Countdown läuft: Welches Großforschungszentrum kommt in die Lausitz?

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Welche  zwei Großforschungzentren kommen in die Lausitz und in das Mitteldeutsche Revier? Die Entscheidung fällt an diesem Donnerstag in Berlin. Das teilte heute die Sächsische Staatskanzlei mit. Insgesamt sechs Konzepte waren in die engere Wahl gekommen. Eine Kommission hat sie beurteilt Zu den 15 Mitgliedern gehören u.a. der Astronaut Alexander Gerst, Sachsens früherer Ministerpräsident Georg Milbradt   und die Vizepräsidentin für Internationale Beziehungen und Projekte der Universität Breslau, Patrycja Matusz. Die beiden empfohlenen Projekte erhalten jeweils über 1,2 Milliarden Euro vom Bund.  

Welche Anwärter für die Lausitz stehen in den Startlöchern?

 Da ist das Deutsche Zentrum für Astrophysik. Das Projekt umfasst ein Rechenzentrum. Dort sollen Mega-Datenströme von Großteleskopen gebündelt und verarbeitet werden. Die Wissenschaftler wollen außerdem ein Gravitationsteleskop tief im Lausitzer Granit errichten. Mit neuartigen, ressourcenschonenden Baustoffen befasst sich ein weiteres Projekt, das „Lab – Lausitz Art of Building“. Und dann sind da die Forscher des „European Research Institute for Space Ressources” – kurz ERIS. Sie wollen in der Lausitz den Betrieb von Weltraumstationen auf Mond und Mars erforschen.

Eine Übersicht mit allen Vorschlägen für die Lausitz und das Mitteldeutsche Revier, die es in die engere Wahl geschafft haben:

Chemresilienz (Prof. Peter Seeberger, Potsdam): Um die Versorgung wichtiger Industriezweige wie Gesundheit, Verkehr, Energie, Landwirtschaft und Konsumgüter sicherzustellen, will »Chemresilienz – Forschungsfabrik im Mitteldeutschen Revier" eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft chemischer Erzeugnisse etablieren. Nachwachsende Rohstoffe, kurze Transportwege sowie lokale, kostengünstige und nachhaltige Produktionsprozesse sollen die Resilienz der deutschen Chemiewirtschaft sicherstellen – bei gleichzeitiger Einhaltung höchster Arbeitsschutz- und Umweltstandards.

CLAI_RE (Prof. Georg Teutsch, Leipzig): Das »Centre for Climate Action and Innovation – Research and Engineering” (CLAI_RE) will Klimadaten und -wissen bündeln. Auf dieser Basis sollen funktionale digitale Zwillinge von Ökosystemen geschaffen werden und Datenräume in ganz neuen Dimensionen entstehen. CLAI_RE will Handlungsoptionen für den Klimaschutz mit Fokus auf Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasser, Planung urbaner Räume, Energieversorgung, Gesundheit und Mobilität entwickeln.

CMI (Prof. Jens Meiler, Leipzig): Die Initiatorinnen und Initiatoren des »CMI – Center for Medicine Innovation« nehmen neue Technologien zur Digitalisierung und Individualisierung der Medizin in den Fokus. Durch die Vereinigung von Medizintechnik, Digitalisierung und Medikamentendesign soll ein Zentrum der biomedizinischen Forschung und personalisierten Medizin entstehen. Versorgungs- und Wertschöpfungsketten sollen zu einem Ökosystem vereint werden, das die Integration neuer Produkte in Versorgungstrukturen erleichtert und beschleunigt.

Deutsches Zentrum für Astrophysik (Prof. Günther Hasinger, European Space Agency Spanien): In Sachsen sollen die riesigen Datenströme zukünftiger Großteleskope gebündelt und verarbeitet werden. Gleichzeitig sollen in einem neuen Technologiezentrum u.a. Regelungstechniken für Observatorien entwickelt werden. Dabei bauen die Verantwortlichen auf die Erfahrung und das moderne Umfeld der Industrie in Sachsen auf. Zudem wird die Option verfolgt, in den Granitformationen der Lausitz ein Gravitationsteleskop zu bauen.

ERIS (Prof. Carsten Drebenstedt, Freiberg): Das »European Research Institute for Space Ressources” – kurz ERIS – will wissenschaftliche und technologische Grundlagen für die Errichtung und den Betrieb von Weltraumstationen auf Mond und Mars erforschen. Auf dieser Basis will ERIS Lösungsansätze für gesellschaftlich relevante Herausforderungen auf der Erde entwickeln. Aus Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können neue Methoden und Technologien einen Beitrag dazu leisten, Ressourcen im Weltraum und auf der Erde sicherer, effektiver und umweltschonender zu nutzen.

LAB (Prof. Manfred Curbach, Dresden): Das »Lab – Lausitz Art of Building” adressiert einen Paradigmenwechsel im Bauwesen: neue, ressourcenefziente und klimaneutrale Werkstoffe sowie modular geplante, hochexible und lange nutzbare Bauwerke sollen den enormen Ressourcenverbrauch im Bauwesen mindern. Das Konzept integriert die modernsten Ansätze der Materialforschung, der Produktionstechnologien und der Digitaltechnologien, sodass sich die Lausitz als arbeitsplatzwirksame europäische Modellregion für nachhaltiges Planen und Bauen entwickeln kann.