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CSD in Pirna bietet AfD-nahem Oberbürgermeister Paroli

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Nach Querelen mit der Stadtspitze und einem Aufruf Prominenter haben viele Menschen im sächsischen Pirna den Christopher Street Day (CSD) gefeiert. Ein Polizeisprecher bezifferte die Teilnehmerzahl am Sonnabend auf 1.200, Vereinschef Christian Hesse sprach von rund 6.000 Menschen über den Tag verteilt. „Das ist absoluter Rekord und wir sind mega zufrieden“, sagte Hesse heute der Deutschen Presse-Agentur. Es seien auch Teilnehmer per Bus aus Köln und Berlin angereist. 

„Jeder Mensch darf lieben und leben, wie er möchte“, sagte Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) in ihrer Rede in Pirna. Statt zu spalten, müsse der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden, mahnte sie.

Der CSD in Pirna (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) hatte im Vorfeld bundesweit für Aufsehen gesorgt. Unter anderem hatten Prominente wie die Komikerin Carolin Kebekus und Fernsehmoderatorin Bettina Böttinger dem Organisationsteam den Rücken gestärkt. Die Dragqueen Meryl Deep organisierte Busfahrten aus Köln. Im Vorfeld war von bis zu 20.000 möglichen Teilnehmern die Rede gewesen.

Oberbürgermeister wollte keine Regenbogenfahne

Anlass war, dass Pirnas parteiloser Oberbürgermeister Tim Lochner, der von der AfD nominiert worden war, es untersagt hatte, anders als in den Vorjahren am Rathaus die Regenbogenflagge zu hissen. Als Reaktion darauf zog die evangelische Kirchgemeinde eine solche Fahne an der Stadtkirche auf.

In einem als privat deklarierten Kommentar hatte Lochner daraufhin eine Verbindung zwischen dieser Flagge und der Hakenkreuzfahne der Nationalsozialisten gezogen, was für weitere Empörung sorgte. Der Kirchenvorstand begründete seinen Schritt als „Ausdruck der Solidarität mit nach wie vor bedrängten Menschen“. Die Fahne drücke „unsere menschliche Vielfalt aus“. Sozialministerin Köpping bedankte sich in ihrer Rede ausdrücklich bei Pfarrer und Kirchgemeinde für ihr Handeln. 

Erst vor einer Woche waren bei einer Versammlung aus dem Querdenker-Spektrum in Dresden eine Regenbogenflagge zerrissen und eine weitere verbrannt worden. Die Fahne gilt international als Symbol für Toleranz und das Akzeptieren der Vielfalt verschiedener Lebensweisen. (dpa)

Bildergalerie: So war der CSD in Pirna