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Brandanschlag auf geplante Asylunterkunft in Prohlis

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Auf die geplante Asylun­ter­kunft an dem Schul­standort Boxberger Straße in Dresden-Prohlis ist in der Nacht zu Mittwoch ein Brand­an­schlag verübt worden. Unbekannte warfen zwischen 1.30 Uhr und 02.00 Uhr vier Molotow­cock­tails auf das Gebäude, teilte das Opera­tive Abwehr­zen­trum der Polizei mit. Die Brand­sätze sorgten für Schäden am Gebäude, lösten aber keinen Brand im Gebäude aus.Das Opera­tive Abwehr­zen­trum teilte mit, es werde "in alle Richtungen ermit­telt". Ein rechts­po­li­tisch motivierter Hinter­grund der Tat ist jedoch sehr wahrschein­lich. In dem Gebäude sollten ab Freitag 150 Flücht­linge unter­ge­bracht werden. Zeugen, die sachdien­liche Hinweise zum Sachver­halt geben können, werden gebeten, sich bei der Polizei­di­rek­tion Dresden (Telefon­nummer 0351/483 22 33) oder jeder anderen Polizei­dienst­stelle zu melden.OB Hilbert: "Beschä­mend und wider­lich"„Der Anschlag auf das Schul­ge­bäude ist beschä­mend und wider­lich“, erklärt Oberbür­ger­meister Dirk Hilbert. „Nichts, wirklich gar nichts recht­fer­tigt eine solche Tat. In einer Demokratie sind Diskus­sionen, Streit und Demons­tra­tionen legitime und notwen­dige Mittel der freien Meinungs­äu­ße­rung. Mit Gewalt - egal ob gegen Sachen oder Menschen - ist eine Grenze überschritten. Ich warne auch dieje­nigen, die vielleicht heimlich Beifall klatschen: Der Schaden solcher Taten ist für die Stadt weit größer, als kaputte Türen und Fenster­scheiben. Ich als Oberbür­ger­meister werde es nicht hinnehmen, dass fremden­feind­liche und rassis­ti­sche Anschläge das Klima in unserer Stadt vergiften. In meinen zahlrei­chen Gesprä­chen und Terminen wird mir immer wieder über Ängste und Unsicher­heiten gegen­über Flücht­lingen berichtet. Diese Ängste nehme ich, nehmen wir als Stadt­ver­wal­tung ernst. Flücht­linge müssen die Werte unseres Zusam­men­le­bens anerkennen. Fakt ist aber auch, dass in diesem Fall nicht Asylbe­werber und Flücht­linge die Gewalt auf die Straße tragen, sondern radika­li­sierte Gruppen, die meinen im Namen der “besorgten Bürger„ zu handeln. Die eigent­liche Bedro­hung für unser Zusam­men­leben geht von denje­nigen aus, die Brand­bomben werfen und Hass predigen, nicht von denen die bei uns Schutz suchen.“Bereits am Montag zeich­nete sich eine Gefahr in Prohlis abBereits am Montag war das Thema im Ortsbeirat Prohlis hitzig disku­tiert worden, betrun­kene Anwohner verfolgten die Diskus­sion, immer wieder wurde die Debatte durch Zwischen­rufe gestört, Belei­di­gungen fielen. Als am Montag­abend am Himmel dann eine Rauch­wolke aufstieg, rannte ein Teil der Anwohner in Richtung Schule, es wurde gejohlt "die Schule brennt", unser Sender hatte darüber berichtet. Wie sich dann herausgestellt hat, handelte es sich um einen Brand in einem anderen Ortsteil. Später versammelten sich am Montag etwa 50-60 teils stark alkoholisierte Anwohner vor dem Gebäude, warfen Bierflaschen auf Polizisten, eine Beamtin wurde leicht verletzt.Eltern der 89. Grund­schule und die Dresdner CDU hatten bereits seit Freitag eine Alter­na­tiv­lö­sung gesucht. Auch der Landes­el­ternrat hatte sich gegen die Unter­brin­gung von Flücht­lingen ausge­spro­chen. Am Mittwochmorgen hatten über 200 Eltern ihre Kinder aus Protest nicht zur Schule geschickt.Kinder sollen in anderes Schul­ge­bäude umziehenParallel zu den Planungen für die Flücht­lings­un­ter­kunft im leeren Haus A prüft die Stadt, den Schul­be­trieb der 89. Grund­schule bereits in den Herbst­fe­rien komplett in ein alter­na­tives Schul­ge­bäude auszu­la­gern. Wegen der derzeit laufenden Sanie­rungs­ar­beiten am Stamm­haus der 89. Grund­schule in Dresden-Nieder­sed­litz war deren Rückzug bisher im Februar 2016 vorge­sehen. Zwei mögliche Varianten wurden am Dienstag durch Schul­bür­ger­meister Lames in der Schul­kon­fe­renz gemeinsam mit Schul­lei­tung und Eltern­ver­tre­tern erörtert. Eine Entschei­dung wird noch in dieser Woche erwartet. Mögli­cher­weise können die Kinder in ein leerste­hendes Schul­ge­bäude am Terras­sen­ufer umziehen. Für den Hort sind Kapazi­täten in Kleinz­schach­witz denkbar, berichten Insider. Erst nach dem Umzug soll entschieden werden, wann die Flücht­lings­un­ter­kunft in Prohlis in Betrieb genommen wird.