Chaos in 15 Minuten - Unwetter wütet in Gröditz
In Gröditz im Landkreis Meißen hat am Abend offenbar ein Unwetter gewütet. Es tobte eine Viertelstunde zwischen 19 Uhr und 19.15 Uhr über Gröditz und den umliegenden Ortsteilen. Bei der Feuerwehr gingen die Meldungen im Akkord ein. Es gab Hinweise auf einen Tornado. Die Feuerwehr habe mithilfe von Drohnenaufnahmen eine Schneise erkannt, teilte die Sprecherin der Stadtverwaltung Gröditz mit.
Vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume, beschädigte Dächer ... auch eine Hochspannungsleitung war umgekippt. Der Bahnverkehr kam zum Erliegen. Über 70 Meldungen gingen ein, wie uns ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen sagte. 150 Kräfte von Feuerwehr, Polizei und THW arbeiteten die Einsätze ab. Verletzte gibt es zum Glück nicht.
Keine Hinweise auf einen Tornado
Bei dem Windphänomen hat es sich nach ersten Untersuchungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aber nicht um einen Tornado gehandelt. Nach Sichtung von Radarbildern deute derzeit viel darauf hin, dass die Ursache für die Schäden geradlinige Winde (Fallböen) gewesen seien, hieß es am Mittag. Endgültige Klarheit kann demnach nur eine Untersuchung der Schäden und des Schadensmusters vor Ort bringen. Dies würde aber einige Zeit in Anspruch nehmen. Dafür müsste auch das Fallmuster von Bäumen untersucht werden. Die Tornado-Experten gehen aber aufgrund der Bilder davon aus, dass die Windgeschwindigkeiten in Gröditz höher als 140 Kilometer pro Stunde gewesen sein müssen.
In Leipzig wurde wegen der hohen Unwettergefahr die offizielle Fanzone zur EM geschlossen. In Brandenburg strandete nahe der Grenze zu Sachsen ein Eurocity nach Prag, weil ein Baum auf die Oberleitung gefallen war. 250 Fahrgäste mussten den Zug bei Elsterwerda verlassen. Der Fernverkehr zwischen Berlin und Dresden war am Mittwochmorgen noch gestört, wie die Deutsche Bahn mitteilte.
In Dresden verlief die Nacht trotz Gewitterwarnung ruhig. Die Feuerwehr vermeldete bis nach Mitternacht keine Einsätze mit Wetterbezug.