungsgefahr nur dann besteht, wenn man sich über Stunden in unmittelbarer Umgebung mit einer erkrankten Person aufhält und die Bakterien einatmet. Unter freiem Himmel besteht gar keine Gefahr.6.) Woher kommt der Erreger?Diese Frage kann derzeit niemand beantworten. Zwar könne der Wirtsstamm per Genanalyse untersucht werden. Laut Gesundheitsamt können betroffene aber über Jahre den Erreger in sich tragen, ohne dass es zum Ausbruch der Krankheit kommt, deswegen ist es kaum möglich, den Fall nachzuverfolgen. Laut Sozialministerium, können sich Urlauber aber natürlich zum Beispiel bei Backpacker-Reisen nach Osteuropa oder Indien anstecken.7.) Wie häufig gibt es TBC-Fälle? Sachsenweit sind in diesem Jahr bislang 130 Lungen-TBC-Fälle registriert worden, insgesamt sind es 179 Infektionen. Damit bewege man sich auf dem Niveau des Vorjahres, teilte eine Referentin des Sozialministeriums mit. In Dresden gibt es seit Jahresbeginn 43 TBC-Fälle. Auch das sei auf dem Niveau der Vorjahre.8.) Wie wird TBC behandelt?Patienten erhalten zwischen sechs bis neun Monate lang eine Kombination verschiedener Medikamente. Zunächst sind es vier, später zwei Antibiotika. Wie das Gesundheitsamt betonte, ist TBC gut behandelbar und heilbar. Aber natürlich gebe es schwere Fälle, insbesondere bei Vorerkrankungen und in Kombination mit anderen Infektionen.9.) Gibt es eine Impfung?Bis 1998 wurde geimpft. Die Impfung wurde abgeschafft, da die Schutzwirkung nicht so war, wie gewünscht. Die Impfung verhindere nur bei Kleinkindern einen schwereren Krankheitsverlauf, hieß es. Im höheren Alter verhindere die Impfung dagegen nicht die Ansteckung, sagte Cornelia Breuer vom Gesundheitsamt. 10.) Woran erkenne ich TBC?Wenn Sie länger als drei Wochen Husten haben, sollte das der Arzt überprüfen, sagte Cornelia Breuer vom Gesundheitsamt. Ignorieren sollte man das nicht. Häufig bleibt TBC lange Jahre unerkannt. Über einen Bluttest können Antikörper festgestellt werden. Anschließend ist dann das Röntgen der Lunge notwendig.