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Jede Menge Zoff um Geld & Brücken-Ampel in Bad Schandau

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So sehr sich alle Bad Schandauer, Touristen und Pendler aus dem Umland über die Wiederöffnung der Elbbrücken in Bad Schandau am 10. April gefreut hatten, so sehr wird der Weiterbetrieb jetzt zur Posse! 

Erst das Hickhack mit den Radfahrern, die erst gar nicht über die Brücke durften (Verbotsschilder). Das wurde korrigiert, nun können sie durch die Spurentrennung in der Mitte der Straße jedoch nicht überholt werden. Letztlich radeln sowieso fast alle auf dem Fußweg... Und nun der Streit um den Busverkehr.

Seit Tagen sind Ampeln für einen möglichen Linienbusverkehr aufgestellt. Doch die Brücke ist, laut Verkehrsschildern, nach wie vor nur für bis zu 7,5 Tonnen, befahrbar. Das Infrastrukturministerium sagt auf Anfrage unseres Senders: „Es wurden alle Voraussetzungen geschaffen, dass Überqueren der Brücke auch für Busse in Einzelfahrten möglich ist.“ Das sei jedoch eine exklusive Ausnahmeregelung „nur für die Busse des RVSOE, um den regionalen ÖPNV wieder zu ermöglichen und zu erleichtern.“ Heißt: Reisebusse und Lkws, die schwerer als 7,5 Tonnen sind, müssen weiterhin bis zu 40 km Umweg in Kauf nehmen. 

Wann die ersten Linienbusse jedoch wieder rollen könnten, wollte das Ministerium nicht beantworten: „Dafür ist der Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zuständig.“

Was dessen Geschäftsführer Uwe Thiele wiederum wütend macht. Er weist die Entscheidung von sich: „Es gibt eine verkehrsrechtliche Anordnung und die besagt, dass ich nur im Ausnahmefall mit einem leeren Bus derzeit über die Brücke darf. Daran hab ich mich zu halten.“ Die Entscheidung darüber läge beim Landratsamt und beim Infrastrukturministerium. Und die streiten - wie so oft - übers Geld!

Denn wie Landrat Michael Geisler bereits zu bedenken gab, führt Busverkehr mit Ampelschaltung nicht zu mehr Verkehr, sondern mehr Stau. Laut RVSOE queren bis zu 16 Busse im normalen Linienfahrplan stündlich die Elbe. Jeder Bus (vollbesetzt 32 Tonnen schwer) braucht ca. 2 Minuten. Weil immer nur ein Bus - aber keine weiteren Fahrzeuge - auf der Brücke sein darf, hieße das: Die Brücke ist pro Stunde mehr als die Hälfte der Zeit gesperrt. Also eigentlich auch keine Lösung!

Doch die Alternative kostet Geld. Für die geteilten Buslinien auf beiden Elbseiten sowie die zusätzliche Elbfähre laufen monatlich rund 200.000 Euro auf, über über eine Million Euro sind es bereits. „Das Geld wird dem Landkreis durch den Freistaat erstattet“, so Landrat Geisler. „Wir alle wissen, dass das Infrastrukturministerium einen Sparauftrag hat und insofern wurde ich schon angesprochen, ob wir nicht die Lösung mit den Ampeln fahren könnten, dann könnte sich der Freistaat zumindest diese Kosten sparen. Allerdings hab ich die politischen Auswirkungen, wenn die Leute dort Stunden im Stau stehen, zu bedenken gegeben“, so Geisler weiter. Das Landratsamt plädiert für die Lösung: Entweder alle (Fahrzeuge, also Busse und Lkws) ohne Ampel oder keiner (von beiden).

Der Freistaat wolle nun versuchen, sich das Geld beim Bund zu holen, dem wegen der Bundestraße B172, die über die Brücke führt, eigentlich das Bauwerk gehört.

Audio:

Landrat Michael Geisler