Bundeskanzlerin stellt sich Fragen der Chemnitzer
Bei ihrem Besuch in Chemnitz hat sich Kanzlerin Angela Merkel ein Bild über die Lage und die Stimmung in der Stadt gemacht. Sie sprach mit der Oberbürgermeisterin und mit der Polizeipräsidentin, aber auch mit dem Theaterintendanten und mit Vertretern der Wirtschaft. Im Anschluss stellte sich Merkel bei einem Forum der Freien Presse den kritischen Fragen der Leser. In Sichtweite der Veranstaltung demonstrierten mehrere hundert Menschen gegen Merkel und ihre Politik. Zu der Demo hatte die Wählervereinigung Pro Chemnitz aufgerufen, auch die rechte Merkeljugend und Pegida beteiligten sich daran. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Merkel zeigte bei ihrem Besuch in Chemnitz Verständnis für das mangelnde Sicherheitsgefühl in der Stadt. Sie könne die Aufregung und Erregung vieler Menschen verstehen, nachdem Ende August ein Chemnitzer vermutlich von Asylbewerbern erstochen worden war. Diese Erregung rechtfertige aber nicht, bei rechtsradikalen Demonstrationen Straftaten zu begehen, so Merkel in der Gesprächsrunde.Merkel verteidigte sich gegen Kritik, nach der Einladung von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) zu spät in die Stadt gekommen zu sein. Sie habe lange darüber nachgedacht, wann der beste Zeitpunkt für ihren Besuch sei - auch vor dem Hintergrund, dass sie auf viele Menschen polarisierend wirke. Sie habe nicht in einer völlig aufgewühlten Stimmung kommen wollen. Nun gehe es für sie darum zu prüfen, was auch der Bund dafür tun könne, damit die Stadt nicht dauerhaft in ein falsches Licht gerückt werde. Ende August war ein 35-jähriger Chemnitzer vermutlich von Asylbewerbern erstochen worden. Tausende Bürger, darunter auch Rechtsradikale, waren danach auf die Straße gegangen. Es gab auch fremdenfeindliche Übergriffe, Attacken auf jüdische, persische und türkische Restaurants, und die rechte Terrorgruppe „Revolution Chemnitz“ wurde aufgedeckt. (mit dpa)