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Bedarf an Wohnungen für Asylbewerber steigt

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Dresden (dpa/sn) - In Sachsen steigt der Bedarf an normalem Wohnraum für Flücht­linge. Während die Belegung in den Erstauf­nah­me­ein­rich­tungen zurück­geht, müssen zuneh­mend anerkannte Asylbe­werber in den Städten und Gemeinden unter­ge­bracht werden - eine Heraus­for­de­rung vor allem für die Ballungs­zen­tren. Gerade in Dresden und Leipzig werde preis­güns­tiges Wohnen schwierig, sagte der stell­ver­tre­tende Geschäfts­führer des Sächsi­schen Städte- und Gemein­de­tages (SSG), Ralf Leimkühler. Das bekommen nicht nur Rentner, Studenten oder Gering­ver­diener zu spüren, sondern auch immer mehr Asylbe­werber: Bekommen sie Bleibe­recht - und finden keinen Job - haben sie Anspruch auf mit Hartz-IV verbun­dene Leistungen. Dazu zählt auch der entspre­chende Wohnraum.  Laut SSG gibt es zwar keine Statistik. „Nach unserem Eindruck zieht es tatsäch­lich die meisten anerkannten Flücht­linge in die kreis­freien Städte“, so ein Sprecher. Dort könnte sich die Wohnsi­tua­tion in den nächsten Jahren verschärfen.  Nach eigenen Angaben hält Leipzig derzeit die Belegungs­rechte an 280 Wohnungen für Bedürf­tige. Hinzu kommen weitere 179 Wohnungen über ein Förder­pro­gramm des Freistaates, die vor allem Geflüch­teten zur Verfü­gung gestellt werden. Grund­sätz­lich müsse sich jeder zunächst selbst um Wohnraum bemühen, erklärte eine Sprecherin. Dies werde in einer stark wachsenden Stadt wie Leipzig aber zuneh­mend schwerer.  Die Messe­stadt arbeite daher an einer Strategie, wie Flücht­linge auch in den nächsten Jahren unter­ge­bracht werden können. In diesem Zusam­men­hang werden auch die Auswir­kungen auf den Wohnungs­markt in der Stadt betrachtet, hieß es. Die Ergeb­nisse sollen dem Stadtrat in den nächsten Monaten vorge­legt werden.  Dresden rechnet mit einem Bedarf von 2000 bis 4000 Wohnungen für Asylbe­werber mit Bleibe­recht. Der Bedarf hängt von vielen Faktoren ab: „Wie schnell die Antrags­be­ar­bei­tung durch das BAMF erfolgt, ob sie in Dresden bleiben und in welchem Umfang der Famili­en­nachzug erfolgt“, so Stadt­spre­cher Kai Schulz. Ende des Jahres soll eine Studie zum Flücht­lings­wohnen Auskunft über den Bedarf geben.   Die Stadt hält zwar die Belegungs­rechte an mehr als 10 000 Wohnungen, die über einen sogenannten Wohnbe­rech­ti­gungs­schein vermietet werden. Dennoch werden bezahl­bare Wohnungen knapp. Noch in diesem Jahr soll daher eine städti­sche Wohnungs­bau­ge­sell­schaft (Woba) in Form einer GmbH gegründet werden, erklärte Schulz. Bis 2019 sind 2500 neue Wohnungen zu sozial­ver­träg­li­chen Preisen geplant. Chemnitz hat in diesem Jahr 635 Asylbe­werber neu aufge­nommen. „Jeder, der einen Anspruch auf den entspre­chenden Wohnraum hat, bekommt diesen auch derzeit“, so ein Stadt­spre­cher. Insge­samt leben aktuell rund 2400 Asylbe­werber in Chemnitz in kommu­naler Unter­brin­gung, die meisten in von der Stadt angemie­teten Wohnungen. Im Kreis Görlitz konnten anerkannte Flücht­linge bisher problemlos unter­ge­bracht werden, erklärte Dezer­nent Werner Genau. 80 Prozent der Asylbe­werber würden die Region in Richtung Großstädte und Ballungs­zen­tren verlassen, sobald sie ihren Aufent­halts­titel haben. Genau geht jedoch davon aus, dass sich das ändert, wenn das neue Integra­ti­ons­ge­setz in Kraft tritt. Unter anderem müssen Flücht­linge nach ihrer Anerken­nung dann nicht nur drei Jahre lang in dem Bundes­land leben, in dem sie ihr Asylver­fahren durch­laufen haben. Um „soziale Brenn­punkte“ zu vermeiden, kann ihnen das Land auch vorschreiben, wo genau sie leben müssen.  2015 haben die Landkreise und kreis­freien Städte in Sachsen laut SSG Kosten in Höhe von 280 Millionen Euro für die Unter­brin­gung und Versor­gung von Asylbe­wer­bern verbucht. Im Schnitt waren in den Kommunen im Vorjahr 22 600 Asylbe­werber unter­ge­bracht. Weil es ein ständiges Kommen und Gehen ist, können nur Durch­schnitts­werte angegeben werden, erklärte ein SSG-Sprecher. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres mussten in den Kommunen insge­samt knapp 40 000 Asylbe­werber unter­ge­bracht werden. Der SSG geht deshalb davon aus,  dass die Kosten in diesem Jahr noch einmal deutlich steigen.