++ EIL ++

Ernst Hirsch gibt filmisches Gedächtnis Dresdens ins Museum

Zuletzt aktualisiert:

Er hat über mehrere Jahrzehnte die Geschichte von Dresden in Bild und Ton festgehalten - jetzt wird das Lebenswerk des Kameramanns Ernst Hirsch für die Nachwelt gesichert.

Die Sächsische Landesbibliothek und die Museen der Stadt haben die Film- und Kamerasammlung des Dresdner Urgesteins übernommen. Damit wird eine erstrangige Langzeitdokumentation über Dresden mit Aufnahmen von 1903 bis in die 1990er Jahre für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, wie sie in ihrer Dichte für kaum eine andere deutsche Stadt existiert.

Ein einzigartiger Schatz 

Der von Ernst Hirsch zusammengetragene Filmschatz mit über 400 Filmrollen bildet das Fundament für das filmische Gedächtnis der Stadt Dresden mit allen Brüchen und Kontinuitäten ihrer jüngsten Geschichte. Die Sammlung umfasst die letzten bekannten Kopien, die das Leben in der sächsischen Metropole vor 1910 zeigen, sowie Ernst Hirschs eigene versierte Aufnahmen vom mehrfachen Wandel der Stadt nach 1945.

Der Kameramann Ernst Hirsch erklärt: „Angefangen habe ich damals mit einer großen 35 mm Filmkamera einer Dresdner Firma und war dann fast 70 Jahre lang als Kameramann tätig. Nun habe ich mich entschlossen, meine Techniksammlung abzugeben. Alles soll in Dresden bleiben und in den Technischen Sammlungen aufbewahrt werden, weil auch alles in Dresden produziert worden ist, die früheste Kamera ist von 1903. Mein Filmarchiv historischer Filme, beginnend mit 17,5 mm Filmen von 1905, geht an die SLUB Dresden. Ich bin sehr glücklich über diese Entscheidung und froh, dass die Sammlungsbestände in Dresden verbleiben.“

Audio:

Reporterin Andrea Krüger im Gespräch mit Ernst Hirsch

Ernst Hirsch als Sammler von historischen Filmaufnahmen aus Dresden

Die Sammlung Ernst Hirsch ist darüber hinaus von unschätzbarem Wert, da sie auch unikales historisches Filmmaterial enthält, das Ernst Hirsch durch Schenkungen und Erwerbungen über Jahrzehnte zusammengetragen hat. Schon in den 1960er Jahren machte er sich als Sammler historischer Filmaufnahmen seiner Heimatstadt überregional einen Namen.

Die ältesten erhaltenen Bewegtbilder Dresdens in der Sammlung stammen aus dem Jahr 1903. Es handelt sich um kurze Filmsequenzen, die im historischen 17,5 mm-Format mit einer Kino – eine der ersten Amateurfilmkameras, die Heinrich Ernemann 1903 in Dresden produzierte – gedreht wurden und die Stadt im Ausklang der höfischen Tradition unter König Friedrich August III. zeigen.

Vom Leben in der Stadt vor 1945 mit besonderen Ereignissen und der architektonischen Kulisse Dresdens wie auch vom privaten Alltag in Familien unterschiedlicher sozialer Couleur zeugen zahlreiche Amateurfilme in der Sammlung. Auch eindringliche Aufnahmen der Zerstörung der Stadt im Februar 1945, die der Kameramann Kurt Moser im März kurz nach dem Bombenangriff drehte, konnte Hirsch ausfindig machen.

Sammlung soll im Museum gezeigt werden

Ernst Hirschs Anliegen war es stets, seine Filmzeugnisse einer großen Öffentlichkeit sichtbar zu machen – sei es durch zumeist ausverkaufte Filmveranstaltungen oder DVD-Editionen. Darüber hinaus diente seine Sammlung als Quellen- und Arbeitsmaterial für Künstler und Autoren.

Christian Borchert z. B. entnahm den Filmen prägnante Momentaufnahmen und verwendete diese in seinem Bildband „Dresden Flug in die Vergangenheit“. Die Fotonegative sind im Nachlass Christian Borchert in der Deutschen Fotothek an der SLUB überliefert. Die Filmsammlung von Ernst Hirsch wird in den kommenden Jahren wissenschaftlich erschlossen und digitalisiert, um sie der Forschung und einer breiten Öffentlichkeit online zugänglich zu machen.

Die Filmobjekte gehen als Depositum an die Museen der Stadt Dresden und werden künftig in den Technischen Sammlungen bewahrt. Das Museum konnte gleichzeitig die umfangreiche filmtechnische Sammlung von Ernst Hirsch erwerben. Sie umfasst sowohl Kameras der Dresdner Ernemannwerke aus der Frühzeit der Kinematografie und Meilensteine der internationalen Kameratechnik als auch die Kameras, mit denen Ernst Hirsch seit den frühen 1950er Jahren selber gedreht hat.

Stadt- und technikhistorisch besonders wertvoll sind drei Luftbildkameras des Dresdner Fotografen Walter Hahn aus den 1920er Jahren.