Carolabrücke: Hat Dresden brisante Gutachten ignoriert?
Zum Einsturz der Dresdner Carolabrücke gibt es offenbar neue Erkenntnisse. Offenbar ignorierte die Baubehörde jahrelang brisante Gutachten zum desolaten Zustand der Brücke und vernachlässigte wichtige Instandhaltungsmaßnahmen.
Das berichtet die BILD und beruft sich auf interne Unterlagen aus dem Dresdner Rathaus. Schon vor zwei Jahren gab es demnach ein Gutachten, das die Tragfähigkeit der Brücke infrage stellte.
Für einen 25 Meter langen Abschnitt zwischen den Achsen D und E der Carolabrücke konnte schon damals „keine ausreichende Druckspannungsfestigkeit“ nachgewiesen werden.
Straßen- und Tiefbauamt weist Vorwürfe zurück
Das Straßen- und Tiefbauamt der Landeshauptstadt weist daraufhin, dass sich die Carolabrücke seit Jahrzehnten in permanenter Begutachtung und Bewertung befindet. "Alle durchgeführten Prüfungen, Besichtigungen und Nachrechnungen werden ausgewertet und notwendige Maßnahmen abgeleitet und umgesetzt" heißt es aus dem Rathaus.
Die nun in der Presse zitierten Gutachten seien keine geheimen Unterlagen, sondern Teil der von verschiedenen Stadträten beantragten und seit Anfang Oktober laufenden Akteneinsicht. "Die bisher von der Stadtverwaltung gemachten Aussagen zum Zustand der Carolabrücke basieren auf Tatsachen", sagte uns ein Stadtsprecher.
"Bisher wurde nur an der schlaffen Bewehrung im Hohlkasteninneren Korrosion festgestellt. Diese hat nichts mit der Tragfähigkeit von Brückenzug C zu tun. Eine Auslastung der rechnerischen Tragfähigkeit von 100 Prozent ist Bemessungsziel moderner Konstruktionen und berücksichtigt alle erforderlichen Sicherheiten für Risiken der Herstellung, der Baustoffe und der Nutzung."
Im Zusammenhang mit den Ereignissen an der Carolabrücke habe die Stadt sofort ein unabhängiges Büro beauftragt, sämtliche Unterlagen und Entscheidungen in Bezug auf die Carolabrücke zu sichten und fachlich zu bewerten. "Solange diese Ergebnisse nicht vorliegen, sollten aus dem Zusammenhang gerissene Einzelbewertungen vermieden werden", heißt es weiter.