• Der Prozess­auf­takt am Dresdner Amtsge­richt, auf der Ankla­ge­bank sitzen drei Männer, darunter Timo S., der auch als Kopf der "Gruppe Freital" gilt.

    Der Prozess­auf­takt am Dresdner Amtsge­richt, auf der Ankla­ge­bank sitzen drei Männer, darunter Timo S., der auch als Kopf der "Gruppe Freital" gilt.

Bewährungsstrafen für Baseball­schläger-Angriff von Freital

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Am Amtsge­richt Dresden sind am Dienstag drei Männer nach der Hetzjagd mit einem Auto und dem Baseball­schläger-Angriff auf Pro-Asyl-Demons­tranten zu Bewäh­rungs­strafen zwischen 10 und 14 Monaten verur­teilt worden. Zudem müssen zwei ihren Führer­schein abgeben, einer muss 1000 Euro an die Opfer­hilfe Sachsen (RAA) zahlen, der dritte Angeklagte Sozial­stunden leisten.

Laut Anklage hatten der unter Terror­ver­dacht stehende 27-jährige Timo S. und zwei Mitan­ge­klagte im Juni 2015 nach einer Demons­tra­tion vor einem Asylbe­wer­ber­heim in Freital Jagd auf Flücht­lings­un­ter­stützer gemacht haben. Sie und Komplizen hätten nach einer Solida­ri­täts­kund­ge­bung vor dem Heim ein Auto mit fünf Flücht­lings­un­ter­stüt­zern verfolgt, um den Insassen "eine Abrei­bung in Form von Körper­ver­let­zungs­hand­lungen zu erteilen". Sie stoppten die Gruppe an der HEM-Tankstelle an der Tharandter Straße in Dresden, schlugen mit dem Baseball­schläger auf zwei Scheiben des Autos.

Gegen den Busfahrer, der seit November 2015 in Unter­su­chungs­haft ist, ermit­telt wegen anderer Anschläge auf Flücht­lings­un­ter­künfte und ein alter­na­tives Wohnpro­jekt auch die Bundes­an­walt­schaft. Dem gebür­tigen Hamburger und mindes­tens sieben weiteren Mitglie­dern einer Freitaler Bürger­wehr wird zudem die Bildung einer terro­ris­ti­schen Verei­ni­gung vorge­worfen. Das Dresdner Verfahren ist von den Terror-Ermitt­lungen unabhängig.

Das Jugend­schöf­fen­ge­richt hatte über die Konstel­la­tion beraten, eröff­nete dann aber das Haupt­ver­fahren gegen alle drei Angeklagte - wegen gefähr­li­chen Eingriffs in den Straßen­ver­kehr, Nötigung, gefähr­liche Körper­ver­let­zung bei einem 19-Jährigen und bei den Mitan­ge­klagten wegen Beihilfe sowie Sachbe­schä­di­gung. Sie haben nach Überzeu­gung der Staats­an­walt­schaft bei der Verfol­gungs­jagd "unter grober Missach­tung sämtli­cher Verkehrs­re­geln" den Wagen an einer Tankstelle mit Autos blockiert.

Der 19-Jährige, der zur Tatzeit erst 18 Jahre alt war, gab vor dem Jugend­schöf­fen­ge­richt zu, dann mit einem Baseball­schläger auf das Fahrzeug einge­schlagen zu haben. Er habe sich durch die aufge­heizte Stimmung hinreißen lassen, sagte der Arbeits­lose. Im Auto war der Sohn des stell­ver­tre­tenden Minis­ter­prä­si­denten Martin Dulig durch Glassplitter an den Händen verletzt worden. Auch Timo S. räumte über seinen Vertei­diger die Vorwürfe der Anklage ein.

Der dritte Angeklagte, ein 46-Jähriger, versuchte, den Vorfall zu bagatel­li­sieren: Sie seien auf dem Nachhau­seweg gewesen. Die Jungs im Auto hätten ihnen den Mittel­finger gezeigt, er wollte sie zur Rede stellen, erklärte der Rohrschlosser, der Ordner bei der "Nein zum Heim"-Demons­tra­tion in Freital war. Er und der 19-Jährige sind bisher auf freiem Fuß. Gegen Timo S. wird von der Bundes­an­walt­schaft u. a. wegen Bildung einer terro­ris­ti­schen Verei­ni­gung ermit­telt. Er soll zusammen mit anderen die "Gruppe Freital" gegründet und Anschläge auf Asylun­ter­künfte und ein alter­na­tives Wohnpro­jekt in Dresden verübt haben.

Die Neben­klage hatte auch Strafen ohne Bewäh­rung gefor­dert. Das Gericht verzich­tete am Nachmittag nach einem Gespräch mit allen Betei­ligten auf die weitere Verneh­mung weiterer Zeugen und verhängte am Abend die auf zwei Jahre auf Bewäh­rung ausge­setzten Freiheits­strafen. Die Ermitt­lungen gegen Timo S. im Zusam­men­hang mit der mutma­ß­li­chen rechts­ter­ro­ris­ti­schen "Gruppe Freital" blieben von dem Urteils­spruch und der Findung des Straf­maßes unberührt. Die Urteile sind noch nicht rechts­kräftig. "Dass Menschen, die mitten im Leben stehen, solche Taten begehen, ist eine neue Dimen­sion", sagte der Vorsit­zende Richter zu den beiden älteren Angeklagten. (Red/dpa)